Kurioses Haustier: Gesundheitsrisiko Riesenschnecke?

Ob als Haustier oder für die Hautpflege: Die Haltung von afrikanischen Riesenschnecken erfährt einen regelrechten Boom. Eine Schweizer Studie warnt allerdings vor der Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 23. Nov. 2023, 09:51 MEZ
Eine Riesenschnecke sitzt auf der Hand einer Frau und wird gestreichelt.

Schneckenschleim gegen Hautalterung? Laut Schweizer Forschenden sind Streicheleinheiten mit Riesenschnecken mit einem erhöhten Risiko von Krankheitsübertragungen verbunden.

Foto von Iryna / Adobe Stock

Afrikanische Riesenschnecken, auch Große Achatschnecken genannt, kommen recht genügsam daher: Sie sind verhältnismäßig einfach zu halten, freundlich und weder giftig noch sonderlich anspruchsvoll. Dazu können sie mehr als 20 Zentimeter Länge erreichen. Einige scheinen die Tiere aus diesen Gründen als die perfekten exotischen Haustiere zu sehen.

In den Sozialen Medien verbreitet sich unterdessen ein fragwürdiges Verhalten: Menschen setzen sich die Schnecken aus Schönheitsgründen aufs Gesicht – denn der Schleim soll Feuchtigkeit spenden und das Hautbild verbessern.

Eine Schweizer Studie der Universität Lausanne äußert nun ernste Bedenken bezüglich des leichtfertigen Umgangs mit den schleimigen Haustieren. Laut dem Artikel, der in der Zeitschrift Paracites & Vectors erschienen ist, birgt die beliebte Große Achatschnecke (Lissachatina fulica) ein großes Risiko der Übertragung von Erregern auf den Menschen. 

Möge der Schleim mit dir sein
Ohne Panzer und auffällig gefärbt kriecht die Bananenschnecke durch den Redwood-Nationalpark in Kalifornien. Eine leichte Beute ist sie trotzdem nicht. Szenen aus Tierische Freaks.

Trendtier Riesenschnecke birgt mindestens 36 Erreger

In ihrer Studie erforschten die Wissenschaftler*innen, wie groß die Gefahr ist, die von L. fulica ausgeht. Dazu werteten sie zunächst sämtliche bekannte Parasiten und Krankheitserreger aus, die bisher in den Schnecken identifiziert werden konnten. Unter den mindestens 36 Arten von Erregern gelten die meisten als übertragbar auf Säuge-, Nutz- oder Haustiere. „Darüber hinaus können 15 der aufgezeichneten Krankheitserreger den Menschen infizieren“, heißt es in der Studie. 

Dabei heben die Forschenden einen Parasiten besonders hevor: den Ratten-Lungenwurm (A. cantonensis). Beim Menschen löst dieser die sogenannte eosinophile Meningitis aus – eine schwerwiegende Erkrankung, die bei Erwachsenen zu neurologischen Beeinträchtigungen führt, bei kleinen Kindern sogar tödlich ausgehen kann. In tropischen Gefilden, in denen sich die invasive L. fulica ausbreitet, gibt sie diesen Erreger an mehr als 20 Prozent der heimischen Schnecken weiter.

Riesenschnecken auf der Haut: Schleimig und potenziell gefährlich

Umso leichtsinniger scheint es, was die Beiträge unter dem Hashtag #achatinafulica in den Sozialen Medien offenbaren. „Die sozialen Netzwerke sind voll von Fotos von Menschen, die die Tiere mit ihrer Haut oder sogar ihrem Mund berühren“, sagt Cleo Bertelsmeier, Forscherin am Institut für Ökologie und Evolution der Fakultät für Biologie und Medizin Lausanne. Viele Beiträge zeigen zudem umstrittene Schönheitsbehandlungen. Zwar enthält der Schleim der Großen Achatschnecken sehr wohl antibakterielle und feuchtigkeitsspendende Stoffe – allerdings gibt es kaum wissenschaftliche Belege dafür, dass der Schleim beim Menschen als Mittel gegen Hautalterung wirkt. 

Den Forschenden kam der Hype um die Tiere und die damit einhergehende Menge an Fotos und Videos allerdings gelegen, um die Verbreitung der Haustiere und den Umgang mit den Tieren auszuwerten. Laut Co-Autor Jérôme Gippet seien sich viele Schneckenhalter*innen nicht der Risiken bewusst, „denen sie sich selbst oder ihre Kinder aussetzen.“ Er betont dabei vor allem den Hautkontakt im Gesicht.

Laut der Studie birgt das Haustier besonders in Haushalten mit Kindern ein hohes Infektionsrisiko, da diese kontaminierte Finger und Gegenstände oder gar die Schnecken selbst eher in den Mund nehmen. Das Team um Bertelsmeier und Gippet fordert jetzt stärkere Regularien für den Handel und Besitz der Tiere. Zudem müsse die breite Öffentlichkeit vor den möglichen Gesundheitsrisiken gewarnt werden.

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