Wissenschaft

Seltenes Otterfossil in mexikanischer Wüste entdeckt

Die neu entdeckten Zähne könnten helfen, das Geheimnis darum zu lüften, wie es die wasserliebenden Säugetiere vor sechs Millionen Jahren von einer Seite des Kontinents auf die andere geschafft haben. Donnerstag, 2 November

Von Shaena Montanari

Für Paläontologen ist es eine große Überraschung: Die uralten Zähne, die im heißen Buschland von Mexiko entdeckt wurden, gehörten einem wasserliebenden Otter, der vor sechs Millionen Jahren durch Nordamerika zog.

Das Fossil, das über 190 km von der nächsten Küste entfernt gefunden wurde, eröffnet eine völlig neue Diskussion über die Bewegungen von Säugetieren, die vor Jahrmillionen über den Kontinent zogen.

Die Zähne gehören zu einer ausgestorbenen Otterart namens Enhydritherium terraenovae, erzählt Jack Tseng von der Universität von Buffalo. Sein Team hat den Fund in „Biology Letters“ beschrieben. Zuvor hatte man diese Art nur in den Küstenregionen von Florida und Kalifornien gefunden. Daher ging man davon aus, dass sie genau wie ihre modernen Verwandten auf küstennahe Lebensräume angewiesen war.

Im März waren Tseng und seine Kollegen im Becken von Juchipila, das ringsum von Land eingeschlossen ist. Sie suchten nach Fossilien, die mehr Aufschluss über einen Zeitabschnitt geben sollten, der vor sechs Millionen Jahren begann. Damals fanden zwischen Nord- und Südamerika regelmäßig Wanderungsbewegungen von Säugetieren statt.

Bei der Feldarbeit kam der Hochschulabsolvent Adolfo Pacheco-Castro von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko mit einem ungewöhnlichen Exemplar zu ihm.

„Ich wusste, dass es irgendein Mitglied aus der Familie der Marder sein musste, aber ein Otter kam mir nie in den Sinn“, sagte Tseng.

Zum Glück war ein Expeditionsmitglied kürzlich an einem anderen Forschungsprojekt beteiligt gewesen, das mit Ottern zu tun hatte: Xiaoming Wang vom Naturkundemuseum von Los Angeles County. „Er hat ein Auge für Otter und wusste, was das war“, erinnert sich Tseng.

Otterfossilien überhaupt irgendwo anders zu finden, sei schon eine Leistung, sagt Robert Boessenecker. Er ist ein Paläontologe am College von Charleston und war an der Studie nicht beteiligt.

„Generell sind Otterexemplare so selten wie ein weißer Rabe“, sagt Boessenecker.

Aber Spuren von Enhydritherium in Mexiko zu finden, ist noch viel bemerkenswerter. Bisherige Funde ließen auf gewaltige Migrationen von Norden nach Süden während dieser Zeitperiode schließen. Dieses einzelne Fossil deutet nun darauf hin, dass es womöglich auch Bewegungen von Osten nach Westen gegeben hat.

„Basierend auf dem, was wir über heute lebende Otter wissen, brauchen sie die Nähe zum Wasser“, sagt Tseng.

Dass man Enhydritherium nun an beiden Küsten und auch dazwischen gefunden hat, bedeutet, dass dieser Otter vielleicht nicht nur in Küstenregionen gelebt hat. Eventuell hat er mit kleineren Gewässern als Sprungbretter auch seinen Weg von einer Küste zur anderen gefunden. Tseng weist darauf hin, dass die Form der Knochen in den Gliedmaßen von Exemplaren aus Florida nicht speziell auf das Leben im Wasser angepasst war. Das Tier konnte sich also durchaus ohne Mühen an Land bewegen.

Die Entdeckung widerspricht auch einer zuvor aufgestellten Hypothese, dass die frühen Otter eine weitschweifendere Migrationsroute zwischen den Küsten genommen hatten, fügt Boessenecker hinzu.

Vermutlich warten noch mehr Überraschungen zwischen den Steinen Zentralmexikos auf ihre Entdeckung, so Tseng. Bisher hat dort noch nicht allzu viel paläontologische Feldarbeit stattgefunden.

„Das zeigt einfach, wie ein einziger Fund die Interpretation von der Ökologie einer ausgestorbenen Art völlig verändern kann.“

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