Tiere

Diese 8 Vogelarten sind im letzten Jahrzehnt verschwunden

Das Aussterben von Vogelarten schreitet rapide voran, da ihr Lebensraum immer weiter schwindet. Friday, September 7, 2018

Von Sarah Gibbens
Laut einer neuen Studie von BirdLife International könnte der in Brasilien beheimatete Spix-Ara in freier Wildbahn bereits ausgestorben sein.

Wenn eine Tierart zunehmend dezimiert wird, sieht die Welt dem Ende ihrer letzten Vertreter beklommen zu. So war es bei Sudan, dem letzten männlichen Nördlichen Breitmaulnashorn, das im März 2018 verstarb.  

Am 5. September 2018 wurde im Wissenschaftsmagazin Biological Conservation eine neue Studie veröffentlicht. Diese belegt, dass acht seltene Vogelarten bereits unbemerkt verschwunden sein könnten. 

Die Studie wurde über acht Jahre geführt und von der gemeinnützigen Organisation BirdLife International finanziert. Sie analysiert statistisch 51 vom Aussterben bedrohte Vogelarten und legt dar, dass acht von ihnen möglicherweise als ausgestorben oder nahezu ausgestorben klassifiziert werden können: Drei gelten als ausgestorben, eine als in freier Wildbahn ausgestorben und vier als möglicherweise, zumindest aber nahezu ausgestorben. 

Eine dieser Vogelarten ist der Spix-Ara, der auch die Hauptrolle im Animationsfilm „Rio“ aus dem Jahr 2011 spielte. Der Film erzählt die Geschichte eines in Gefangenschaft lebenden Spix-Aras, der seine Partnerin im letzten, freilebenden Vogel ihrer beider Art findet. Laut der Studienergebnisse ist die Handlung des Films ein Jahrzehnt zu spät angesiedelt. Die Autoren gehen davon aus, dass der letzte wilde Spix-Ara im Jahr 2000 starb und nur noch rund 70 Tiere in Gefangenschaft leben. 

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die unter anderem die Entwicklung von Tierpopulationen in einer Datenbank dokumentiert. BirdLife International erstellt regelmäßig Gutachten für die IUCN und empfiehlt, dass drei Vogelarten nun auch offiziell als ausgestorben klassifiziert werden sollten: der brasilianische Dunkelkopf-Blattspäher, zuletzt gesichtet im Jahr 2007, der ebenfalls in Brasilien beheimatete Alagoas-Blattspäher, zuletzt gesichtet im Jahr 2011, und der hawaiianische Weißwangen-Kleidervogel, zuletzt gesichtet im Jahr 2004. 

Früher war der Alagoas-Blattspäher im Nordosten Brasiliens beheimatet. Inzwischen könnte er ausgestorben sein.

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass seit Beginn ihrer Aufzeichnungen insgesamt 187 Arten ausgestorben sind. Historisch gesehen sind inselbewohnende Spezies am stärksten gefährdet. Die Ausrottung von etwa der Hälfte dieser neu eingestuften Arten ist dem Einwirken invasiver Spezies  geschuldet. Die Forscher belegten außerdem, dass nahezu 30 Prozent des Artensterbens der Wilderei für den Handel mit exotischen Tieren zugeschrieben werden kann.  

Naturschützer sind jedoch in Sorge, dass die Abholzung der Regenwälder zugunsten nicht nachhaltiger Forst- und Landwirtschaft der nächste große Grund für das Aussterben von Tierarten sein wird.  

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass eine große Ausrottungswelle über die Kontinente schwappt. Sie wird vor allem durch den Verlust von Lebensraum und den Raubbau durch nicht nachhaltige Land- und Forstwirtschaft befeuert“, gibt Stuart Butchart, Hauptautor der Studie und leitender Wissenschaftler bei BirdLife, in einer Pressemitteilung an.  

Viele der Vogelarten waren in großer Zahl im Amazonasgebiet vertreten, doch gerade hier ist die Abholzung ein großes Problem. Der WWF (World Wildlife Fund) geht davon aus, dass in den Jahren 2001 bis 2012 mehr als 17 Millionen Hektar Regenwald zerstört worden sind. Im März 2018 wies ein Leitartikel des Magazins Science Advances darauf hin, dass der Amazonas am Rand einer ökologischen Katastrophe steht: Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Ökosystem der Region unwiderruflich verändern wird, wenn 40 Prozent des Waldes abgeholzt sind.   

Luisa Arnedo ist Biologin und arbeitet als Senior Program Officer für die National Geographic Society. Sie erklärt, dass Vögel einem erhöhten Risiko des Aussterbens ausgesetzt sind, wenn ihr Lebensraum zerstört wird. Sie besetzen ökologische Nischen, sind oft auf eine sehr spezielle Nahrungsquelle angewiesen oder bauen ihre Nester in ganz bestimmten Bäumen. 

„Sobald ihr Lebensraum verschwindet, verschwinden sie mit ihm“, sagt sie.  

Wenn es weniger Vögel gibt, verschlimmert dies zudem das Problem der Waldzerstörung. Viele Vögel wirken als Samenverbreiter oder Bestäuber und können dabei helfen, entwaldete Gebiete wieder zum Leben zu erwecken. 

BirdLife ist bestrebt, weitere Forschungen voranzutreiben. Diese sollen mit absoluter Sicherheit belegen, dass die vier Arten, die von ihnen als wahrscheinlich ausgestorben klassifiziert wurden, tatsächlich verschwunden sind. Allerdings ist auch keine dieser Spezies vor dem Jahr 2001 in freier Wildbahn gesichtet worden. Es geschieht zwar selten, aber es sind durchaus bereits verschwunden geglaubte Tierarten praktisch wieder von den Toten auferstanden.  

Im Jahr 2017 wurde der Vanzolinis Kahlgesichtige Saki erneut gesichtet – 80 Jahre nachdem Wissenschaftler ihn als ausgestorben eingestuft hatten. Das war einer der seltenen Erfolge des Naturschutzes in den Weiten des Amazonas-Regenwalds.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht

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