Diese Tiere fressen unglaubliche Mengen

Selbst die Völlerei an Feiertagen kann bei diesen Futtermengen nicht mithalten. Kolibris vertilgen täglich das Doppelte ihres Körpergewichts an Nahrung.Freitag, 23. November 2018

Das typische Bild an Feiertagen: Alles dreht sich ums Essen – und man spürt förmlich, wie der Hosenbund zu zwicken beginnt.

Weihnachten steht vor der Tür und auch die damit verbundenen Festessen. Doch gibt es auch Tiere, die sich gerne überfressen und wenn ja, warum?

 

Keine Zeit zum Auftanken

Viele Vögel schlagen beim Fressen so richtig zu, bevor sie sich auf Langstreckenflüge über Ozeane oder Wüsten begeben, teilt Dan Roby via E-mail mit. Der Wildökologe forscht an der U.S. Geological Survey and Oregon State University. Wissenschaftler nennen diese Zeitabschnitte, in denen die Tiere auf möglichst viel Futteraufnahme fixiert sind, „Hyperhagie“.

Untamed mit Filipe Deandrade: Kolibri

Der Streifenwaldsänger begibt sich auf eine der längsten Wanderungen der Welt und muss sich dafür ordentlich stärken. Die winzigen Vögel brüten in nördlichen Gebieten bis hinauf nach Alaska. Jedes Jahr fliegen sie nach Neuengland, wo sie „ihr Gewicht verdoppeln, indem sie die entsprechende Menge Fett in ihren schlanken Körpern einlagern“, berichtet Roby. Dann starten sie zu einem 80-stündigen Flug ohne Zwischenstopp über den Atlantik nach Venezuela.

Auch die Pfuhlschnepfen verdoppeln ihr Gewicht durch die Einlagerung von Fett, um so den 10-tägigen Flug von Alaska nach Neuseeland zu überstehen. Ohne eine Möglichkeit zur Rast ist dies der längste Flug, den Tiere vollbringen.

Die am Polarkreis lebenden Meisen fressen enorme Mengen, um „Fett einzulagern, dass ihre Körpertemperatur in den langen Winternächten hochhält und sie so vor dem Erfrieren bewahrt“.

Die Vögel schlagen sich nicht wie ein menschlicher Feiertagsgenießer den Bauch voll, sondern fressen sich Fettreserven an, die für teilweise lange Fastenzeiten überlebenswichtig sind. Manchmal sind diese auch mit außerordentlichen, körperlichen Belastungen verbunden.

„In diesem Zusammenhang kann man also bei Vögeln nicht von ‚überfressen‘ sprechen“, meint Roby.

Riesiger Appetit

Daneben gibt es aber auch Tiere, für die enorme Futtermengen vollkommen normal sind.

Der Blauwal ist das größte Tier der Welt und verputzt jeden Tag vier Tonnen Krill. Das klingt nach sehr viel, aber dieser Wal muss einen 200 Tonnen schweren Körper in Betrieb halten. Gemessen an seinem Gewicht ist das prozentual gesehen also keine große Sache.

Die eurasische Zwergspitzmaus dagegen wiegt nur rund 4 Gramm, kann jedoch „das 1,25-fache ihres Körpergewichts fressen“, sagt Elmer Finck, Biologe an der Fort Hays State University in Oklahoma.

Er erklärt, dass „kleine Tiere im Allgemeinen mehr fressen als große“, vergleicht man die Futtermenge prozentual mit der Körpermasse.

Der Stoffwechsel von winzigen Kolibris ist beispielsweise so schnell, dass sie täglich das Doppelte ihres Körpergewichts an Nektar fressen müssen. Ihre flinken Bewegungen erfordern viel Energie; ihr Herz schlägt während des Fliegens 1.200 Mal pro Minute.

Andere Tiere wie Großkatzen fressen viel auf einmal, aber in größeren Abständen. „Großkatzen erlegen in freier Wildbahn nicht jeden Tag Beute, es gibt also immer Zeiten, in denen sie gar nichts fressen“, meint Susan Bass von Big Cat Rescue in Tampa, Florida. Sie fressen jedoch mehrere Tage lang von einem großen Beutetier und bewachen dieses manchmal sogar, damit sie noch etwas für später davon haben.

„Leoparden können Beutetiere, die mehr als doppelt so schwer sind wie sie auf einen Baum zerren“, um sie vor anderen Räubern in Sicherheit zu bringen, berichtet Bass.

Afton Tasler ist die Media-Producerin von Big Cats Rescue. Sie sagt, dass Tiger zwischen 15 und 40 Kilogramm auf einmal fressen können. Damit sind sie die Spitzenreiter noch vor Löwen, die „ihre Beute mit dem ganzen Rudel teilen“.

Schlangenhäppchen

Ein ausgewachsener Tigerpython frisst höchstens einmal im Monat, aber dann schöpft er aus den Vollen.

Warum würgt diese Python einen großen Waran aus?

Eine Studie über Tigerpython-Gene aus dem Jahr 2013 fand heraus, dass sich die Genaktivität der Schlangen während der Verdauungsphase verändert. Ihr Stoffwechsel wird schneller und einige ihrer Organe vergrößern sich massiv innerhalb kürzester Zeit (bis zu 150 Prozent in 24 bis 48 Stunden). Wenn die Verdauung abgeschlossen ist, kehrt alles wieder in den Normalzustand zurück. Diese „Ausbaufunktion“ ihres Körpers erlaubt es der Schlange, Beute zu verdauen, die größer ist als sie selbst.

2017 wurden einzelne Exemplare verschiedener Schlangenarten dabei gefilmt, wie sie sehr große Beutetiere wie z.B. ein trächtiges Schaf oder einen Waran vertilgten oder wieder hochwürgten.

Da kommt einem das Extrastück Kuchen zum Nachtisch doch gleich viel weniger schlimm vor.

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