Vorsicht im Grünen: Diese Insekten können gefährlich werden

Giftige Krabbeltiere gibt es nicht nur in Australien - auch in Deutschland sollte man sich vor einigen Insekten lieber in Acht nehmen. Wie sie aussehen, wann sie unterwegs sind, wo sie sich aufhalten.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 28. Apr. 2023, 15:54 MESZ
Ein Krainer Widderchen auf einer lila Blüte.

Das farbenfrohen Krainer Widderchen schlüpft im Juni und hat eine Lebensdauer von rund zwei Wochen. Zuvor verweilen die Raupen der Art in Wiesen, in denen ihre Hauptnahrungsquelle – die Esparsette – anzutreffen ist.

Foto von Erik Karits / Pexels

Inhalt

  • Hochsaison der Ölkäfer
  • Reizende Raupen: Eichenprozessionsspinner und Co.
  • Zecken: Gefahr im Sommer wie im Winter

Ob bunt schimmernde Käfer, leuchtend rote Falter, haarige Raupen oder winzig kleine Spinnentiere: Einigen faszinierenden Krabbeltieren sollte man lieber nicht zu nahe kommen. Im heimischen Garten und beim Spaziergang durch Parks, Wälder und Wiesen sollte man mit einem wachsamen Auge unterwegs sein. 

Hochsaison der Ölkäfer

Im Mai startet die Hochsaison der Schwarzblauen Ölkäfer (Meloe proscarabaeus). Läuft man diesen ein bis drei Zentimeter großen Insekten im heimischen Garten über den Weg, ist dies aus Sicht des Naturschutzes erst einmal ein durchaus gutes Zeichen. Denn die Fortpflanzung der gefährdeten Insekten ist stark von Wildbienen abhängig. Von deren Eiern und Pollen ernähren sich die winzigen Ölkäfer-Larven, bevor sie sich zur Überwinterung unter die Erde begeben.

20 verschiedene Arten aus der Familie des Ölkäfers leben in Mitteleuropa. In Deutschland bekommt man meist den Schwarzblauen Ölkäfer zu Gesicht. Anfassen oder gar verschlucken sollte man ihn nicht.

Foto von brudertack69 / Adobe Stock

Von März bis Mai schlüpfen daraufhin die Käfer, die auch Maiwürmer genannt werden. An ihren Beinen wird der giftige Stoff Cantharidin gebildet, der sie vor Fressfeinden schützen soll. Bereits vor tausenden Jahren wurde dieser sowohl als Medizin genutzt, als auch zur Vollstreckung von Todesurteilen. Eine bloße Berührung führt bereits zu Hautreizungen und Bläschenbildungen. Für Erwachsene kann die Dosis eines einzigen Käfers bei Verschlucken bereits tödlich sein. Bei Kontakt mit Ölkäfern wird zum gründlichen Waschen und Kühlen der betroffenen Hautstellen geraten. Besteht der Verdacht des Verschluckens, sollte kein Erbrechen erzwungen werden und stattdessen ein zügiger Anruf beim regionalen Giftnotruf erfolgen.

Reizende Raupen: Eichenprozessionsspinner und Co.

Obwohl es 2018 zum Insekt des Jahres gekürt wurde, zählt das Krainer Widderchen (Zygaena carniolica) zu den eher unbekannten Insekten. Das farbenfrohe Kleid des tagaktiven Nachtfalters mit den leuchtend roten Punkten lässt es bereits erahnen: Sowohl die eher kurzen, behaarten und schwarz gepunkteten Raupen als auch die ausgewachsenen Falter gelten als sehr giftig. Aufgrund der Blausäure, die die Insekten produzieren, sollte man beide weder berühren, noch versuchen sie zu verzehren. 

Etwas bekannter, für Laien jedoch auf den ersten Blick wohl kaum zu unterscheiden: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) und des Goldafters (Euproctis chrysorrhoea). Beide Arten besitzen in diesem Entwicklungsstadium sogenannte Brennhaare – pro Tier etwa 600.000 Stück – die etwa das Nesselgift Thaumetopoein oder allergieauslösende Proteine enthalten. Bereits leichte Windstöße reichen aus, um einige der sehr feinen Härchen abzubrechen und auf einige Entfernung über die Luft zu verbreiten. Selbst nachdem die Tiere sich längst verpuppt haben und als Falter umherschwirren, bergen die Nester mit Millionen giftigen Haaren ein Risiko.

 

BELIEBT

    mehr anzeigen

    Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) haben anfangs ein eher gelb-bräunliches Erscheinungsbild. Später verfärben sie sich und werden dunkel bis schwarz. 

    Foto von agrarmotive / Adobe Stock

    Kommt es zur Berührung mit der Haut, sorgen die mit Widerhaken bestückten Haare für intensiv juckende Ausschläge. Im Auge können Bindehautentzündungen die Folge sein – eingeatmete Haare führen zu Reizungen der Atemwege oder gar zu Luftnot. Bei Kontakt sind Haut, Haare und Kleidung gründlich zu reinigen und bei Bedarf medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Entdeckte Nester sollten unverzüglich gemieden und gemeldet werden. 

    Zecken: Gefahr im Sommer wie im Winter

    Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten, profitieren die Zecken von den aufgrund des Klimawandels milder werdenden Wintern. Gleich mehrere der weltweit insgesamt 900 Arten der winzigen Spinnentiere fühlen sich hierzulande immer wohler. „Wir erleben eine Winteraktivität der Zecken und wir sehen auch, dass Zecken in die Berge gehen. Das heißt, wir finden Zecken in einer Höhe von 1.200 Metern“, so Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart. 

    Folglich kommt es zu immer mehr Fällen der Entzündungskrankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bei Menschen in allen Altersstufen. 70 bis 95 Prozent der Betroffenen gehen dabei lediglich durch das erste der beiden Krankheitsstadien. Dieses äußert sich durch Grippesymtome wie Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber. Bei den restlichen Erkrankten folgen meist Entzüngunen des Gehirns, der Hirnhaut oder des Rückenmarks. Laut Mackenstedt können bereits leichte Verläufe zu nachhaltigen Aufmerksamkeitsstörungen führen. In schweren Fällen können einschränkenen Lähmungen auftreten.

    Laut Mackenstedt nahm die Anzahl an FSME-Erkrankungen im Vergleich in den letzten zehn Jahren deutlich zu. Besonders betroffen seien nach wie vor die südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings könne man mittlerweile von einer bundesweiten Endemie sprechen. Schutz vor einer Infektion mit FSME gibt es durch eine Impfung. Schutz vor anderen übertragbaren Krankheiten wie der Lyme-Borreliose bietet diese jedoch nicht. Deshalb wird dazu geraten, dem Kontakt mit den Tieren vorzubeugen.

    Demnach sollte besonders beim Aufenthalt in hohen Wiesen und Sträuchern auf geschlossene Schuhe, hohe Socken und lange Kleidung geachtet werden. Zeckenschutzmittel helfen zeitlich begrenzt und können zusätzlich hilfreich sein. Im Anschluss an Aktivitäten im Freien sollte der Körper zeitnah nach Zecken abgesucht werden, insbesondere an weniger offensichtlichen Körperstellen. Die Entfernung sollte direkt erfolgen. Dazu greift man das Tier mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange möglichst nah am Kopf und zieht es gerade heraus. Schließlich sollte die Wunde desinfiziert und beobachtet werden.

    loading

    Nat Geo Entdecken

    • Tiere
    • Umwelt
    • Geschichte und Kultur
    • Wissenschaft
    • Reise und Abenteuer
    • Fotografie
    • Video

    Über uns

    Abonnement

    • Magazin-Abo
    • TV-Abo
    • Bücher
    • Disney+

    Folgen Sie uns

    Copyright © 1996-2015 National Geographic Society. Copyright © 2015-2024 National Geographic Partners, LLC. All rights reserved