Sprache der Pferde: Welches Körperteil für ihre Kommunikation unerlässlich ist

Um einander vor Gefahr zu warnen oder auf Futterquellen hinzuweisen, haben Pferde eine Signalsprache entwickelt.

Veröffentlicht am 16. Nov. 2021, 11:40 MEZ, Aktualisiert am 16. Nov. 2021, 12:46 MEZ
Zwei Pferde in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Zwei Pferde in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Bild Glenn Jacobs, National Geographic Your Shot

Wenn wir uns mitteilen wollen, haben wir die Wahl: wir können Worte benutzen oder mit den Augen oder gleich dem ganzen Körper sprechen. Kommunikation kennt viele Wege. Dasselbe gilt auch für die Tierwelt – bei Pferden lässt sich zum Beispiel eine besondere Art der Zeichensprache beobachten.

Einer Studie zufolge, die in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde, setzen die Tiere ihre langen, extrem beweglichen Ohren ein, um einander zu signalisieren, auf welchen Punkt sie ihre Aufmerksamkeit richten sollen. Das hilft den Mitgliedern der Herde unter anderem dabei, Futter zu finden oder Angreifer rechtzeitig zu bemerken.

Die Studie war eine der ersten, die sich mit Kommunikationsmitteln befasste, die dem Menschen nicht zur Verfügung stehen – weil ihm zum Beispiel die beweglichen Ohren eines Pferds fehlen. Laut Jennifer Wathan, Global Aninmal Welfare Advisor am Brooke Hospital for Animals in London, England, ist dies extrem wichtig, wenn man verstehen will, wie soziale Tiere miteinander interagieren.

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Vor der Studie sind Wissenschaftler ihr zufolge dieser Frage hauptsächlich auf Basis der Merkmale menschlicher Kommunikation – wie zum Beispiel der Körpersprache – nachgegangen. Doch das Hineindenken in die Pferde und das Nachempfinden ihrer Wahrnehmung der Welt könne viel tiefere Einblicke in die Kommunikationsvorgänge der Tiere möglich machen, erklärt Wathan.

Pferde sind ebenso wie wir Menschen soziale Tiere. Das Zusammenleben mit anderen in einer großen Gruppe verläuft nicht immer reibungslos, bietet aber trotzdem einige Vorteile. Der größte ist dabei vermutlich, dass die Mitglieder der Gruppe aufeinander aufpassen. Ein Teil von ihnen hält Ausschau nach Gefahr, während die anderen in Ruhe fressen können.

Damit dieses System funktioniert, müssen die Tiere Methoden entwickeln, wie sie Informationen untereinander weitergeben können.

„Pferde können extrem gut sehen – besser als Hunde und Katzen”, erklärt Jennifer Wathan. Sie stellte deswegen die These auf, dass die Richtung, in die die Ohren zeigen, dem Rest der Herde signalisiert, wo in ihrem Umfeld sich etwas befindet, das ihre Aufmerksamkeit verdient.

Ganz Ohr

Gemeinsam mit ihrer Beraterin Karen McComb erstellte Jennifer Wathan zum Beweis ihrer Theorie einen Versuchsaufbau, bei dem Pferde auf einer Weide fotografiert wurden, die ihren Blick auf einen von zwei Futtertrögen richteten. In einer ersten Fotoreihe wurden die Ohren der Pferde abgedeckt, in einer zweiten ihre Augen und das dritte Motiv zeigte die Pferde ohne jegliche Abdeckung. Die Forscherinnen ließen von den Bildern lebensgroße Abzüge machen, die die Pferde zeigten, die sich zwischen zwei Futtertrögen entscheiden sollten.

Der Versuchsaufbau setzte voraus, dass Pferde ihre Artgenossen auch auf Fotos als solche erkennen. Dass dies der Fall ist, konnte bereits in früheren Experimenten bewiesen werden.

Pferde, denen das dritte Motiv gezeigt wurde, entschieden sich in 75 Prozent der Fälle für den Futtertrog, den die Pferde auf dem Foto ansahen. Waren Ohren oder Augen der Pferde auf dem Foto abgedeckt, fielen die Entscheidungen der Testpferde weitaus willkürlicher aus, waren jedoch deutlicher konsistenter, wenn die Ohren der Pferde auf dem Foto sichtbar waren.

„Die Testpferde betrachteten die Bilder der Pferde mit maskierten Augen oder Ohren weniger intensiv, was darauf schließen lässt, dass sie daraus weniger Informationen ziehen konnten. Jedenfalls nicht genug, um ihr Verhalten entsprechend anzupassen“, erklärt Jennifer Wathan.

Wichtig für das Miteinander von Menschen und Pferd

Die Studie war die erste, die Belege dafür liefern konnte, dass es bei Pferden einen Informationsaustausch über Nahrungsquellen gibt. Das ist unerwartet, weil sie sich in einer Umgebung entwickelt haben, in der „alle Grashalme gleich gut sind“, sagt Katherine Houpt, Pferdeexpertin und emeritierte Professorin für Tiermedizin an der Cornell University in Ithaca, New York.

Aufgrund des einzigartigen Einblicks, den die Studie in die Denkweise der Tiere bietet, seien ihre Ergebnisse für jeden, der mit Pferden arbeitet, von großer Wichtigkeit. „Erfahrene Reiter wissen, dass ihnen die Ohren des Pferdes viel über das verraten, was es denkt. Dass dieses Körperteil in der Kommunikation der Tiere untereinander ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt, überrascht mich also nicht“, sagt Houpt.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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