Exotische Haustiere: Otter liegen „voll im Trend"

In Südostasien boomt der Markt für diese possierlichen Gesellen, nicht zuletzt dank der sozialen Medien.Montag, 14. Januar 2019

Sie geht an der Leine Gassi. Sie schläft in einem Bettchen, spielt mit einem Ball und klammert sich an ihr Plüschtier. Aber sie ist kein gewöhnliches Haustier, kein Hund, keine Katze, kein Kaninchen oder Hamster. Sie ist ein Zwergotter, eine asiatische Art, die in der Wildnis Jagd auf Fische und Krebstiere macht und in Flüssen und Mangroven zu Hause ist.

Ihr Name ist Sakura, und Videos aus ihrem Alltag in Japan haben sie durch YouTube und Twitter zu einem Social-Media-Phänomen gemacht.

Zwergotter und in geringerem Maße auch die drei anderen Otterarten Südostasiens – der Fischotter, der Indische Fischotter und der Haarnasenotter – sind die neuen Stars des regionalen Haustiermarktes. Forscher vermuten, dass die Tiere in Indonesien, Thailand und anderen südostasiatischen Ländern aus der Wildnis gefangen und dann dort und in Japan als Haustiere verkauft werden.

„Der Niedlichkeitsfaktor macht leider den Reiz aus“, sagt Kanitha Krishnasamy, die Leiterin der Zweigstelle Südostasien für die gemeinnützige Organisation TRAFFIC, die den globalen Wildtierhandel überwacht. „Diese Tiere sind äußerst beliebt.“

Die südostasiatischen Otter sind intelligent, und mit ihren schlanken Körpern, Stummelbeinchen und niedlichen Gesichtern auch sehr gefällig. Manche Leute zahlen mehrere Tausend Dollar, um eines dieser Tiere ihr Eigen nennen zu können.

Laut einem aktuellen Bericht von TRAFFIC zählten Forscher zwischen Januar und Mitte Mai 2018 mindestens 700 Otter, die in südostasiatischen Ländern auf Facebook zum Verkauf standen. Die meisten Verkäufer boten junge Zwergotter an, die kleiner und mit maximal fünf Kilogramm Gewicht leichter als ihre Verwandten sind.

Die vier Otterarten sind zwar nicht vom Aussterben bedroht, aber ihr Bestand ist dennoch gefährdet. Die Tiere nehmen gefährliche Pestizide mit der Nahrung auf und verlieren durch Bauprojekte immer mehr Lebensraum. Außerdem werden sie seit Langem wegen ihres dichten Fells gejagt, das besonders in China zur Herstellung von Mänteln und Hüten beliebt ist. Im manchen Regionen Asiens werden ihrem Blut, Fett und ihren Knochen zudem Heilkräfte zugeschrieben.

Laut dem TRAFFIC-Bericht hat sich der Haustierhandel aber als akutester Bedrohungsfaktor für die wilden Otter herauskristallisiert.

Sie in Gefangenschaft zu züchten, sei Krishnasamy zufolge auch nicht ganz einfach. Damit die Jungtiere und ihre Eltern gesund bleiben, benötigen sie hochspezialisierte Nahrung und Impfungen, die Infektionen wie Staupe vorbeugen.

„Das ist nicht, als würde man Kätzchen züchten“, sagt Nicole Duplaix, die an der Oregon State University in Corvallis über die Ökologie der Otter lehrt. Außerdem ist Duplaix die Vorsitzende der Otter-Spezialistengruppe der Weltnaturschutzunion. „Sowas wie Otter-Massenzuchten gibt es nicht.“

Zum Schutz der Tiere haben die meisten südostasiatischen Länder Gesetze erlassen, die den Fang, Verkauf, Besitz und Transport von Ottern illegal machen. Der Zwergotter, der Indische Fischotter und der Haarnasenotter stehen zudem im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), welches den weltweiten Handel mit Wildtieren reguliert. Das bedeutet, dass man für den Export der Tiere eine Genehmigung braucht, die nur erteilt wird, wenn die entsprechende Regierung entscheidet, dass die Entnahme eines Otters aus der Wildnis das Überleben der Art nicht gefährdet.

Einige Länder wollen den internationalen Handel mit bestimmten Otterarten ganz verbieten. Auf dem nächsten großen CITES-Treffen im kommenden Mai werden die Länder über neue Anträge diskutieren, die den Zwergotter und den Indischen Fischotter auf Anhang I des Übereinkommens verschieben sollen. Dadurch würde der internationale kommerzielle Handel mit diesen Arten verboten werden. Der Fischotter steht bereits seit 1977 auf Anhang I.

Trotz solcher Beschränkungen blüht der illegale Handel mit Ottern in den sozialen Medien, durch die zahlreiche exotische Tiere zu immer beliebteren Haustieren werden – von giftigen Spinnen über Großkatzen bis hin zu sprechenden Vögeln. Die Plattformen machen den Verkauf dieser Tiere einfach.

„Der Onlinehandel hat leider unwissentlich dazu beigetragen, dass der Besitz exotischer Haustiere immer beliebter wird, weil es so schwer zu kontrollieren ist, was online passiert“, so Krishnasamy.

Laut der TRAFFIC-Studie stammen die meisten Verkaufsanzeigen auf Facebook aus Indonesien, gefolgt von Thailand auf dem zweiten Platz. (Aus den Philippinen fanden Forscher keine Anzeigen, dafür aber 30 aus Malaysia und Vietnam zusammen.)

In Indonesien und Thailand ist der Besitz exotischer Haustiere „tief in der Kultur verwurzelt“, wie Krishnasamy sagt. Die Verkaufsanzeigen schienen auf lokale Käufer abzuzielen, erzählt sie. Aber die Beschlagnahmungen von Ottern an Grenzübergängen zeigen, dass es auch ein gewisses Maß an internationalem Handel gibt.

Erst letztes Jahr wurde eine Frau am Don Mueang International Airport in Bangkok inhaftiert, weil sie versucht hatte, zehn junge Otter nach Japan zu schmuggeln. Die Beliebtheit von Ottern als Haustiere schießt dort aktuell in ungeahnte Höhen. (Die Tiere erobern Cafés, sind Stars in Reality Shows und werden sogar in einem jährlichen Niedlichkeitswettbewerb miteinander gemessen, der Otter General Election.)

Ein Verkäufer aus den USA, James Lily, schrieb in einer Textnachricht, dass er Otterarten züchtet, die in Südostasien heimisch sind, und dass sie gute Haustiere abgeben. Sie seien verspielt und würden sich sehr wie Hauskatzen verhalten, sagte er.

Aber laut Duplaix sind die Tiere durchaus destruktiv, geben laute Pfeifgeräusche von sich und können aggressiv werden, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Sie vergleicht einen Biss ihrer spitzen Zähne mit der Nadel einer Nähmaschine, die Stoff durchbohrt. „Auch ein Wolfsjunges kann sehr niedlich sein, aber trotzdem wird daraus einmal ein Wolf“, sagt sie. „Das Gleiche gilt für Otter.“

Tom Taylor ist der Programmdirektor der Wildlife Friends Foundation Thailand. Die gemeinnützige Organisation rettet Wildtiere – auch Otter – aus der Haustierhaltung. „Die Zahl der nicht mehr erwünschten Haustiere ist so groß, dass wir nicht mehr hinterherkommen“, schrieb er in einer E-Mail.

Die Haltung als Haustier bekommt den Ottern kaum mehr als den Menschen, so Taylor. In der Wildnis leben diese wasserliebenden Fleischfresser in Familiengruppen von bis zu 15 Tieren. In Gefangenschaft hingegen haben sie oftmals gar keinen Kontakt zu Artgenossen und können höchstens mal in der Badewanne planschen. „Die meisten Otter, die als Haustiere gehalten werden, werden wie Spielzeug behandelt – sie werden an Leinen geführt, tragen Puppenkleidung und bekommen schädliche Nahrung, die eigentlich für Menschen gedacht ist“, sagt Taylor.

Krishnasamy und andere Tierschützer setzen sich für eine bessere Durchsetzung der bestehenden Vorschriften und für strengere Gesetze zum Schutz der Otter ein. In Japan ist es beispielsweise noch legal, Zwergotter zu halten. Laut einem Bericht von TRAFFIC hat auch Indonesien den Verkauf wilder Otter nicht explizit verboten. Derzeit ist ihr Verkauf dort nur illegal, weil das Land keine Quote für legale Verkäufe festgelegt hat.

Duplaix und anderen Tierschützern ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen erfahren, wie schädlich die private Haltung von Ottern für die Tiere ist. Sie formuliert es sehr einfach und deutlich: „Das ist nicht cool.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Tiere und Social Media

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