Diese Auswirkungen hat das Geschlecht auf die Gesundheit

Das Geschlecht einer Person kann anfälliger für einige Krankheiten machen und außerdem das Ausmaß dieser Erkrankungen und die Reaktionen des Körpers auf Medikamente bestimmen.

Published 15. März 2019, 13:11 MEZ, Updated 5. Nov. 2020, 06:20 MEZ
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Einmal abgesehen von den offensichtlichen körperlichen Unterschieden besitzen Männer und Frauen auch geschlechtsspezifische Hormone und Organe. Und sie stehen unter sozialen und kulturellen Einflüssen, die zu signifikanten gesundheitlichen Ungleichheiten führen können. Das bedeutet, dass die Gesundheitsversorgung unter Umständen auch auf die Bedürfnisse von Frauen und Männern unterschiedlich abgestimmt sein muss. Bei diesen sieben Gesundheitsproblemen spielt das Geschlecht durchaus eine Rolle.

Osteoporose

Osteoporose ist eine Erkrankung, die die Knochen schwächt. Von ihr sind in den USA 10 Millionen, in Deutschland rund 6 Millionen Menschen betroffen. 80 Prozent der Patienten sind Frauen. Dieser große Unterschied kommt durch physiologische Gegebenheiten zustande. Frauen haben dünnere, kleinere Knochen und weniger Knochengewebe als Männer. Während eines Großteils des weiblichen Lebens werden ihre relativ zerbrechlichen Knochen von einem hohen Östrogenspiegel geschützt. Dieses primäre weibliche Geschlechtshormon hemmt den natürlichen Abbau der Knochenzellen. In der Menopause sinkt der Östrogenspiegel jedoch signifikant ab, wodurch die Knochen einer Frau zunehmend an Masse verlieren können. Fast die Hälfte aller Frauen über 50 erleidet daher einen Knochenbruch aufgrund von Osteoporose.

Depression

Depression ist bei beiden Geschlechtern einer der Hauptgründe für Arbeitsunfähigkeit. Studien geben jedoch Hinweise darauf, dass Frauen doppelt so häufig darunter leiden wie Männer. Das könnte in Zusammenhang mit der Definition von Depression stehen: Aus gesellschaftlichen Gründen geben Männer seltener zu, unter psychischen Beschwerden zu leiden und wenn man die Diagnose von Depression auch auf Symptome wie Wutausbrüche, Drogenmissbrauch und risikofreudiges Verhalten ausweiten würde, wäre die Statistik vielleicht ausgeglichener. Die Forschung arbeitet außerdem noch an Erkenntnissen darüber, warum manche Erkrankungen wie Epilepsie und Alzheimer anscheinend Depressionen nur bei einem Geschlecht hervorrufen, dem anderen aber nicht.

Autoimmunerkrankungen

Bei Frauen treten Autoimmunerkrankungen – Krankheiten, bei denen das Immunsystem des Körpers fälschlicherweise gesunde Zellen angreift –  mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit auf. Doch obwohl beinahe 80 Prozent der Patienten Frauen sind, treten die Erkrankungen bei Männern mit größerer Intensität und Schweregrad auf. Multiple Sklerose (MS) ist beispielsweise eine Krankheit, die Auswirkungen auf Gehirn und Rückenmark hat und dreimal so viele Frauen wie Männer betrifft. Das lässt darauf schließen, dass Hormone eine wichtige Rolle für das Auftreten spielen. Derzeit wird an dem möglichen Schutz durch das männliche Hormon Testosteron geforscht. 

Herzerkrankungen

Herzerkrankungen sind die Todesursache Nummer eins für beide Geschlechter, wobei jedoch Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit ihren ersten Herzinfarkt nicht überleben. Eine Erklärung dafür liegt darin, dass sich ihre Symptome unter Umständen anders äußern können. Einige Frauen erleben keine heftigen Brustschmerzen, die als klassischer Indikator für einen Herzinfarkt gelten, wodurch sie sich auch nicht um die medizinische Versorgung kümmern, die sie in diesem Fall dringend benötigen würden. Im Durchschnitt haben Männer ihren ersten Herzinfarkt sieben Jahre früher als Frauen. Das könnte daran liegen, dass Frauen einen höheren Östrogenspiegel besitzen, der das Cholesterin im Zaum hält.

Schlaganfall

Die plötzliche Blockade des Blutflusses zum Gehirn befällt jährlich in den USA 55.000 mehr Frauen als Männer. Der sich verändernde Östrogenspiegel im weiblichen Körper ist ein zusätzlicher Risikofaktor, der in der Regel mit der Fortpflanzung zusammenhängt. Die Antibabypille, Schwangerschaft, Menopause und Hormonersatztherapien verursachen Schwankungen im Östrogenspiegel, die das Risiko für ein Gerinnsel und daraus erfolgendem Schlaganfall erhöhen können. Aus bislang ungeklärten Gründen scheinen sich selbst genetische Vorbelastungen unterschiedlich auszuwirken, da Frauen mit einer Familiengeschichte von Schlaganfällen zwei- bis dreimal so häufig selbst einen Schlaganfall erleiden wie Männer mit ähnlicher Vorbelastung. Schlaganfälle scheinen bei Frauen außerdem ausgeprägter zu sein und Frauen versterben häufiger an ihnen als Männer. 

Parkinson-Krankheit

Diese degenerative neurologische Erkrankung befällt rund 50 Prozent mehr Männer als Frauen und das Östrogen könnte einer der vielschichtigen Gründe dafür sein. Östrogen ist bekannt für seine Wirkung als Antioxidans und schützt neurologische Funktionen vor Neurotoxinen, die freie Radikale aussenden. Parkinson wirkt sich außerdem auf Männer und Frauen unterschiedlich aus. Frauen entwickeln oft die Tremor-Variante der Krankheit, die tendenziell langsamer voranschreitet und Patienten eine bessere Lebensqualität gewährleistet.

Krebs

Bei einem von zwei Männern, aber nur einer von drei Frauen tritt Krebs auf, wobei die Männer die Erkrankung außerdem mit geringerer Wahrscheinlichkeit überleben. Das könnte zum Teil mit dem Lebensstil zusammenhängen, da gewisse Faktoren wie Alkoholkonsum, der Genuss fettiger Speisen und das Inhalieren karzinogener Stoffe durch das Rauchen von Zigaretten bei Männern stärker ausgeprägt sind als bei Frauen. Außerdem gehen Frauen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen, die die Krankheit früher erkennen können, was ihre Überlebenschance deutlich steigert. Abgesehen davon zeigte auch eine Studie über 13 verschiedene Krebsarten, die Männer und Frauen befallen, dass 53 Prozent der verantwortlichen Gene geschlechtsabhängige Signaturen aufwiesen. Daraus lässt sich schließen, dass das Geschlecht ein Faktor sein könnte. Generell sterben Männer mit einer 6 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit am Krebs als Frauen, gleich um welche Art es sich handelt.

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Dieser Inhalt wurde von unserem Partner bereitgestellt. Er spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von National Geographic oder seinen Redaktionsmitarbeitern wider.

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