Masturbation im Tierreich: Makaken-Affen nutzen Steine als Sexspielzeug

Masturbation ist in der Tierwelt weit verbreitet. Die Nutzung spezifischer Werkzeuge zu diesem Zweck allerdings eher weniger. In einer neuen Studie wurde diese Technik erstmals bei Langschwanzmakaken auf Bali nachgewiesen.

Die balinesischen Langschwanzmakaken aus dem heiligen Affenwald haben ein besonders entspanntes Leben – und nutzen ihre Freizeit laut einer neuen Studie zur Masturbation mithilfe von Sexspielzeug.

Foto von Em Campos / Adobe Stock
Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 23. Aug. 2022, 09:47 MESZ

Ob Hunde, Delfine oder Kap-Borstenhörnchen – Masturbation wurde im Tierreich schon oft beobachtet. Auch bei einer Vielzahl von Primaten ist bekannt, dass sie sich selbst befriedigen – wie beispielsweise bei den Langschwanzmakaken, die die indonesische Insel Bali bewohnen. Doch obwohl Masturbation im Tierreich nicht selten ist, fielen die Makaken durch eine bisher wenig verbreitete Verhaltensweise auf: Sowohl Männchen als auch Weibchen nutzen Steine als Hilfsmittel zur Masturbation – und erfanden so eine Art Sexspielzeug.

Zu diesem Schluss kam nun ein Forschungsteam unter der Leitung von Camilla Cenni von der University of Lethbridge in Kanada. Für ihre Studie beobachteten Cenni und ihre Kolleginnen und Kollegen die Affen in drei verschiedenen Jahren mehrere Monate lang zu verschiedenen Zeitpunkten. Die Daten in Form von Videoaufzeichnungen werteten sie schließlich aus und schlussfolgerten: Die Affen rieben und klopften mit den Steinen auf ihren Genitalbereich, um diesen zu stimulieren. 

„Die instrumentelle Nutzung von Objekten – also die Verwendung von Werkzeugen – bei nicht-menschlichen Tieren wurde meist im Zusammenhang mit Aufgaben der Nahrungssuche und Selbsterhaltung untersucht“, sagen die Forschenden. Gerade deshalb würde der Einbezug von Werkzeugen in eine andere, weniger überlebenswichtige Tätigkeit – wie in diesem Fall zur sexuellen Befriedigung – ein ganz neues Licht auf die Werkzeugnutzung bei Tieren werfen. 

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Werkzeugunterstützte Masturbation 

Die in der Studie untersuchten Affen gehören alle einer Population balinesischer Langschwanzmakaken an, die frei in urbanen Räumen leben und an Menschen gewöhnt sind. Der Untersuchungsbereich umfasste dabei den Affenwald von Ubud, ein heiliges Schutzgebiet, in dem die Makaken zusammen mit anderen Tieren frei, aber geschützt leben. Die untersuchte Population umfasste dabei zwischen 700 und 1.000 Affen, von denen die Forschenden über die Jahre hunderte Tiere dabei filmten, wie sie mit Steinen ihre Genitalien rieben oder darauf klopften. 

Bei der Auswertung des Videomaterials wollten die Forschenden vor allem herausfinden, ob die Steine aufgrund ihrer Nutzung zur Masturbation tatsächlich als eine Art Sexspielzeug bezeichnet werden können – also, ob die Affen sie aktiv zur sexuellen Stimulierung nutzen. Das Ergebnis war vor allem bei den männlichen Affen eindeutig. „Bei jugendlichen/subadulten und erwachsenen Männchen dauerte das genitale Klopfen/Rubbeln mit Steinen in Sequenzen mit Penis-Erektion signifikant länger als in Sequenzen ohne Penis-Erektion“, heißt es in der Studie. 

Die Einordnung dieses Verhaltens bei Weibchen sei zunächst schwieriger gewesen – auch deshalb, weil es bei ihnen keine solch offensichtlichen Anzeichen der sexuellen Stimulierung gibt. Allerdings sei auch bei Ihnen aufgefallen, dass sich das Reiben und Klopfen auf den Genitalbereich beschränkt – wobei zusätzlich eine Vorliebe für kantige und gröbere Steine festgestellt werden konnte. „Daraus lässt sich mit Sicherheit schließen, dass diese Handlungen nicht zufällig sind“, heißt es in der Studie.

Masturbation als Freizeitbeschäftigung

Doch warum konnte dieses Verhalten nun genau bei den balinesischen Langschwanzmakaken beobachtet werden? Die Antwort liegt wohl in ihrem Wohnort. Denn im Vergleich zu anderen Affenpopulationen haben die Makaken aus dem heiligen Affenwald ein besonders entspanntes Leben. Obwohl die Tiere frei in dem Gebiet leben, werden sie vom Personal im Schutzgebiet täglich gefüttert und müssen sich somit nicht selbst um die Nahrungsbeschaffung kümmern. Eine These des Teams um Cenni ist daher, dass die Affen besonders viel Freizeit haben und diese mit Werkzeugmanipulation füllen, die nicht strikt der Nahrungssuche oder Überlebenssicherung dient – ein Ergebnis, das Theorien zum Erwerb der Fähigkeit zur Werkzeugnutzung auf den Kopf stellen könnte.

„In den letzten zwei Jahrzehnten hat die zunehmende Evidenz für instrumentelle Objektmanipulation bei Aufgaben, die nicht der Nahrungssuche dienen, Forscher dazu veranlasst, die unmittelbaren Triebkräfte für den Erwerb und die Ausprägung des Werkzeuggebrauchs zu überdenken“, so die Forschenden. Werkzeugunterstütztes Masturbationsverhalten sei in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel für eine funktionell undurchsichtige Form der instrumentellen Objektmanipulation – der man in Zukunft wohl mehr Beachtung schenken muss.

Vor allem die Frage, ob auch Primaten, die sich intensiver mit der Nahrungssuche beschäftigen müssen als die balinesischen Affen, zur Objektmanipulation neigen, dürfte dabei interessant sein. 

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