Tiere

Vogelsterben in Deutschland: Usutu-Virus breitet sich weiter aus

Immer mehr Singvögel fallen dem tropischen Usutu-Virus zum Opfer. Vor allem Amseln sterben massenhaft an dem eingeschleppten Erreger, der durch Stechmücken übertragen wird.Freitag, 19. Oktober 2018

Von Jens Voss
Vogelsterben in Deutschland: Usutu-Virus breitet sich weiter aus

Nach Angaben des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat das tropische Usutu-Virus in diesem Jahr in Deutschland mehr Vögel als je zuvor getötet. Bis Mitte September wurden dem Nabu bereits weit über 12.300 Verdachtsfälle mit mehr als 25.000 betroffenen Vögeln gemeldet. Darunter seien neben Amseln auch andere Singvögel wie Singdrosseln, Meisen oder Finken betroffen. „Die 2018 bisher gemeldeten Fälle übertreffen die Zahlen aus den Vorjahren deutlich, was für ein besonders starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht“, sagt Nabu-Experte Lars Lachmann.

Seit dem ersten Erscheinen des so genannten Amselsterbens im Jahr 2011 breite sich das besonders im Spätsommer von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend flächendeckend über Deutschland aus. Waren in den ersten Jahren lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte der Nabu seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und in Richtung Bayern sowie einen separaten Ausbruch im Raum Leipzig und Berlin feststellen.

Eine am Usutu-Virus erkrankte Amsel.

Die Infektionen lassen sich nicht behandeln

Offensichtlich habe das Virus, das 1959 erstmals in Südafrika identifiziert wurde, gegen Ende der laufenden Saison weitere Gebiete wie die Regionen um Nürnberg sowie zwischen Bremen und Hamburg besiedelt. Aktuell könne man zwar wegen der zurückgehenden Temperaturen im Herbst und dem Ende der Stechmückensaison mit einem Auslaufen des diesjährigen Infektionsgeschehens rechnen. Dennoch bittet der Nabu weiterhin um die Meldung aller Verdachtsfälle über ein Onlineformular.

Infizierte Vögel wirken erkennbar krank, apathisch, flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen die Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als Amselsterben bekannt wurde. „Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln“, betont Lachmann. „Es bleibt lediglich die einmalige Chance zu nutzen, die Auswirkungen einer für Deutschland neuen Vogelkrankheit auf wildlebende Vogelarten zu dokumentieren und deren Folgen abzuschätzen.“

Jens Voss

 

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