Umwelt

Der Kīlauea brennt blau

Das unterirdische Methan erzeugt in der Nähe der Lavaströme blaue Flammen. Experten zufolge seien auch Methanexplosionen möglich. Dienstag, 5. Juni 2018

Von Sarah Gibbens

Seit der Kīlauea im Mai ausgebrochen ist, hat er sich gleichermaßen als schön und gefährlich erwiesen. Die roten Lavaströme haben sich auf Hawaiis Big Island langsam ihren Weg durch die Region rund um den Vulkan gebahnt, während Fontänen aus geschmolzenem Gestein aus den Rissen des Bergs tanzten und spritzten.

Jetzt wartet der Kīlauea mit einem neuen Spektakel auf: blauen Flammen.

Das Video wurde vom Geologischen Dienst der USA veröffentlicht und zeigt die ungewöhnlichen blauen Flammen, die aus den Rissen in einer Straße emporsteigen. Das fremdartige Phänomen wird durch Methan erzeugt, das durch die Zersetzung toten Pflanzenmaterials entsteht und sich in unterirdischen Hohlräumen sammelt. Wenn das Methan seinen Weg an die Oberfläche findet und sich entzündet, brennt es blau.

Die Flammen sind allerdings nur bei Dunkelheit sichtbar, weshalb unklar ist, wie verbreitet sie sind und wie lange sie bereits brennen.

„Das ist kein alltägliches Phänomen“, sagt die Vulkanologin Janine Krippner. „Der einzige andere mir bekannte Ort, an dem es auftritt, ist Indonesien.“

Am indonesischen Vulkan Ijen sind blaue Flammen häufiger zu sehen. Dort wird das Phänomen durch Schwefelgase erzeugt, die von heißen Schloten entzündet werden. Auch im Geothermalgebiet Dallol in Äthiopien wurden diese Flammen schon dokumentiert. Dort entstehen sie durch Schwefelstaub, der sich im Boden der Region befindet.

Beim Kīlauea könnten die blauen Flammen teils auch deshalb entstanden sein, weil die Lava langsam in erschlossene Gebiete vordringt, in denen asphaltierte Straße gebaut wurden. Unter normalen Bedingungen wird das Methan, das beim Zerfall von Pflanzen entsteht, schrittweise in die Luft abgegeben. Krippner glaubt, dass die Asphaltstraßen als eine Art Deckel fungieren könnten, sodass unter ihnen eine hohe Methankonzentration entsteht. Wenn das Gas schließlich durch die Risse in den Straßen entweicht und plötzlich mit Hitze und Sauerstoff in Berührung kommt, entzündet es sich.

„Die Flammen sehen so vertraut aus, weil sie trotz der dramatischen Kulisse genau wie das kurze blaue Flackern von Lagerfeuern sind“, sagt die Geologin Mika McKinnon.

Wenn Lava die Vegetation in bewaldeten Gebieten unter sich einschließt, können so auch Methanexplosionen entstehen, „die Felsbrocken und andere Trümmer in die Luft schleudern können“, wie der Geologische Dienst der USA in einem Facebook-Post erklärt. „Diese Explosionen sind unvorhersehbar und man kann ihnen nur entgehen, wenn man die Lavaströme meidet.“

„Solche Methanexplosionen sind kurz und lokal, was bedeutet, dass man sich nur in größerer Gefahr befindet, wenn man einer aktiven Eruption ohnehin schon gefährlich nah ist“, fügt McKinnon hinzu.

Lavafluten und die giftigen Gase in Aschewolken zählen zu den häufigsten vulkanischen Gefahren, mit denen sich die Inselbewohner auseinandersetzen müssen. Die hawaiianischen Behörden beobachten den Gipfel des Kīlauea, um weitere Explosionen frühzeitig zu erkennen. Auch dort können sich Dampf und Gase so weit aufstauen, dass sie bei einer Explosion große Felsbrocken durch die Luft katapultieren können.

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