Tiere

Überleben an den kältesten Orten der Erde

An unseren Polen sind die Tiere auf ein Leben in der eisigen Kälte angepasst. Je wärmer es wird, desto schwerer wird das Leben für sie. Montag, 6 Mai

Von Natasha Daly

Kaiserpinguine wissen, wie sie sich im eiskalten antarktischen Winter warm halten können. Wenn sie dicht an dicht in Gruppen aus mehreren hundert Vögeln zusammenstehen, speichern sie ihre Körperwärme sogar so effektiv, dass sie es nicht allzu lange im Pinguinhaufen aushalten, weil es dort zu warm wird. Wissenschaftler entdeckten 2015, dass die Temperaturen im inneren Bereich der Gruppe auf knapp 38 °C steigen können.

Außerdem sind Kaiserpinguine die einzigen Tiere, die sich im antarktischen Winter paaren. Dafür wandern sie oft zwischen 80 und 160 Kilometer landeinwärts. Am Brutplatz angekommen, finden sie einen Partner und legen ein einziges Ei. Während das Männchen das Ei etwa zwei Monate lang ausbrütet, kehrt das Weibchen an den Rand des Eises zurück, um zu fressen. Es ist ein exkakt abgestimmtes System, das wie ein Uhrwerk läuft.

Aber auch, wenn die Kaiserpinguine sich in der Landschaft der Antarktis hervorragend zurechtfinden und sich gut warm halten können, sind sie auf eine gewisse Beständigkeit angewiesen, selbst in solch einer extremen Umgebung.

Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass ihr Lebensraum genau das richtige Maß an Meereis bereithält. Eine Studie aus dem Jahr 2014, die von der Woods Hole Oceanographic Institution durchgeführt wurde, offenbarte, dass zu viel Meereis den Weg verlängert, den die Pinguine zurücklegen müssen, um sich selbst und ihre Küken zu versorgen. Dadurch sinken die Überlebenschancen des Nachwuchses. Aber zu wenig Eis bedeutet, dass es für alle weniger Nahrung gibt – und weniger Schutz vor den Raubtieren, die im Meer lauern.

Daher ist es auch der wachsende Verlust des Meereises, der für die Pinguine die größte Bedrohung darstellt. Wenn sich das Meer aufgrund des Klimawandels weiter erwärmt und das Eis schmilzt, steht den Pinguinen ein beträchtlicher Populationseinbruch bevor. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Kolonien bis zum Jahr 2100 um die Hälfte schrumpfen werden.

Aber das Meereis schmilzt nicht nur in der Antarktis, und die Pinguine sind nicht die einzigen Tiere, die darunter zu leiden haben. Für die Bewohner der Polargebiete, die auf ein Leben in extremer Kälte angepasst sind, ist es unerlässlich, dass ihre Lebensräume so kalt bleiben.

Seit den Achtzigern sind in der Arktis mehr als 2,5 Millionen Quadratkilometer an Meereis verschwunden. Das entspricht einer Fläche, die etwa siebenmal so groß wie Deutschland ist. Ein Ergebnis davon ist, dass die Pinguine mittlerweile Probleme haben, genügend Nahrung zu finden. Walrosse, die ihre Jungen am Rand des Eises zur Welt bringen, drängen sich nun, da das Eis verschwindet, an den Küsten zusammen. Die neugeborenen Kälber können dabei leicht zertrampelt werden.

Auch wenn der Klimawandel Tiere in allen Lebensräumen der Erde betrifft, zeigt er sich an Polen, wo ganze Lebensräume aus Eis im Meer verschwinden, vielleicht am dramatischsten.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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