Schwimmender Sonnenschild soll Great Barrier Reef schützen

Umweltschützer hoffen, dass sie das Korallensterben verlangsamen können, indem sie Teile des Sonnenlichts blockieren. Donnerstag, 12. April 2018

Umweltschützer arbeiten fieberhaft an der Rettung des Great Barrier Reef.

Der Gesundheitszustand des Riffs hat sich in den letzten Jahren von schlecht zu kritisch gewandelt. Das Riff gilt als Weltwunder der Natur und bietet Tausenden Fischarten einen Lebensraum. Obwohl auch invasive Seesterne Schäden anrichten, geht die größte Bedrohung für das Riff von den Korallenausbleichungen aus.

Jetzt hat ein Team von Forschern eventuell eine Lösung gefunden, um zumindest weitere größere Schäden abzuwenden.

Sie haben einen “Sonnenschild” entwickelt, der 50.000 Mal dünner als ein menschliches Haar ist und auf der Wasseroberfläche direkt über den Korallen schwimmen soll. Der dünne Film soll wie ein Sonnenschirm wirken und das einfallende Licht teilweise blockieren. Er ist biologisch abbaubar und besteht aus kohlensaurem Kalk – demselben Material, aus dem auch Korallenskelette bestehen.

Das Projekt wurde von der Universität von Melbourne und dem Australischen Institut für Meereswissenschaften entwickelt und kürzlich von der Great Barrier Reef Foundation (GBRF) verkündet.

Bisher konnte der Schild nur im Labor getestet werden. Laut einer Pressemitteilung der GBRF könnte er bis zu 30 Prozent des Sonnenlichts blockieren, das die Korallen durchdringt.

Die Wissenschaftler glauben, dass die Korallen die Ausbleichungsereignisse vielleicht besser überstehen könnten, wenn sie vor der Sonneneinstrahlung geschützt sind. Die Forscher beziehen sich dabei auf den Prozess, bei dem die Korallen die symbiotischen Algen ausstoßen, die in ihnen leben und sie durch Stoffwechselprozesse mit Nährstoffen versorgen. Wenn sie ihre Algen ausgestoßen haben, bleichen sie aus und werden weiß. Sofern sich die Bedingungen verbessern, siedeln sich die Algen wieder an und sie genesen. Hält die Bleiche allerdings zu lange an, verhungern die Korallen und sterben ab. Der Vorgang wird durch Verschmutzung, aber auch durch zu viel Wärme und Sonnenlicht ausgelöst.

2005 tötete eine Warmwetterphase die Hälfte der Korallen in den USA ab. In den letzten Jahren sind zudem zwei Drittel der Korallen des Great Barrier Reef diesem Vorgang zum Opfer gefallen.

PUNKTUELLE LÖSUNG?

„Der Oberflächenfilm konnte Schutz bieten und den Ausbleichungsgrad der [meisten] Korallenarten verringern”, sagte Anna Marsden von der GBRF in einer Mitteilung.

“Man sollte bedenken, dass das keine Lösung sein soll, die auf den gesamten 348.000 Quadratkilometern des Breat Barrier Reef angewendet werden kann – das wäre nicht zweckmäßig“, fügte sie hinzu. „Aber sie könnte in kleinerem Maßstab eingesetzt werden, um besonders wertvolle oder risikobehaftete Bereiche des Riffs zu schützen.“

EIN RENNEN GEGEN DIE ZEIT

Australien ist verzweifelt auf der Suche nach Lösungen, um den Niedergang des Great Barrier Reef aufzuhalten.

Anfang des Jahres kamen Forscher im Rahmen einer Analyse, die in „Science“ erschien, zu der Erkenntnis, dass sich das Zeitfenster für die Rettung des Great Barrier Reef rapide schließt. Die Analyse bestätigte, dass es öfter zu Ausbleichungsereignissen kam, wodurch den Korallen weniger Zeit zur Verfügung steht, sich von den Stresssituationen zu erholen.

Wenige Tage nach Veröffentlichung des Berichts verkündete die australische Regierung, dass sie 1,6 Millionen Dollar zur Projektfinanzierung bereitstellen würde. Darin enthalten war auch ein Preisgeld für die beste Lösung zur Rettung des Riffs.

2013 stellte das Commonwealth mehr als neun Millionen Dollar zur Verfügung, um ein vierjähriges Forschungsprogramm zu finanzieren, das auf die Resilienz der Korallenriffe und ihre Anpassung an den Klimawandel abzielte. Dieses Programm unterstützte auch die Entwicklung des Sonnenschilds, die auch über private Spenden finanziert wurde.

Bevor die Wissenschaftler den Film außerhalb des Labors einsetzen können, wird allerdings noch mehr Forschung nötig sein.

Sarah Gibbens auf Twitter und Instagram folgen.

Wei­ter­le­sen