Tiere

Stachellose Bienen in Australien bauen einzigartige, spiralförmige Nester

Die komplexen Nester einer australischen Art könnten diverse praktische Funktionen erfüllen. Dienstag, 6 Februar

Von Elaina Zachos

Die meisten von uns werden zu Hause mindestens ein Glas mit einer goldgelben bis goldbraunen Flüssigkeit im Schrank stehen haben, die wir benutzen, um unseren Tee oder Frühstückstoast zu versüßen. Der Honig in dem Glas stammt aus dem Nektar von Blüten und dient den Bienen, die ihn produzieren und einlagern, als Nahrungsmittel.

Und wie kommt der Honig von den Bestäubern in unsere Küche? Die Antwort ist einfach: Bienenstöcke und -nester.

Die natürlichen Nester der Honigbienen unterscheiden sich in ihrem Aufbau je nach Bienenart. Bei Sugarbag Bees in Australien versorgt der Entomologe Tim Heard mehr als 400 Bienenstöcke und -nester. Eine der Arten, die er züchtet – Tetragonula carbonaria –, baut einzigartige Nester, die sich nach oben hin in einer Spirale verjüngen.

KLEINE BIENCHEN

Stachellose Bienen sind eng mit Honigbienen, Holzbienen, Prachtbienen und Hummeln verwandt. Wie bei allen Bienenarten leben auch die Stachellosen Bienen in strengen Hierarchien. Ihre Kasten sind aber anhand der Pollenmenge aufgeteilt, die ein Individuum verzehrt.

Die Insekten leben in riesigen Schwärmen, in denen eine einzige Königin auf etwa 1.000 Arbeiterinnen kommt. Die Art aus dem Video, Tetragonula carbonaria, lebt in den tropischen Bereichen im Norden und Osten des Landes.

Die Stachellosen Bienen Australiens sind gemeinhin schwarz mit weißer Behaarung im Gesicht und an den Seiten und werden kaum vier Zentimeter groß. Manche Imker kümmern sich um mehrere Bienenvölker, da ein einziger Bienenstock kaum ausreicht, um vier Gläser Honig pro Jahr zu produzieren.

BIENENARCHITEKTUR

Stachellose Bienen bauen ihre Nester in freier Wildbahn in hohlen Baumstämmen, Ästen oder Felsspalten. Wenn von Menschen gemachte Höhlen und Spalten verfügbar sind, nisten sie auch dort. Kommerzielle Imker halten ihre Bienen für gewöhnlich in Bienenstöcken mit mehreren herausnehmbaren Rahmen. Stachellose Bienen bevorzugen allerdings eine andere Architektur.

„Die Basis des Bienenstocks ist der erste Schritt“, sagt Claus Rasmussen, ein Bienenexperte und Assistenzprofessor für Biologie an der Universität Aarhus in Dänemark.

Stachellose Bienen lagern Pollen und Honig in Waben ein, die sie aus gekautem Wachs bauen. Manche Arten bündeln kleine Wabenzellen zusammen, während andere sie in horizontalen Reihen anordnen. T. carbonaria hingegen baut eine Spirale im Uhrzeigersinn – und zwar völlig unabhängig von dem Bienenstock, in dem sie gehalten wird.

Die Nester dieser Art sind breite, flache Spiralen, die langsam in die Höhe wachsen. In diesen komplexen Nestern müssen die Waben auf verschiedenen Höhen gleichzeitig gebaut werden, damit das Gebilde wachsen kann.

„Wir sehen hier die vorrückende Front eines Volks von Stachellosen Bienen“, sagt Heard. „In der Mitte der Spirale müssen Waben gebaut werden, die mit dem Baufortschritt Schritt halten.“

Eine Bienenkolonie baut und bestückt zeitgleich etwa jeweils 80 Waben. Dann kommt die Königin für ein paar Minuten und legt ihre Eier in die Waben, die im Anschluss von den Arbeiterinnen versiegelt werden.

„Die Wabe ist fast vollständig mit Nahrung gefüllt, und nur dann wird die Königin sie für die Eiablage akzeptieren“, erklärt Heard.

Ein solcher Zyklus benötigt ungefähr fünf Stunden, und eine Kolonie kann fünf davon pro Tag schaffen. Etwa 50 Tage später könnte eine Kolonie also 400 Waben gebaut haben.

Heard zufolge weiß niemand so genau, warum T. carbonaria diese spiralförmigen Nester baut. Die Form könnte es den Königinnen aber vielleicht einfacher machen, sich durch das Nest zu bewegen. Auch der Luftzirkulation ist die Spiralform zuträglich – die Nester anderer Bienenvölker sind üblicherweise nicht sehr gut durchlüftet.

DER GESCHMACK DES HONIGS

Der Honig der Stachellosen Bienen hat eine hohe Wasserkonzentration, wodurch er schneller fermentiert. Der Geschmack des Honigs kann je nach Standort und Nahrung der Bienen variieren. Stachellose Bienen holen sich ihre Nahrung im Normalfall immer aus den gleichen Blumenarten, weshalb ihr Honig einen stärkeren Geschmack hat als der von Honigbienen.

„Der Honig von Stachellosen Bienen gewinnt wirklich durch den blumigeren Geschmack“, sagt Rasmussen. „In Funktion und Geschmack ist der Honig der Stachellosen Bienen genauso gut wie der der Honigbienen.“

STACHELLOS, ABER NICHT WEHRLOS

Wie der Name schon verrät, können sich die fast 500 Arten Stachelloser Bienen nicht mit Hilfe eines Stachels verteidigen. Stattdessen beißen sie ihre Feinde und injizieren eine reizende Ameisensäure in die Wunde.

„Vermutlich ist Beißen effektiver als Stechen“, sagt Rasmussen, auch wenn „manche der Arten deutlich friedlicher sind“.

Durch den Vorgang der Bestäubung bildet sich an den Beinen der Bienen auch eine Art klebriges Harz. Sie können Eindringlinge in ihrem Nest damit also sprichwörtlich festsetzen.

T. carbonaria baut Nester mit nur einem einzigen Eingang. Dieser wird von Wächterbienen und einer Mischung aus klebrigen Harzen geschützt. Die antibakterielle Wirkung der Harze hält Krankheitserreger fern, wenn Bienen von außerhalb das Nest betreten. Außerdem wirken sie wie ein klebriger Burggraben für Fressfeine wie Ameisen.

Solange sich die Stachellosen Bienen nicht bedroht fühlen oder wütend sind, beißen sie nicht sehr oft. Auch die Bienen im Video scheinen eher ruhig zu sein, da sie Heard nicht angreifen.

„Es kann ein bisschen lästig sein, mit ihnen zu arbeiten, wenn sie aufgebracht sind“, so Rasmussen.

Elaina Zachos auf Twitter folgen.

Wei­ter­le­sen