Giftige Invasoren: Feuerfische erobern das Mittelmeer

Er ist hübsch, hochgiftig und bedroht die Artenvielfalt im Mittelmeer: Der Indische Rotfeuerfisch breitet sich rasant aus. Lässt sich der stachelige Eindringling überhaupt noch stoppen?

Veröffentlicht am 7. Okt. 2021, 09:25 MESZ
Indischer Rotfeuerfisch vor Ägypten.

Bei Aquarianern beliebt, von Meeresforschern gefürchtet: Indischer Rotfeuerfisch vor Ägypten.

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Mit seinen weißroten Streifen und seiner bizarren Gestalt begeistert der Feuerfisch Taucher und Aquarienliebhaber. Doch bei Meeresbiologen schrillen die Alarmglocken. Nicht weil sie Angst vor seinen stacheligen Rückenflossen hätten. Die enthalten ein starkes Gift, das zu heftigen Schmerzen, Erbrechen und in seltenen Fällen zu Atemstillstand führt.

Sorge bereitet vielmehr, dass sich zwei Feuerfisch-Arten immer schneller in Meeresgebieten ausbreiten, in denen sie eigentlich gar nicht zu Hause sind. Dort bedrohen die gefräßigen Riffbewohner die angestammte Tierwelt. Denn natürliche Feinde haben die bis zu 40 Zentimeter langen Eindringlinge in ihrer neuen Heimat kaum zu fürchten.

Gefräßiger Riffbewohner: Feuerfische haben außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets kaum Feinde.

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Pazifischer Rotfeuerfisch: Fluch der Karibik

Seit den frühen 1990-er Jahren treibt der Pazifische Rotfeuerfisch in der Karibik sein Unwesen. Eigentlich lebt er im Pazifischen Ozean zwischen Malaysia und Japan. Forschende gehen davon aus, dass die ersten Feuerfische von Aquarienbesitzern vor der ostamerikanischen Küste ausgesetzt wurden. Seitdem haben sie sich explosionsartig vermehrt und die ursprünglichen Riffbewohner dramatisch zurückgedrängt.

Indischer Rotfeuerfisch: Überraschende Begegnung in der Adria

Doch längst ist auch eine weitere Feuerfisch-Art auf dem Vormarsch: Der Indische Rotfeuerfisch stammt aus dem Roten Meer und dem Indischen Ozean. 1992 wurde das erste Exemplar vor Israel entdeckt. Offenbar wandert die Art über den Suezkanal ins Mittelmeer ein. Inzwischen schaffte es der Invasor sogar bis an die Adria, berichtet das Ozean- und Fischerei-Institut in Split. Vor der Insel Vis hat der Unterwasserfotograf Damnir Zurub im Sommer 2021 die vermutlich ersten Bilder eines Indischen Rotfeuerfischs im kroatischen Mittelmeer gemacht.

Wie der Verzehr von giftigen Feuerfischen der Umwelt hilft

Dass sich die Ausbreitung der wärmliebenden Spezies noch stoppen lässt, scheint angesichts steigender Meerestemperaturen unwahrscheinlich. Kein Meer der Welt erhitze sich so stark wie das Mittelmeer, warnt die Umweltschutzorganisation WWF in einem neuen Bericht über die ozeanischen Auswirkungen des Klimawandels. Demnach steigen die Wassertemperaturen in der beliebten Urlaubsregion um 20 Prozent schneller als im Durchschnitt aller Weltmeere.

Kaum Fressfeinde

„Fast 1000 gebietsfremde Arten sind bereits in die wärmer werdenden Gewässer des Mittelmeers eingewandert – zulasten der gewohnten Tier- und Pflanzenwelt“, sagt Meeresschützerin Heike Vesper vom WWF Deutschland. „Die Klimakrise prägt das Mittelmeer schon jetzt deutlich.“

Der WWF stuft die Invasion des Feuerfischs als besonders zerstörerisch ein. Potenzielle Beutetiere, vor allem Krustentiere und kleine Fische, könnten dem Räuber nicht ausweichen. Durch Überfischung vor allem großer Raubfische gebe es kaum noch Arten, welche die Verbreitung des Feuerfischs begrenzen könnten.

Hochgiftig – aber schmackhaft

Das kroatische Ozean- und Fischerei-Institut will die Entwicklung weiter überwachen und empfiehlt, das Ökosystem im Mittelmeer zu stärken, um den Feuerfisch in Schach zu halten. Dazu sollte er gezielt bejagt und seine natürlichen Feinde möglichst geschont werden. Tintenfische etwa würden zumindest den Feuerfisch-Nachwuchs mit Genuss verspeisen.

Als überaus schmackhaft gilt der Feuerfisch allemal. Vor allem in den USA und der Karibik steht er immer häufiger auf den Karten einschlägiger Seafood-Restaurants. Die Rückenflossen werden ja nicht mitgegessen.

 

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