Tiere

Siamesische Fledermauszwillinge in brasilianischem Wald gefunden

Außerhalb der menschlichen Art findet man Tiere mit einer Doppelfehlbildung nur äußerst selten.Thursday, November 9

Von Shaena Montanari
In Brasilien wurden am Fuße eines Baumes zwei neugeborene siamesische Fledermauszwillinge gefunden.

Es scheint, als wären zwei Köpfe nicht in jedem Fall besser als einer.

Diese siamesischen Fledermauszwillinge wurden 2001 unter einem Mangobaum im Südosten Brasiliens gefunden. Der Finder spendete die bereits verstorbenen Tiere an die Sammlung der Universidade Federal Rural do Rio de Janeiro. Letzten Monat wurde das Exemplar in einer Veröffentlichung von Marcelo Nogueira von der Universidade Estadual do Norte Fluminense beschrieben.

„Wir glauben, dass die Mutter der Zwillinge ihren Schlafplatz bei der Geburt in diesem Baum hatte“, erklärt Nogueira.

Eine Röntgenaufnahme der Fledermauszwillinge zeigt, wo ihre Wirbelsäulen zusammenlaufen.

Es ist überraschenderweise schon das dritte Exemplar von siamesischen Fledermauszwillingen, das je gefunden wurde. Dennoch bleibt das Phänomen jenseits der menschlichen Art schlecht erforscht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass so wenige dieser Tiere überleben. Bei Menschen ist die sogenannte Doppelfehlbildung in mehr als 80 Prozent aller Fälle tödlich. Bei Tieren ohne medizinische Versorgung und soziale Unterstützung könnte die Zahl noch höher liegen.

Das Phänomen ist beim Menschen recht gut erforscht, mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:60.000 bis 1:200.000 aber dennoch selten.

Die Forscher glauben, dass es sich bei den Fledermäusen um Exemplare aus der Gattung der Eigentlichen Fruchtvampire (Atribeus) handelt. Sie vermuten, dass sie bei der Geburt starben oder gar als Totgeburt auf die Welt kamen, da sie noch mit der Plazenta verbunden sind.

Eine Röntgenaufnahme zeigt, dass diese männlichen Fledermäuse getrennte Köpfe und Hälse haben, ihre Wirbelsäulen aber schließlich zusammenlaufen. Außerdem haben sie getrennte Herzen von ähnlicher Größe.

Sie sind aber nicht nur eine reine Kuriosität, so Nogueira. Die Untersuchung dieser Fledermäuse kann uns auch mehr über ihre Entwicklung lehren.

„Wir hoffen, dass solche Fälle zu weiteren Studien zur Fledermaus-Embryologie anregen werden. Es ist ein weites und faszinierendes Studienfeld, das zu großen Teilen von bereits vorhandenem Material in wissenschaftlichen Sammlungen profitieren kann.“

 

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