Tiere

Neuentdeckte Krabbenart hat Spinnenbeine und lebt auf Bäumen

Die Art wurde zuerst von einem Stamm von Ureinwohnern in den üppigen Wäldern Südindiens entdeckt. Donnerstag, 9 November

Von Deepa Padmanaban

Eine erstaunliche neue Krabbenart wurde entdeckt, die hoch über dem Boden in Baumlöchern lebt. Das Tier, das auf eine Handfläche passt, hat einen Körper in sattem Blauschwarz, der sich von der Rinde der Bäume abhebt, auf denen es nach Würmern und Samen zum Fressen sucht.

Wissenschaftler entdeckten die Krabbe – Kani maranjandu genannt – in den üppigen Wäldern der Westghats in Südindien. Sie gehört einer völlig neuen Gattung an, die nach den Kani (einer Stammesgemeinschaft, die die Krabben ausfindig gemacht hat) und dem umgangssprachlichen Wort der Gegend für Baumkrabben, „maranjandu“, benannt ist.

Die Kani, die in den Wäldern leben, berichteten 2014 erstmals von „langbeinigen Krabben“ auf Bäumen. A. Biju Kumar, ein Professor für aquatische Biologie an der Universität von Kerala, leitete zu diesem Zeitpunkt gerade ein Projekt, bei dem die Westghats auf Populationen von Frischwasserkrabben untersucht wurden. Nachdem Kumar und sein Student Smrithy Raj die Spur der Baumkrabben mit Hilfe der Stammesmitglieder monatelang verfolgt hatten, gelang es ihnen schließlich, ein paar der schwer zu erreichenden Tiere zu fangen.

Im „Journal of Crustacean Biology“ beschreiben die Wissenschaftler Kani maranjandus ausgeprägten, harten Außenpanzer oder Carapax, der breit, dick und konvex ist. Besonders auffallend sind die extrem langen Beine mit den schmalen, gebogenen und scharfen Enden, die ihnen einen festen Halt am Baum ermöglichen und sie so zu effektiven Kletterern machen.

Die Krabben leben in wassergefüllten Hohlräumen der großen immergrünen und sommergrünen Bäume. Die Stammesangehörigen der Kani spüren die Krabben auf, indem die nach Luftblasen Ausschau halten, die aus den Hohlräumen kommen. Außerhalb der Hohlräume bewegen sich die Krabben zügig an den Baumstämmen entlang und benutzen ihre scherenbewährten, dicken Vorderbeine, um sich anzutreiben.

Es sind scheue Kreaturen, die sich tief in die Höhlen zurückziehen, wenn man sich ihnen nähert. Die jüngeren Exemplare suchen Schutz in den Baumkronen in bis zu neun Metern Höhe. Das ist ungewöhnlich für Krabben, die sonst nicht mehr als einen oder zwei Meter auf Bäume hinaufklettern.

„Die Lebensweise der baumbewohnenden Krabben deutet darauf hin, dass sich ihre Verbreitung auf ein sehr schmales Gebiet beschränkt, da sie sich nicht weiträumig über das Meer verbreiten können“, sagt Tohru Naruse, ein Experte für Krabben-Biodiversität an der japanischen Universität Ryuku. Es war an der Entdeckung nicht beteiligt.

Diese geografische Einschränkung könnte bedeuten, dass eine Veränderung ihres Habitats die Art gefährden kann.

Auch Biju Kumar betont die Wichtigkeit der Lebensräume der Krabben: die großen Bäume und Waldökosysteme der Westghats. Die Existenz der Krabben ist abhängig von dem Regenwasser, das sich in den Baumhöhlen sammelt. Man hat schon Krabben beobachtet, die den Baum wechseln, wenn eine Höhle austrocknet. Der breite, dicke Panzer ist eine Anpassung, die den Krabben dabei hilft, Wasser in ihren Kiemenhöhlen zu behalten.

„Er deutet auch darauf hin, dass das Baumkletterverhalten und die Morphologie von Kani maranjandu und womöglich anderer unentdeckter Arten sich dort entwickelt haben, wo sie auftreten“, fügt Naruse hinzu.

„Für Peter K. L. Ng, einem Biologen von der Nationaluniversität Singapur, der bei der Klassifizierung von Kani maranjandu half, ist der faszinierendste Aspekt der Art, wie sie die Evolution von Krabben veranschaulicht. „Das Aufregendste an den Krabben ist für mich, dass sie sich unabhängig von ihrem Fundort oder ihrer Verwandtschaft so entwickelt haben, dass sie spezielle Lebensräume nutzen können, um ihre Überlebenschancen zu vergrößern – in dem Fall eben durch Baumlöcher und Klettern“, erzählt er.

Wei­ter­le­sen