Älteste bekannte Spinne starb mit einer Lektion für uns

Eine Falltürspinne hat in Australien jahrzehntelang in ihrem kleinen Bau gelebt – ein Leben, von dem wir Forschern zufolge etwas lernen können.Donnerstag, 3. Mai 2018

Nummer 16, die älteste bekannte Spinne der Welt, starb im reifen Alter von 43 Jahren, vermutlich durch eine Wespe. Sie überlebte die vorherige Rekordhalterin bei Weitem – eine 28 Jahre alte Vogelspinne aus Mexiko. Zuvor hatten Forscher geglaubt, dass Falltürspinnen etwa 25 Jahre alt werden. Nummer 16 hat aber nicht nur einen neuen Rekord aufgestellt, sondern auch – was noch viel wichtiger ist – eine bedeutende Lektion in Sachen Nachhaltigkeit erteilt, wie Forscher National Geographic erzählten.

Die Spinne grub sich ihren Bau im North Bungulla Nature Reserve im Südwesten Australiens, als sie noch jung war. Wie alle weiblichen Falltürspinnen war sie ein Stubenhocker und verließ ihren Bau nie. Sie musste ihn beschützen und pflegen, denn wenn er Schaden genommen hätte, hätte sie als ausgewachsene Spinne nicht einfach einen neuen graben können.

Falltürspinnen sind haarige Tropenspinnen, die bis zu vier Zentimeter groß werden können und in einem unterirdischen Bau leben. Ihre Bisse sind für Menschen zwar schmerzhaft und können Schwellungen verursachen, sind aber nicht tödlich. Sie tarnen ihre Falltüren geschickt ab und verlegen „Fallstricke“ aus Spinnenseide. Wenn ahnungslose Insekten hineinlaufen, schnellt die Spinne in einem Überraschungsangriff hervor und zerrt das Opfer in ihren Bau.

1974 wurde Nummer 16 Teil einer Studie der Arachnologin Barbara York Main, die erforschen wollte, wie Falltürspinnen in ihren heimischen Gebieten leben. Außerdem wollte sie mehr über die sesshafte Lebensweise und den langsamen Stoffwechsel der Tiere erfahren. Im Rahmen der Studie wurden alle bewohnten Baue in einem bestimmten Gebiet im Abstand von sechs Monaten überprüft. Am 31. Oktober 2016 entdeckten Forscher, dass die Abdeckung des Baus von Nummer 16 von einer parasitoiden Wespe durchbrochen wurde. Diese Wespen legen ihre Eier in anderen Insekten ab – wenn der Nachwuchs dann schlüpft, ernährt er sich von dem Wirt, in diesem Falle Nummer 16. All ihre Artgenossen aus der Studie waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben.

Nummer 16 dient als Beispiel für ein langes Leben mit sparsamer Ressourcennutzung und einem begrenzten Einfluss auf die Umwelt, wie in der Studie geschlussfolgert wurde. Außerdem können Falltürspinnen nicht einfach weiterziehen, wenn ihr Bau zu schwer beschädigt oder zerstört wird. Laut der Hauptautorin der Studie, Leanda Mason von der Curtin University in Perth, kann das Menschen als Lektion in Sachen nachhaltige Lebensweise dienen.

„Im Gegensatz dazu konsumiert und vernichtet der Mensch seine Ressourcen viel zu schnell und nicht nachhaltig“, schrieb Mason in einer E-Mail.

 

Wei­ter­le­sen