Tiere

7 neu entdeckte Laubheuschrecken sind besonders aggressiv

Die Insekten zählen laut einer neuen Studie zu den größten der Erde. Dienstag, 14 November

Von Mary Bates

Sieben neue Arten der Laubheuschrecken zählen einer neuen Studie zufolge zu den größten Insekten der Welt.

Die Tiere leben ausschließlich auf Madagaskar und haben einen echten „Bodybuilder-Bizeps“. Außerdem können sie sehr aggressiv sein – zwei überraschende Eigenschaften für Laubheuschrecken.

„Wenn man sich ihnen nähert, versuchen sie, mit ihren kräftigen Vorderbeinen einen Finger zu greifen und ihn zu ihren Mandibeln zu ziehen, um einem einen fiesen Biss zu verpassen“, sagt George Beccaloni. Der Co-Autor der Studie ist der ehemalige Kurator für Laubheuschrecken und verwandte Insekten am Natural History Museum in London. (Beccaloni vermied derartige Verletzungen, indem er lange Pinzetten nutzte, um die Laubheuschrecken zu greifen.)

„So ein defensives Verhalten habe ich noch bei keiner anderen Laubheuschreckenart gesehen.“

SELTSAME BETTGEFÄHRTEN

Beccaloni und seine Kollegen identifizierten die neuen Arten anhand von Museumsexemplaren und Proben von zwei Ausflügen in die Trockenwälder Madagaskars.

Während einer Expedition suchte Beccaloni in geschützten Bereichen unter loser Rinde und Steinen nach Kakerlaken – die Tiere sind sein Spezialgebiet. Dort stieß er aber auch auf die seltsamen Laubheuschrecken, die knapp über sechs Zentimeter lang werden können. 

Die Heuschrecken, die sich auch von anderen Insekten ernähren, hätten die Kakerlaken fressen können, aber die zwei Arten schienen sich dort zu tolerieren.

„Solche Unterschlüpfe sind rar, und vermutlich brauchen sowohl die Laubheuschrecken als auch die Kakerlaken sie, um sich vor der extremen Hitze des Tages und anderen Räubern zu schützen“, sagt Beccaloni. Seine Studie erschien kürzlich in der Fachzeitschrift „Zootaxa“.

LIEBE FÜRS LEBEN?

Er fand einige Pärchen aus je einem Männchen und einem Weibchen, die nebeneinander ruhten – laut Beccaloni womöglich ein Hinweis darauf, dass diese Laubheuschrecken eine lebenslange Bindung eingehen.

„Das mögliche monogame, lebenslange Paarbildungsverhalten, von dem in dieser Studie die Rede ist, ist sonst für keine andere Grillen- oder Laubheuschreckenart bekannt, soweit ich weiß“, schrieb Karim Vahed in einer E-Mail. Der Entomologe von der Universität von Derby war an den Forschungsarbeiten nicht beteiligt.

„Bei einigen Grillenarten kommt es zur kurzzeitigen Bewachung des Partners. Dabei bleibt das Männchen für etwa eine Stunde bei seiner aktuellen Partnerin, um andere männliche Rivalen abzuwehren.“

Monogamie ist bei Insekten eine Seltenheit, aber nicht gänzlich unbekannt. Einige Totengräberarten bleiben beispielsweise zusammen, um sich gemeinsam um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Der Co-Autor der Studie, Mustafa Ünal von der Abant İzzet Baysal Üniversitesi in der Türkei, verweist darauf, dass die Bewachung einer Partnerin den Fortpflanzungserfolg der Männchen garantieren soll. Gleichzeitig sollen andere Männchen am Zugang zur Partnerin gehindert werden. „Dieses Verhalten ist in dieser niederen Insektengruppe definitiv ungewöhnlich.“

Beide Experten stimmen überein, dass weitere Forschung nötig ist. So müsse beispielsweise ergründet werden, ob die Männchen den Weibchen auch außerhalb des Unterschlupfes folgen.

TROCKENWÄLDER IN GEFAHR

Es mag merkwürdig erscheinen, dass die Wissenschaft solche großen Insekten erst jetzt entdeckt.

Das liegt zum Teil daran, dass sich Entomologen bisher eher auf die Regenwälder des Landes konzentriert haben anstatt auf die Trockenwälder, die einen Großteil von Madagaskar bedecken.

„Das ist schade, weil die Trockenwälder sogar noch ungewöhnlicher und herausragender sind. Trotzdem wissen nur wenige Menschen über diese Wälder und ihre Bedrohung Bescheid“, sagt Beccaloni.

„Einige dieser Lebensräume, wie zum Beispiel die Dornenwälder, ähneln mit ihren Baobabs, den spektakulären Sukkulenten und den Didierea madagascariensis keinem anderen Lebensraum auf dem Planeten.“

Diese Wälder schrumpfen aufgrund menschlicher Aktivitäten, wie zum Beispiel der Entwaldung zum Zweck der Holzkohleherstellung, fügt er hinzu.

„Wenn man bedenkt, wie gefährdet die Lebensräume Madagaskars sind, sollte es Priorität haben, all die Arten dort zu dokumentieren, bevor sie verschwinden.“

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