Tiere

Neuer Mini-Hai leuchtet im Dunkeln

Neben seiner Biolumineszenz ist der Tiefseebewohner auch an seiner großen Schnauze erkennbar.Thursday, November 9

Von Sarah Gibbens
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Etmopterus lailae, wie er getauft wurde, gehört zur Familie der Laternenhaie und wurde in etwa 300 Metern Tiefe vor der Küste der nordwestlichen Inseln von Hawaii im Pazifik entdeckt.

Stephen M. Kajiura, ein Professor an der Florida Atlantic Universität, war einer der Wissenschaftler, die nach der Entdeckung des Hais vor fast 17 Jahren an dessen Bestimmung arbeiteten.

„Es gibt nur etwa 450 bekannte Haiarten auf der Welt, und eine neue Art findet man nicht allzu oft. Ein großer Teil der Artenvielfalt ist immer noch unbekannt. Dass wir in einem gigantischen Ozean also über eine neue kleine Haiart gestolpert sind, ist wirklich aufregend“, sagte Kajiura in einer Pressemitteilung der Universität.

Mitunter kann es sehr schwierig sein, eine neue Art überhaupt zu erkennen. Die Forscher hatten ursprünglich gar nicht bemerkt, dass sie eine neue Haiart entdeckt hatten. Erst, als sie ihre Befunde zur Überprüfung für eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift freigaben, erhielten sie die Mitteilung, dass ihr Exemplar sich nicht so leicht in die bestehende Klassifikation der Laternenhaie einordnen lässt. Um also herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine neue Art handelte, begannen Kajiura und Forscher der Florida International Universität sowie der Universität von Rhode Island mit ihren Untersuchungen. Sie nahmen detaillierte Maße der Zähne des Hais, seiner Rückenwirbel und Innereien und bemerkten eine gleichmäßige Musterung an seinem Schwanz, die ihn von anderen Arten unterschied.

Dann bestätigten sie die Unterschiede, indem sie ihre Befunde mit Exemplaren in Forschungsinstitutionen auf der ganzen Welt abglichen. Ihre ursprünglichen Ergebnisse wurden letzten Februar in „Zootaxa“ veröffentlicht, aber erst im Juli im größeren Stil von den Institutionen der beteiligten Forscher verbreitet.

„Die einzigartigen Eigenschaften und Merkmale dieser neuen Art hebt sie wirklich von den anderen Laternenhaien ab“, fügte Kajiura in der Pressemitteilung hinzu.

Die physischen Merkmale des Hais haben sich durch seinen Lebensraum in der Tiefsee entwickelt. Weil nur wenig Licht bis in diese Tiefen vordringen kann, verlässt sich das Tier bei der Nahrungssuche weniger auf seine Sicht und mehr auf sein großes Geruchssystem in seiner ungewöhnlich großen Schnauze.

Die Forscher haben auch mehrere Theorien dazu, warum der Bauch des Hais biolumineszent ist: Das könnte dazu dienen, eine Paarung mit einem Partner der gleichen Art sicherzustellen oder kleine Fische und Garnelen anzulocken, von denen er sich ernährt. Ein Gutachten zur Tiefsee, das im März veröffentlich wurde, deutet darauf hin, dass bis zu 75 Prozent aller Tiefseearten biolumineszent sein könnten.

Obwohl sie mehr als 70 Prozent unserer Erde bedecken, sind große Teile der Ozeane noch immer nicht erforscht. Einer Schätzung der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA zufolge wurden 95 Prozent der weltweiten Meere noch nicht von menschlichen Augen gesehen.

Im Juni hatte sich ein australisches Forschungsschiff auf eine einmonatige Reise begeben, um die Tiefsee um den Kontinent herum zu erforschen und Exemplare zu sammeln. Unter ihren Funden waren auch ein alptraumhafter, mit Zähnen bewehrter Eidechsenfisch und ein „gesichtsloser“ Fisch.

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