Klimaschutz: Hecken sind fast so effektiv wie Wälder

Laut einer neuen Studie können Hecken große Mengen an Kohlendioxid klimaunschädlich machen. Vor allem das Potenzial auf Ackerflächen sei gewaltig.

Blühende Schlehenhecke bei Leidendorf in Bayern: Millionen Tonnen an Kohlendioxid könnten klimaunschädlich gemacht werden.

Bild Sophie Drexler, Thünen-Institut
Veröffentlicht am 4. Okt. 2021, 13:13 MESZ

Beim Klimaschutz steht oft die Wiederaufforstung der Wälder im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Doch eine neue Studie liefert nun ein Bild, das viele Menschen überraschen dürfte: Auch vergleichsweise schnell wachsende Hecken sind offenbar effektive Klimaschützer. Das zeigen Berechnungen, die das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig im Rahmen einer Metastudie durchgeführt hat.

Hiernach kann eine neu angepflanzte Ackerland-Hecke von gut 700 Metern Länge die gesamten Treibhausgasemissionen kompensieren, die eine Durchschnittsperson in Deutschland innerhalb von zehn Jahren verursacht.

Dem Forschungsteam zufolge bindet eine Hecke pro Hektar im langjährigen Durchschnitt fast genauso viel Kohlenstoff wie ein Wald. Das hängt offenbar mit der hohen Dichte an Ästen und Zweigen in Hecken und den guten Wuchsbedingungen in der Agrarlandschaft zusammen. Viel Kohlenstoff werde auch in den Wurzeln der Hecken und im Boden als Humus gebunden.

Die Notlage unserer Wälder
Deutschland ist ein Land voller üppiger grüner Bäume, obwohl erste kürzlich viele davon verschwanden.

Hecken in der Landwirtschaft: Viel Effekt auf wenig Fläche

Klimawirksam seien allerdings nur neu angepflanzte Hecken. Der Grund: Sie wachsen kontinuierlich und entwickeln laufend neue Blätter, Äste und Wurzeln. Ihre Biomasse nimmt also stetig zu – und damit auch ihre Kapazität, Kohlenstoff zu speichern.

Projektleiter Axel Don ist überzeugt: „Es gibt kaum eine Klimaschutzmaßnahme im Agrarbereich, mit der auf so wenig Fläche so viel Effekt erzielbar ist.“ Die Krux: In den letzten Jahrzehnten wurden unzählige Hecken auf deutschen Äckern gerodet – nicht zuletzt, um mehr Platz für die Intensivierung der Landwirtschaft zu schaffen.

Haselhecke bei Nienburg in Sachsen-Anhalt: Nur Neupflanzungen haben einen positiven Klimaeffekt.

Bild Sophie Drexler, Thünen-Institut

Dabei braucht es nach Dons Worten nur 0,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, um die in den letzten 60 Jahren gerodeten Hecken wieder neu anzupflanzen. Zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid könnten so gebunden und damit klimaunschädlich gemacht werden.

Der Klimaeffekt ist aber bei weitem nicht der einzige Vorteil von Hecken in der Landwirtschaft: Sie schützen vor Winderosion und haben eine kühlende Wirkung in zunehmend wärmeren Sommern. Außerdem sind sie wichtiger Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, die im Zuge der industrialisierten Landwirtschaft immer seltener geworden sind.

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