Sechs wichtige Siege für den Umweltschutz im Jahr 2022

Das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz ist weltweit gewachsen. Wir haben die erfreulichsten Fortschritte des vergangenen Jahres zusammengefasst.

Von Sarah Gibbens
Veröffentlicht am 6. Dez. 2022, 09:12 MEZ
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Ein Taucher schwimmt mit einer Schule Westatlantischer Stachelmakrelen im Meer des Nationalparks Cabo Pulmo in Mexiko. Inzwischen zeigt sich, wie stark Tiere und Menschen von der Einrichtung solcher Naturschutzgebiete profitieren.

Foto von Josh Humbert, Nat Geo Image Collection

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen leben im Jahr 2022 erstmals acht Milliarden Menschen auf der Erde. Diese Meldung fällt in eine Zeit, in welcher der Klimawandel und seine Folgen das Leben auf diesem Planeten immer mehr und in bisher unbekanntem Ausmaß verändern und gefährden. Waldbrände und Dürren nehmen an Häufigkeit und Intensität zu, Ortschaften und Städte werden überflutet, Hitzewellen machen den Sommer unerträglich. Gleichzeitig steigen die Emissionen, die diese Katastrophen auslösen und verstärken.

Doch noch besteht Hoffnung für uns acht Milliarden.

Unter Hochdruck sucht die Forschung nach Wegen, die ein Leben im Einklang mit der Natur möglich machen: vom Entschlüsseln von Pflanzengenomen bis hin zur Erschaffung von Meeresschutzgebieten, die der Menschheit und dem Planeten gleichermaßen zugutekommen. Auch auf der politischen Bühne konnte der Umweltschutz im Jahr 2022 einige Siege verbuchen.

Wir haben an dieser Stelle die sechs wichtigsten Errungenschaften für die Natur im Jahr 2022 zusammengefasst.

Maßnahmen für mehr Klimagerechtigkeit

Es ist eine unfaire Situation: Einige der Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, leiden am stärksten unter seinen Folgen. Darum einigten sich die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz (COP 27) im November 2022 auf die finanzielle Unterstützung von Entwicklungsnationen, die sich von durch den Klimawandel verursachten Schäden erholen oder sich an ihn anpassen müssen.

Diese Anerkennung der Klimaungerechtigkeit, die weltweit immer mehr zunimmt, gilt als historisch. Unterstützung erhalten Länder, die Entschädigungsansprüche stellen, durch die sogenannte Attributionsforschung, die Zusammenhänge zwischen einzelnen Stürmen, Hitzewellen oder anderweitigen Katastrophen mit dem globalen Klimawandel herstellt.

Das sind gute Nachrichten für Länder wie beispielsweise Pakistan, das im Sommer 2022 Schauplatz einer verheerenden Flutkatastrophe wurde. Obwohl das Land einen Anteil von weniger als einem Prozent an den weltweiten CO₂-Emissionen hat, muss es nun für einen Schaden aufkommen, dessen Kosten in die Milliarden gehen. Weil aber wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte, dass die Überschwemmungen durch den Klimawandel verstärkt wurden, besteht laut der neuen Einigung in diesem Fall ein Anspruch auf finanzielle Hilfe.

Gut für die Natur, gut für den Menschen

Meeresschutzgebiete sind Bereiche der Ozeane, in denen menschliche Aktivitäten zum Schutz der dort lebenden Tiere und Pflanzen stark eingeschränkt sind. Forschenden zufolge sind diese Zonen besonders in Anbetracht des Artensterbens von Bedeutung, das durch den Klimawandel und menschliche Aktivitäten wie Bohrungen und Schiffsverkehr in schnellem Tempo voranschreitet.

Eines der größten Meeresschutzgebiete ist das hawaiianische Papahānaumokuākea Marine National Monument. Hier hat sich gezeigt, dass nicht nur die Meeresbewohner, die innerhalb seiner Grenzen leben, von der Schutzzone profitieren, sondern auch das Ökosystem an seinen Rändern aufblüht – und dass derartige Projekte für Mensch und Natur gleichermaßen ein Gewinn sind.

Im Rahmen einer Studie, die im Oktober 2022 veröffentlicht wurde, wurde festgestellt, dass lokale Fischer außerhalb seiner Grenzen mehr Thunfische fangen, seit das Schutzgebiet etabliert wurde. Forschende erklären diesen Umstand mit dem Übertragungseffekt. Ihnen zufolge färbt der gute Zustand der Fischpopulationen im Schutzgebiet auf angrenzende Gebiete ab.

Erkenntnisse dieser Art verdeutlichen, dass neben der Natur auch der Mensch von der Einrichtung von Schutzgebieten profitiert und dass mit ihnen eine nachhaltige Wirtschaft möglich ist.

Neues US-Gesetz schützt das globale Klima

Die USA belegen derzeit beim CO₂-Ausstoß im globalen Vergleich nach China den zweiten Platz. Wenn es dort gelingt, die Emissionen zu senken, profitiert der gesamte Planet. So ist der im August 2022 in Kraft getretene US-amerikanische Inflation Reduction Act (IRA) einer der großen politischen Gewinne für die Umwelt im Jahr 2022. Er sieht Investitionen in Höhe von 396 Milliarden US-Dollar in Projekte vor, die saubere Energie und damit verbundene Technologien wie Elektromobilität fördern.

„Bisher gab es keine Gesetzgebung in den USA, bei der so wegweisend der Klimaschutz im Mittelpunkt steht“, sagt Richard Newell, CEO von Resources for the Future, einer Non-Profit-Organisation mit Schwerpunkt Energieforschung.

Eine wissenschaftliche Analyse des neuen Gesetzes zeigt, dass es das Potenzial hat, die Energiewende in den USA deutlich zu beschleunigen. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten mit seiner Hilfe 81 Prozent des Energieverbrauchs des Landes durch erneuerbare Quellen wie Wind- und Solarkraft gedeckt werden. Im Gesetz inbegriffen ist außerdem erstmals eine Gebühr für die Erzeugung von Methan – ein Treibhausgas, das einen großen Anteil an der Entstehung von erderwärmendem CO₂ hat.

Fortschritte in der Pflanzenforschung

Egal ob Gräser oder Regenwaldbäume: Wenn es darum geht, von Menschen erzeugtes CO₂ aus der Luft zu filtern und im Boden zu speichern, spielen Pflanzen eine entscheidende Rolle. Im Rahmen eines mit 11 Millionen US-Dollar geförderten Forschungsprojekts ist es im Jahr 2022 mithilfe der CRISPR-Technologie gelungen, den Prozess der Photosynthese zu optimieren und so CO₂ noch effizienter umzuwandeln.

In einer Vertical Farm werden junge Grünpflanzen auf einem wiederverwertbaren Substrat aus recycelten Plastikflaschen angebaut – einer von verschiedenen innovativen Wegen, die Lebensmittelproduzenten gehen, um eine immer weiter wachsende Bevölkerung auch in Zukunft mit frischen Nahrungsmitteln versorgen zu können.

Foto von Luca Locatelli, Nat Geo Image Collection

Doch Pflanzen sind nicht nur CO₂-Speicher, sondern auch Nahrungsquellen: In dieser Hinsicht arbeiten Forschende ebenfalls an Optimierungsmöglichkeiten. Die Weltbevölkerung wächst ständig – die zur Verfügung stehenden Anbauflächen jedoch nicht. Damit in Zukunft alle Menschen mit Nahrung versorgt werden können, gibt es einige innovative Ansätze zur Lebensmittelgewinnung, die teilweise an Science-Fiction-Szenarien erinnern.

So belegte eine Studie, die im Juni 2022 veröffentlicht wurde, dass es möglich ist, essbare Pflanzen – darunter Algen, Nährhefe und Pilze – völlig ohne Photosynthese anzubauen. Dieser erste Erfolg bei der Pflanzenzucht in Dunkelheit kann zum Beispiel für die Raumfahrt nützlich sein – oder für einen effizienteren Anbau von Nutzpflanzen auf der Erde.

Auch auf dem Meeresgrund entstehen erste experimentelle Gewächshäuser, wie diese in Italien, die der Fotograf Luca Locatelli im Bild festgehalten hat.

Strengere Regeln für Plastikmüll

Im Wasser, in der Luft, sogar in unserem Blut – überall ist Plastik. Darum wird sich sowohl auf globaler als auch lokaler Ebene darum bemüht, die Plastikflut einzudämmen.

Im März 2022 beschlossen 175 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Ausarbeitung einer Plastikkonvention, die bis zum Jahr 2024 abgeschlossen sein soll. Das Abkommen soll Länder gesetzlich dazu verpflichten, durch Abfallwirtschaft und -vermeidung sowie Rohstoffrückgewinnung dem Plastikmüll ein Ende zu setzen. Die Rahmenbedingungen der Konvention sind dabei weitaus strenger als die freiwillige Verpflichtung zur Reduzierung von CO₂-Emissionen, die Teil des Pariser Klimaabkommens ist.

Die Natur schützen – und reparieren

In den tropischen Korallenriffen von Hawaii ist gut zu beobachten, wie die Natur Wege findet, um sich dem Klimawandel anzupassen. Im März 2022 fanden Forschende heraus, dass zwei hier häufig vorkommende Korallenarten dazu in der Lage sind, auch bei steigender Wassertemperatur zu überleben. Ein Hoffnungsschimmer für die Riffe der Welt, von denen aufgrund von Hitzewellen in der vergangenen Zeit große Teile abgestorben sind.

An anderer Stelle erholt sich die Natur mit der Unterstützung von Rewilding-Projekten, die verlorenen Tier- und Pflanzenarten in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückholen. Schottland hat sich auf die Fahne geschrieben, die erste Rewilding-Nation der Welt zu werden, und hat damit begonnen, Wälder aufzuforsten, die bereits vor Jahrhunderten verschwunden sind.

In den US-Bundesstaaten Kalifornien und Louisiana wurde der Natur Raum gegeben, um wortwörtlichen ihrem natürlichen Lauf zu folgen: Mit energiebehördlicher Genehmigung sollen im mündungsnahen Teil des Klamath Rivers vier Dämme abgerissen werden, um wichtige Lebensräume für Lachse zu schaffen. An der Golfküste Louisianas ist geplant, den Flusslauf des Mississippi so zu ändern, dass Flusssedimente zur Mündung ablaufen können – ein letzter verzweifelter Versuch, um die stark erodierte Küstenlinie des Bundesstaats zu erhalten.

Ausblick auf 2023: Weniger PFAS im Trinkwasser

Anfang nächsten Jahres tritt eine neue EU-Richtlinie in Kraft, die niedrigere Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sogenannten PFAS – im Trinkwasser vorsieht. PFAS sind eine Klasse von Chemikalien, die rund 9.000 verschiedene Varianten umfasst und in vielen Gegenständen des täglichen Bedarfs enthalten sind: vom Regenmantel über Teppiche und Vorhänge bis hin zu antihaftbeschichteten Pfannen. Studien haben die Stoffe im Blut vieler Menschen nachweisen können – und erst jetzt wird mit der Erforschung der langfristigen Folgen für die Gesundheit begonnen.

Die neue Trinkwasser-Verordnung ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer strengeren Regulierung von PFAS und eine der großen kommenden Errungenschaften für die Umwelt im Jahr 2023.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht

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