Abenteuer Dschungel: Wie überlebt man im Regenwald?

Mehrere Monate im Jahr zieht es Dieter Schonlau und seine Frau in die Wildnis. Im ersten Teil unseres Interviews verrät der Regenwald-Experte, wie man im und vom Dschungel lebt, was ein gutes Foto ausmacht und welcher Moment ihn am meisten bewegt hat. Donnerstag, 12. Dezember 2019

Herr Schonlau, Sie sind gelernter Konditormeister. Wie kommt man dazu, Regenwald-Experte und -Fotograf zu werden?

Schon als Kind war ich ein großer Tarzan-Fan (lacht). Dann schenkte mir mein Vater meine erste Kamera und ich begann die Tier- und Pflanzenwelt um mich herum immer intensiver zu entdecken. Seit über 30 Jahren zieht es meine Frau Sandra und mich mehrere Monate im Jahr in die Regenwälder nach Südostasien und Südamerika. Mein Beruf gibt mir dafür die Sicherheit. So sind wir unabhängig und können ohne irgendwelche Verpflichtungen unserer Begeisterung nachgehen.

Ist ein Leben fernab der modernen Zivilisation nicht dennoch eine enorme Umstellung?

Die ersten Wochen sind schon hart – trotz all der Erfahrungen, die wir über die Jahrzehnte gesammelt haben. Das meiste, was für uns in Europa selbstverständlich ist, existiert dort nicht. Das beginnt beim Wasser, das man am Fluss sammelt und abkochen muss. Und dann ist da diese permanente Hitze und Feuchtigkeit. Man wird ständig gestochen, es juckt überall. Aber nach einer Eingewöhnungsphase ergibt sich eine gewisse Routine. Wir profitieren auch ungemein von dem Wissen, das uns die Ureinwohner, die im und vom Wald leben, über die Jahre vermittelt haben.

Was haben Sie dabei gelernt? Wie überlebt man mehrere Monate im Regenwald?

Wie gesagt: Erfahrung ist alles. Meine Frau Sandra und ich schlagen in der Regel zuerst ein Basiscamp an einem Fluss auf. Dort haben wir Zugang zu Wasser, können Fische fangen und uns waschen. Gerade Hygiene ist sehr wichtig im Regenwald. Wir bewegen uns in kleinen Schritten achtsam durch den Wald. Vor allem am Anfang legen wir dabei meist höchstens 500 Meter täglich zurück. Man muss seine Sinne schärfen: Genau hinsehen, fühlen, hören, riechen. So lernt man das Waldgebiet Stück für Stück kennen. Gerade im Kleinen entdeckt man dann unglaublich viel. Aufgebrochene Früchte auf dem Boden weisen auf Tiere hin. Brüllaffen kann man sogar riechen. Enorm hilfreich ist natürlich, wenn man zusätzlich Proviant wie zum Beispiel Reis mit im Gepäck hat.

Was sind denn überhaupt die drei wichtigsten Gegenstände für eine Dschungelexpedition?

Am wichtigsten ist das Buschmesser, das muss man immer dabei haben. Nicht nur, um sich einen Weg durch das Gestrüpp zu bahnen oder zur Nahrungsbeschaffung. Es hilft auch bei der Orientierung, zum Beispiel um Bäume zu markieren, weil es nun einmal keine Wege gibt. Dann würde ich unbedingt eine Hängematte mit Moskitonetz mitnehmen. Und natürlich ein Stativ für meine Kamera. Gerade das Stativ ist essentiell, um gute Fotos bei den widrigen Lichtverhältnissen im dichten Urwald zu machen.

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Und was macht am Ende ein gutes Wildlife-Foto aus? Haben Sie einen Tipp für Hobbyfotografen?

Ein gutes Wildlife-Foto bedeutet für mich, dass der Fotograf ein echtes Gefühl zum Ausdruck bringt, das ihn persönlich bewegt hat. Das kann Überraschung, Freude oder Begeisterung sein, aber natürlich auch Trauer oder Verzweiflung. Viele heutige Aufnahmen wirken unnatürlich, arrangiert, am Computer gemacht. Wenn ich ein Bild von einem Orang-Utan mit seinem Baby im Arm sehe, bin ich mir sicher, dass es nicht in freier Wildbahn aufgenommen wurde, sondern in einem Gehege. Entscheidend ist mir, dass ein Bild ehrlich und authentisch ist. Auch wenn es vielleicht technisch nicht perfekt ist.

Verraten Sie uns ein Erlebnis, das Sie persönlich in all den Jahren im Regenwald besonders bewegt hat?

Auf unserer ersten Reise vor etwa 30 Jahren in Sumatra entdeckten wir frühmorgens am anderen Flussufer ein weibliches Tier mit seinem Jungen. Ich schwamm über den Fluss und setzte mich vorsichtig auf einen umgekippten Baumstamm, um die Tiere besser beobachten zu können. Plötzlich kam die Mutter und setzte mir ihr Junges auf den Oberschenkel. Es schien, als wolle sie mir stolz ihren Nachwuchs zeigen. Es klingt unglaublich und ist doch so passiert. Einen Orang-Utan aus nächster Nähe in freier Wildbahn zu beobachten, ist ein magischer Moment. Im Laufe der Jahre haben wir unzählige Beobachtungen erlebt, die unter die Haut gehen. Das kann ein Urwaldriese wie ein Waldelefant sein – aber auch ein faszinierendes Insekt wie zum Beispiel ein Wandelndes Blatt.

Im zweiten des Interviews spricht Dieter Schonlau am nächsten Samstag über Bedrohung und Schutz der Regenwälder.

Über Dieter Schonlau und Sandra Hanke

Seit über 30 Jahren reisen Dieter Schonlau (*1963) und seine Frau Sandra Hanke (*1968) rund um den Globus, um die Faszination der Regenwälder zu studieren, fotografieren und zu ihrer Erhaltung beizutragen. Mehr als zehn Jahre haben sie zusammengerechnet in der Wildnis verbracht. Mit ihren Fotos, Vortragsreihen und Seminaren möchten sie die Begeisterung für die Schönheit und Artenvielfalt der Regenwälder wecken und zugleich bewusst machen, wie wichtig es für die Menschheit ist, diese Regionen aktiv zu schützen. Schonlau und Hanke leben in Paderborn. Mehr Infos unter: www.wildlifephoto.de

Jens Voss

 

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