Tiere

Tausende Krebstiere in Kalifornien gestrandet

Die wärmeliebenden Tiere wurden von Winden und Strömungen nordwärts getrieben – ein Ereignis, das sich in den letzten Jahren häufte. Montag, 18 Juni

Von Elaina Zachos

Jedes Jahr wird im Süden Kaliforniens der rote Teppich ausgerollt. Dieser ziert allerdings keine Hollywood-Premiere und ist auch nicht sonderlich begehbar – denn er besteht aus winzigen Krebstieren, die ganze Strände bedecken.

Die kleinen Tierchen der Art Pleuroncodes planipes sehen ein wenig wie Miniaturversionen von Hummern oder Flusskrebsen aus, sind aber nur etwa 1,5 bis 7,5 Zentimeter lang. Für gewöhnlich findet man die Krebstiere vor der Küste der mexikanischen Halbinsel Baja California.

P. planipes sind keine besonders guten Schwimmer. Stattdessen lassen sie sich von den Gezeiten, dem Wind und den Strömungen treiben. Wenn sich das Wasser erwärmt und polwärts wandert – was besonders bei Wetterereignissen wie El Niño geschehen kann –, lassen sich Tausende der roten Tiere nordwärts nach Kalifornien treiben.

Sobald sie diese nördlichen Regionen erreichen, trifft sie jedoch der Schock des kalten Wassers.

„Die P. planipes sterben, weil die lokalen Gewässer deutlich kälter sind“, sagte Michael Shane 2015 gegenüber ABC News, als es ebenfalls zu einem solchen Ereignis kam. Shane ist der Direktor für die Abteilung Fisheries Enhancement des Hubbs-SeaWorld Research Institute.

Schon 1859 ereignete sich eine Massenstrandung der Krebstiere in der Monterey Bay von Kalifornien. Auch später kam es ab 1959 mehrfach im Rahmen von Wärmeereignissen zu derartigen Erscheinungen.

Bei einer solchen Massenstrandung beobachtete Steve Webster, ein Meeresbiologe vom Monterey Bay Aquarium, wie Möwen so viele der Krebstiere verschlangen, dass sie nicht mehr fliegen konnten. Als es zu einer anderen Strandung auf Santa Catalina Island kam, versuchten etwa 100 Kinder, die Tiere zu retten, indem sie sie in Eimern zurück ins Meer trugen.

Für gewöhnlich schaffen es die Krebstiere nicht über die Grenzen Kaliforniens hinaus, aber im Frühling 2017 wurden sie – womöglich zum ersten Mal – an den Stränden Oregons gesichtet.

Die Tierchen dienen vielen anderen Meeresbewohnern als Nahrungsquelle, so zum Beispiel Thunfischen, Riesenkalmaren, Schildkröten, Rochen und Walen. Auch Flossenfüßer wie Robben, Walrosse und Seelöwen sowie Meeresvögel haben es auf die roten Krebstiere abgesehen.

Die allesfressenden Tierchen ernähren sich im offenen Wasser von Phytoplankton, während einige der größeren ausgewachsenen Tiere auch über den Meeresboden krabbeln. Für den menschlichen Verzehr sind die Krebstiere allerdings nicht geeignet, da sie auch Plankton verzehren, das Toxine produziert.

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