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Unglaubliche Natur: Der Märchenwald auf Teneriffa

Im Nordosten Teneriffas liegt das Anaga-Gebirge. Hier haben sich uralte Lorbeerwälder erhalten, die an eine Fantasiewelt erinnern und von vielen seltenen Arten bewohnt sind.

Von Katja Heller
Veröffentlicht am 19. März 2021, 14:31 MEZ
Märchenhafter Lorbeerwald auf Teneriffa

Der Bosque de las Mercedes, der Mercedeswald, ist einer der einzigartigen Lorbeerwälder auf Teneriffa, um den sich viele Legenden ranken.

Bild ferkelraggae/ stock.adobe.com

Es ist ein mystischer Ort: Lange, knorrige Äste bilden Tunnel, überall wachsen Flechten, Moose und Farne. Lianen und Efeu hängen von den Bäumen herab, dichte Nebelschwaden stehen zwischen den Stämmen, und ganz selten geben die Bäume den Blick auf das Meer frei. Der Bosque de las Mercedes, der Mercedeswald, ist einer der einzigartigen Lorbeerwälder auf Teneriffa. „Der Legende nach war Anaga ein Treffpunkt für Hexen“, erklärt Cao Sanchez Serrano von Anaga Experience.

Einzigartige Flora und Fauna

Auf einer Höhe von 500 bis 1100 Metern treffen die Passatwinde auf das Anaga-Gebirge im Nordosten Teneriffas. Die Wolken bleiben an den Bergen hängen und schaffen ein tropisches Klima – ideale Verhältnisse für die Lorbeerbäume, die bis zu 30 Meter hoch werden.

Neben wirbellosen Tieren wie Würmern und Gliederfüßern, die die feuchte und schattige Umgebung schätzen, leben hier Fledermäuse und zahlreiche Vogelarten, darunter die endemische Lorbeer- und Silbertaube. Auch einige Schmetterlingsarten kommen nur im Landschaftspark Anaga vor und mit der Zweiblättrigen Grünstendel eine seltene Orchideenart. Ein Blickfang ist die rot-orange blühende Kanaren-Glockenblume, die bis zu drei Meter in die Höhe klettert. Die märchenhafte Stimmung wird durch die Bartflechten verstärkt, die hellgrün und weiß in bis zu 30 Zentimeter langen Gebilden aus feinen Fäden von den Ästen hängen. Cao Sanchez Serrano zeigt auf einen Strauch: „Das ist der ‚Old man’s beard‘“, sagt er. Das Flechtengebilde sieht aus wie der Rauschebart eines märchenhaften Waldbewohners.

Wie der Rest des Anaga-Gebirges ist der Mercedeswald beliebt bei Wanderern. Ein guter Ausgangsort, um die Gegend auf verschlungenen Pfaden zu erkunden, ist das Besucherzentrum am Aussichtspunkt Cruz Del Carmen. Hier eröffnet sich ein Panorama auf La Laguna und den Teide. Aber Achtung: Im zum Biosphärenreservat erklärten Landschaftspark Anaga gibt es Naturschutzgebiete, die nur mit Genehmigung betreten werden dürfen, darunter El Pijaral mit den eindrucksvollen Felsformationen Roque Chinobre und Roque de Anambro, ein Heiligtum der Guanchen, der ersten Einwohner Teneriffas.

Der Hirtensprung

Außerhalb der Lorbeerwälder ist Anaga von Berglandwirtschaft geprägt. Die Bewohner der Region bauen Kartoffeln und Gemüse an und halten Ziegen. Lange Zeit pflegten die Ziegenhirten eine besondere Art der Fortbewegung: den Hirtensprung. Mithilfe eines langen Holzstabes mit Metallspitze überwanden sie mit gewaltigen Sprüngen unwegsames Gelände, sprangen über Schluchten oder Felsen. Doch die Fortbewegungstechnik gerät immer mehr in Vergessenheit. José Domingo Perdomo aus Taborno will sie erhalten; er gibt Vorführungen und Kurse. „Alle aus meiner Familie beherrschten den Sprung. Die Tradition soll nicht verloren gehen.“ Mit etwas Glück trifft man ihn sogar selbst an – auf einer Wanderung zum Roque Taborno.

Info: Die Genehmigung für die Schutzgebiete El Pijaral und Monte de Aguirre ist kostenfrei und kann 90 Tage im Voraus für bis zu fünf Personen beantragt werden: centralreservas.tenerife.es Geführte Touren kann man bei Anaga Experience buchen: anagaexperience.com

 

Dieser Artikel erschien in voller Länge in der Januar 2021-Ausgabe des deutschen NATIONAL GEOGRAPHIC Traveler Magazins. Keine Ausgabe mehr verpassen und jetzt ein Abo abschließen!

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