Wie winzige Amöben im Gehirn zur Gefahr werden

Viele glauben, dass verschmutztes Leitungswasser vor allem beim Trinken zur Gefahr werden kann. Ein aktueller Fall zeigt: Auch mit der Nasendusche muss man vorsichtig sein.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 9. März 2023, 09:59 MEZ
Amöben unter dem Mikroskop.

Amöben im Wasser sind selten, können aber gefährlich werden. Der Parasit Naegleria fowleri kann sogar das Gehirn des Menschen angreifen und ist dann meist tödlich.

Foto von Dr_Microbe / Adobe Stock

Eine verstopfte Nase kann einen nachts um den Schlaf bringen. Die altbewährte Nasenspülung kann hier Abhilfe verschaffen. Doch so hilfreich und befreiend das Hausmittel auch ist – einige Vorsichtsmaßnahmen sollten trotzdem beachtet werden. 

Zuletzt kostete ein fataler Fehler einem Menschen im US-Bundesstaat Florida sogar das Leben. Eine „gehirnfressende Amöbe“ hatte sein Gehirn befallen, nachdem er eine Nasendusche mit Leitungswasser durchgeführt hatte. Doch wie wahrscheinlich ist ein solcher Fall?

Infektionen mit Amöben sind selten – aber fatal

Der Name der tödlichen Übeltäter: Naegleria fowleri. Die winzigen, mit bloßem Auge nicht zu erkennenden Einzeller sind überall auf der Welt verbreitet. Meist sind sie in feuchten Böden und stehenden Gewässern anzutreffen – vor allem in den USA oder Australien. Da sie auf Wärme angewiesen sind, verbreiten sie sich jedoch auch in Schwimmbädern oder Abwässern. Von hier aus gelangen sie ins Leitungs- und Trinkwasser. Dieses durch Getränke oder Speisen zu sich zu nehmen, gilt dennoch als sicher.

Auch die Wahrscheinlichkeit, sich beim Schwimmen oder Tauchen zu infizieren, ist laut des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) äußerst gering. Zwischen 1962 und 2021 habe es lediglich 154 nachgewiesene Infektionen gegeben. Allerdings überlebten nur vier von 150 Infizierten. Grund hierfür ist die Amöbenenzephalitis – oder im Falle der N. fowleri die Primäre Amöben-Meningoenzephalitis. Durch sie kann eine Erkrankung des zentralen Nervensystems verursacht werden.

Der Krankheitsverlauf ist rasch. Auf die Symptome der ersten Stufe wie starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber und Übelkeit folgen im zweiten Stadium ein versteifter Hals, Krampfanfälle, psychische Auffälligkeiten wie Halluzinationen und letztendlich ein Koma. Meist vergehen nicht mehr als 18 Tage zwischen dem Beginn der ersten Anzeichen und dem Tod. Eine frühzeitige Diagnose und schnelle Behandlung war ausschlaggebend in allen fünf Fällen von bekannten Überlebenden in Nordamerika. 

Nasenduschen mit Vorsicht

Infektionen mit anderen frei lebenden Amöbenarten wie Balamuthia mandrillaris oder Acanthamoeba, die meist durch Staub und Aerosole die Lunge oder offene Wunden befallen, verlaufen meist tödlich. Im Jahr 2018 beschrieb eine Studie auch den ersten bekannten Fall einer Gehirninfektion durch Balamuthia, die nach einer Nasenspülung mit normalem Leitungswasser ausgelöst wurde. 

Trotz des geringen Risikos sollte man das Schicksal beim Durchspülen der Nase – aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen – also nicht herausfordern. Amöben können sich auch zu Hause in Warmwasserbereitern oder Leitungsrohren verbreiten. Deshalb sollte sämtliches Wasser, welches zum Spülen der Nase verwendet wird, vorher mindestens eine Minute lang abgekocht werden. Alternativ ist auf destilliertes oder steriles Wasser zurückzugreifen. Bei der Verwendung von Wasserfiltern sollte auf eine Porengröße von einem oder wenigen Mikrometern geachtet werden.

In Deutschland besteht aufgrund des geringen Risikos laut dem Infektionsschutzgesetz keine Meldepflicht bei einer Amöbenenzephalitis. Ausbrüche sind hierzulande nicht bekannt. Laut dem Robert Koch Institut sollte allerdings bei „jeder Art von ungechlortem Süßwasser ab einer Temperatur von über 30°C mit einer Nae­gle­rien-Belastung gerechnet werden.“ Vorsicht sollte also vor allem in warmen Urlaubsländern walten.

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