Wüstensand in Deutschland: Wie kommt der Saharastaub zu uns?


Heiße Winde aus Afrika transportieren in diesem Jahr außergewöhnlich viel Sand aus der Sahara durch die Luft nach Deutschland.

Von Deborah Roth
Veröffentlicht am 16. März 2022, 15:33 MEZ, Aktualisiert am 16. März 2022, 23:18 MEZ
Satellitenbilder von Saharastaub im Frühjahr 2022.

Satellitenbilder von Saharastaub im Frühjahr 2022.

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Bei außergewöhnlich hohen Konzentrationen, wie gestern in Süddeutschland, ist Saharastaub am Horizont nicht zu übersehen. Er filtert das Sonnenlicht, das dadurch fast dystopisch wirkt.

„Der Wüstenstaub hat sowohl einen direkten als auch einen indirekten Einfluss auf die Sonneneinstrahlung", erklärt Thomas Werner vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Der direkte Einfluss besteht darin, dass die Atmosphäre durch den Staub getrübt und damit die Einstrahlung am Boden reduziert wird, da die eingestrahlte Energie an den Partikeln zum Teil unmittelbar ins Weltall zurückgestreut wird.“ Daher rührt auch der Eindruck die Sonne sei von einem Filter überzogen.

Dass Sand in der Sahara aufgewirbelt wird und mit dem Wind nach Europa getragen wird, ist ein normales Wetterphänomen, das hierzulande vor allem im Frühjahr und Sommer auftritt: Etwa fünf bis fünfzehnmal pro Jahr zieht er über Marokko und Frankreich nach Deutschland. Doch so stark wie in dieser Woche wird es nur äußert selten: „Kräftige Ereignisse wie das diesmalige treten eher alle 10 bis 15 Jahre auf", erklärt Werner.

Saharastaubereignisse kommen regional unterschiedlich häufig vor: „In Süddeutschland bis etwa zur Mittelgebirgslinie sind es durch bis zu 55 Ereignisse im Jahr, nördlich davon eher um die 35, im Mittel 45", sagt Werner. Allerdings ist der größte Teil dieser Ereignisse sehr viel schwächer und wird in den meisten Fällen nicht wahrgenommen.

Mit warmer Luft über die Alpen

Damit der Sand in Mitteleuropa die Atmosphäre in Deutschland gelb oder sogar rötlich einfärben kann, ist eine generelle warme Großwetterlage nötig. Diese ermöglicht, dass warme Luft aus Nordafrika nach Deutschland strömen kann.

„Für Mitteleuropa ist im Frühsommer hauptsächlich der direkte Transport aus der Sahara südlich des Atlasgebirges relevant", erklärt der DWD. Im Hochsommer unterdessen kommen Staubpartikel über eine südwestliche Strömung über den Atlantik nach Europa.

Wirbelstürme in der Wüste treiben den Sand in die Höhe, starker Wind trägt ihn Richtung Norden. Die mit den Mineralstaubpartikeln beladene Luft strömt dann in mittlere und große Höhen und gelangt so auch über die Alpen – bis zu uns.

Auch im Winter kann auf Schneeflächen bräunlich-rötlicher Saharastaub aufliegen. Dieses äußerst seltene und spektakuläre Ereignis wird „Blutschnee“ genannt.

Sand färbt Schnee und Himmel in Europa orange
Diese Skipisten im russischen Sotschi sehen wie eine gefrorene Wüste aus – aus gutem Grund.

Saharastaub besteht aus winzig kleinen Partikeln Mineralstaubs, im Durchschnitt nur fünf bis zehn Mikrometer groß. Sie können auf eine Höhe von bis zu fünf Kilometern in die Atmosphäre aufsteigen und dort - wenn es windstill bleibt - bis zu einem halben Jahr verweilen. Kommt Wind auf, trägt dieser den Sand der Sahara um die ganze Welt.

Positiver Nutzen für die Landwirtschaft

Heutzutage lagern sich höchstens hauchdünne Sandschichten in Deutschland ab, die meist mit dem nächsten Regen wieder weggespült werden. Vor Jahrtausenden sorgte der Saharastaub jedoch dafür, dass in einigen Regionen Süddeutschlands die Böden mit besonders vielen Nährstoffen angereichert wurden. Aufgrund seiner mineralischen Zusammensetzung aus Quarzsand, Tone, Geothit, Gips und fossilierten Algen hat der Sand ausgezeichnete Düngerqualitäten. Da er außerdem Wasser und Nährstoffe gut speichert, begünstigt er das Wachstum mancher Pflanzen - hierzulande zum Beispiel bei Spargel, Erdbeeren und Getreide.

Nach Angaben des DWD ergab eine Studie 2013 für Süddeutschland einen Wert von < 1 g/m2 Deposition pro Jahr aus Saharastaub. Im Amazonasgebiet und in der Karibik sieht das allerdings anders aus: „Hier liefert der Saharastaub den Mineraldünger für die tropischen Regenwälder", so Meteorologe Thomas Werner.

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