Euer neues Lieblingstier: das Dikdik

Die kleinen monogamen Tarnungskünstler begeistern nicht nur mit ihrem niedlichen Äußeren, sondern auch mit ihrer physiologischen Adaptionsfähigkeit.

So groß wie ein Cocker Spaniel, so leicht wie eine Katze: Mit seinen zarten 40 Zentimetern Schulterhöhe ist das Dikdik leicht zu übersehen in Afrikas Savannen. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen: Die Zwergantilopen sind mit ihren riesigen Augen und winzigen Nasen nicht nur niedliche, sondern auch faszinierende Tiere, die sich perfekt an ihren Lebensraum angepasst haben.

Zahlreich vorhanden, selten gesehen

Etwa eine Million Dikdiks leben schätzungsweise in freier Wildbahn. Die kleinen Antilopen sind in Afrikas Baum-, Busch- und Grassavannen und steinigen Hügeln in bis zu 3.000 Metern Höhe beheimatet. Sie gelten nicht als bedroht, auch wenn sie selten gesichtet werden, denn durch ihre Größe und Fellfarbe sind sie in ihrem natürlichen Lebensraum perfekt getarnt. Dank ihres hervorragenden Seh-, Hör- und Geruchssinns bekommen sie außerdem schnell mit, wenn sich Gefahr nähert. Sie tendieren dann eher dazu, sich im Dickicht zu verstecken als zu fliehen. Entscheiden sie sich allerdings doch für die Flucht „zu Huf“, können die Tiere eine Geschwindigkeit von bis zu 42 km/h erreichen und sprinten in einem beeindruckenden Zick-Zack-Muster davon.

Der Name ist Programm

Sichten weibliche Dikdiks Gefahr, geben sie einen Laut von sich, der sich wie „zik-zik“ oder „dik-dik“ anhört. Sowohl Weibchen auch Männchen geben außerdem einen Pfeifton von sich.

Ihr Ruf ist so laut, dass er auch andere Beutetiere in ihrer Umgebung alarmiert und zur Flucht anregt. Im Optimalfall ziehen diese dann die Aufmerksamkeit des Räubers auf sich und die kleine Antilope kann flüchten und wieder unbemerkt mit ihrer Umgebung verschmelzen. Durch diese kleine „List“ gelten sie bei menschlichen Jägern als unbeliebt – zumindest, wenn diese es gerade nicht auf Dikdiks abgesehen haben. Ihr wissenschaftlicher Name Madoqua hat hingegen nichts mit ihren Rufen, sondern mit ihrem Aussehen zu tun: Das Wort leitet sich vom amharischen Namen medaqqwa (dt.: kleine Antilope) ab.

Dikdiks im Doppelpack

Dikdiks sind im Gegensatz zu vielen anderen Antilopenarten keine Herdentiere. Stattdessen leben sie in einer monogamen Partnerschaft, die in der Regel ein Leben lang hält. Forscher konnten im Rahmen einer Studie allerdings beobachten, dass Männchen ab und zu versuchten, sich mit weiteren Weibchen zu paaren, wenn sich ihnen die Gelegenheit bot. Doch die Dikdik-Weibchen zeigten kein Interesse an Paarungen außerhalb ihrer Partnerschaft. Es wird vermutet, dass sie dies tun, um möglichen gefährlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Defäkationszeremonie unter Tränen

Das Territorium eines Dikdik-Pärchens umfasst 5 – 30 Hektar und wird mit Hilfe von Kot, Urin und „Tränen“ markiert.  Letztere produzieren sie durch eine Hautdrüse an der Innenseite ihrer Augen, der sogenannten Voraugendrüse, deren geruchsintensives Sekret sie an Zweigen, Gräsern und Steinen verteilen und welches auch für Menschen wahrnehmbar ist. Auch Rot- und Axishirsche sowie Thomsongazellen besitzen dieses Anorbitalorgan.

Joel Sartore fotografierte dieses Kirk-Dikdik für die National Geographic Photo Ark

Bild Joel Sartore, National Geographic Photo Ark

Ihre Ausscheidungen nutzen die Tiere in einer Art „Defäkationszeremonie“. Zuerst defäkiert das Weibchen an eine bestimmte Stelle, während das Männchen dabei direkt hinter ihr steht. Danach beschnüffelt er die Markierungen seiner Gefährtin, wobei er seine Oberlippe einzieht und seine kleinen Zähne zeigt. Anschließend schabt der Bock mit seinen Vorderbeinen durch die Fäkalien, um sie schließlich mit seinen eigenen zu bedecken. Während des Prozesses dreht er sich diverse Male im Kreis. Zum Abschluss hinterlässt das Männchen noch das Sekret aus seiner Voraugendrüse an einer nahegelegenen Pflanze.

Territorialkämpfe zwischen Dikdiks kommen selten vor und spielen sich nur zwischen den Männchen ab.

Leichte Beute mit coolem Rüssel

Durch ihre Größe sind Dikdiks eine beliebte Beute für eine Vielzahl von Raubtieren. Zu ihren Fressfeinden gehören Leoparden, Karakale, Löwen, Hyänen, Wildhunde, Warane und sogar Paviane und Raubvögel. Doch auch der Mensch ist eine Bedrohung für die kleinen Huftiere, da aus ihren Beinen und Füßen traditioneller Schmuck und aus ihrer Haut Wildlederhandschuhe gemacht werden. Zudem sind Dikdiks traurigerweise ein beliebtes „Ziel“ diverser Jagdreiseanbieter.

Auf dem Speiseplan der Dikdiks stehen vorrangig Blätter und Sträucher – und davon reichlich: Im Vergleich zu größeren Huftieren nehmen Dikdiks deutlich mehr Futter im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht zu sich. Ihren Wasserbedarf decken sie allein durch die Nahrungsaufnahme, trotz hoher Temperaturen im Osten und Südwesten Afrikas. Um letzteren zu trotzen, kommt ihnen vor allem ihre rüsselartige Schnauze zugute: Durch ihre Atmung und gezieltes Ausschnaufen kühlen sich die kleinen Antilopen ab, ohne dabei viel Wasser beim Ausatmen zu verlieren. Dank dieser körpereigenen Klimaanlage sind Temperaturen um die 40 Grad und Dürre kein Problem für Dikdiks.

Die Frage der Art

Wie viele Arten von Dikdiks es gibt, ist umstritten. In vielen Quellen werden Dikdiks in vier klare Arten aufgeteilt: das Günther-, Kirk-, Eritrea- und Silberdikdik. Im Jahr 2011 veröffentlichten die beiden renommierten Zoologen Colin Groves und Peter Grubb allerdings eine neue Taxonomie der Huftiere, mit der sich die Zahl der Hornträger nahezu verdoppelte. Die Dikdik-Arten blieben davon nicht unberührt: So wurde allein das Kirk-Dikdik von den Autoren in fünf Arten aufgeteilt. Einige Wissenschaftler kritisierten die Veröffentlichung und warnten vor einer taxonomischen Inflation. Andere bewerteten das Werk als längst überfällig. Die Debatte hält bis heute an.

Und übrigens: auch wenn Dikdiks klein sind, sind sie nicht die kleinsten Antilopen der Welt. Ihre Verwandten, die Kleinstböckchen, erreichen maximal zarte 26 Zentimeter Höhe - sind aber nicht halb so niedlich.

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