Ihr Lebensraum schwindet: Feldhasen in Not

Besonders die intensive Landwirtschaft macht den Feldhasen in Deutschland zu schaffen. Tierschützer und Umweltverbände fordern ein Umdenken.Donnerstag, 29. März 2018

Es steht nicht gut um den Feldhasen. Vor wenigen Jahrzehnten noch allgegenwärtig auf deutschen Wiesen und Feldern, gerät er seit den 1960er-Jahren immer stärker unter Druck. Aktuellen Zählungen des Deutschen Jagdverbands zufolge haben die Bestände von Frühjahr bis Herbst 2018 durchschnittlich um 18 Prozent zugenommen. „Der beste Wert seit 2007“, meldet der Verband. Wildtierschutz Deutschland zeichnet indes ein anderes Bild. Die Zahl der Feldhasen in Deutschland nehme seit Jahren kontinuierlich ab. Ein schwerwiegendes Indiz für den enormen Rückgang seien die Jagdstrecken. Allein in den 2000er Jahren seien sie um über 60 Prozent zurückgegangen.

Noch gibt es schätzungsweise zwei bis drei Millionen Feldhasen in Deutschland. Doch die langjährige Bestandsentwicklung gibt Anlass zur Sorge. Schon seit den 90er-Jahren wird die Art in Deutschland in der Roten Liste als „gefährdet“ (Kategorie 3) geführt – in einigen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt gilt sie als „stark gefährdet“ (Kategorie 2).Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren riesigen Monokulturen nimmt Lepus europaeus den Lebensraum, chemische Düngung und Pflanzenschutzmittel vernichten seine Futterpflanzen, Jungtiere fallen oft den Mähmaschinen zum Opfer.

Auch das immer dichter werdende Straßennetz setzt den Feldhasen in Deutschland zu. Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung fallen jährlich ungefähr 60.000 Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer. „Feldhasen sind seit mehreren Jahrzehnten in ihrem Bestand stark rückläufig“, warnt Wildbiologe Dr. Klaus Hackländer, dessen Forschungsarbeit über Feldhasen in der Kulturlandschaft von der Wildtierstiftung gefördert wurde. Neben Lebensraumverlust und Straßenverkehr nennt Hackländer weitere teils komplexe Gründe wie Klimawandel, Krankheitsanfälligkeit, natürliche Feinde und falsches Jagdmanagement.

Blühstreifen für Artenvielfalt

Der Lebensraumverlust durch verarmende Landschaftsstruktur wirke sich gleich mehrfach negativ aus. „Durch das Fehlen an Deckung sind Hasen nicht nur den Witterungsbedingungen stärker ausgesetzt, sondern sind auch für Beutegreifer leichter zu entdecken“, sagt Hackländer. Außerdem habe sich die Pflanzenvielfalt verringert. „Da Hasen sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern ernähren, führt die intensive Landwirtschaft womöglich auch zu einem Mangel an Nahrungsqualität oder -quantität.“

Eine naturverträglichere Landwirtschaft soll dem Tier des Jahres 2001 und 2015 helfen. Durch Anlage von Blühstreifen, Hecken und eine Extensivierung der Landbewirtschaftung könnten Nahrungsangebot und Rückzugsmöglichkeiten deutlich verbessert werden, betont der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Sogar die Bestandsverluste durch nasse Jahre und Beutegreifer ließen sich damit abfedern. Auch viele andere heimische Tierarten würden von solchen Maßnahmen profitieren – darunter bedrohte Wiesenvögel wie Kiebitz und Feldlerche oder Insekten. Zusätzlich fordert der Nabu, den Feldhasen aus der Liste der jagdbaren Arten zu streichen.

"Bio-Flächen sind hasenfreundlicher"

Darüber hinaus kann jeder Einzelne etwas tun, um Meister Lampe wieder auf die Sprünge zu helfen. Der WWF Deutschland etwa rät zum Kauf von Öko-Produkten: „Bio-Flächen sind deutlich hasenfreundlicher als die der konventionellen Landwirtschaft“, unterstreicht WWF-Agrarexperte Markus Wolter. „Durch den Wegfall von Pestiziden und die größere Vielfalt bei den angebauten Pflanzen finden Feldhasen hier genügend Nahrung.“ Der ökologische Landbau setze auf Kleegras, weil es in zahlreichen Betrieben fester Bestandteil der Fruchtfolge sei. Und wo viel Kleegras wächst, gebe es viele Hasen.

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Drei Feldhasen-Fakten

Wo leben Feldhasen?

Feldhasen besiedeln offene und halboffene Landschaften wie Äcker und Felder in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens. Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren riesigen Monokulturen nimmt Lepus europaeus zunehmend den Lebensraum.

Wie viele Feldhasen gibt es in Deutschland?

Aktuell gibt es schätzungsweise zwei bis drei Millionen Feldhasen in Deutschland. Die langjährige Bestandsentwicklung gibt Anlass zur Sorge. Seit den 1990er-Jahren wird die Art in Deutschland in der Roten Liste als „gefährdet“ (Kategorie 3) geführt.

Was fressen Feldhasen?

Feldhasen ernähren sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern, aber auch von Getreide, Knollen und Wurzeln.

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