Wissenschaft

Gesund altern: Fünf chronische Krankheiten, die es zu besiegen gilt

Die weltweite durchschnittliche Lebenserwartung liegt mittlerweile bei 72 Jahren, aber viele Menschen könnten im Alter an einer oder gar mehreren chronischen Erkrankungen leiden. Freitag, 3 Mai

Von Jon Heggie

Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Zukünftig könnte die Erhöhung der Lebenserwartung aber vielleicht nicht mehr unser größtes gesundheitliches Anliegen sein. Die weltweite durchschnittliche Lebenserwartung liegt mittlerweile bei 72 Jahren, aber viele Menschen könnten im Alter an einer oder gar mehreren chronischen Erkrankungen leiden. Um nicht nur ein längeres, sondern auch ein gesünderes Leben führen zu können, müssen wir fünf bedeutende Erkrankungen besiegen, die vor allem im Alter auftreten.

Altersabhängige Makuladegeneration

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) zählt zu den verbreitetsten Ursachen für Sehbehinderungen oder Blindheit in den Industrieländern. Das zentrale Sehfeld leidet dabei unter einer Trübung oder Verzerrung. Im Laufe der Zeit kann der betroffene Bereich wachsen, sodass mitunter Flecken im Sichtfeld entstehen. In Großbritannien liegt die Betroffenenrate ab einem Alter von 60 Jahren bei einem von 200 Menschen. Bis zum Alter von 80 Jahren steigt die Häufigkeit auf einen von acht Menschen an. Die Prävalenz der Erkrankung ist bei Menschen mit europäischer Abstammung am höchsten. Es gibt zwei Formen der AMD. Die feuchte AMD entsteht durch ein abnormales Wachstum von Blutgefäßen, ist aber behandelbar, wenn sie schnell erkannt wird. Die trockene AMD schreitet deutlich langsamer voran, da der Körper aufhört, abgestorbene Zellen der Netzhaut zu ersetzen. Derzeit gibt es für diese AMD-Form noch keine Heilungsmöglichkeit. Den meisten AMD-Betroffenen bleibt zumindest ein Teil ihres peripheren Sichtfelds erhalten. Trotzdem sind die Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Die Erkrankten benötigen oft psychologische Betreuung und müssen sich neue Fähigkeiten antrainieren, um mobil und selbstständig zu bleiben. Auch am Arbeitsplatz sind oft Anpassungen vonnöten. Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2020 etwa 166 Millionen Menschen von AMD betroffen sein, bis 2040 sogar schon 288 Millionen.

Osteoporose

Ab einem Alter von etwa 35 Jahren beginnt die Knochendichte abzunehmen, sodass die Knochen zerbrechlicher werden. Die häufigste Form der Knochenerkrankung, die Osteoporose, betrifft 200 Millionen Menschen und verursacht pro Jahr etwa neun Millionen Knochenbrüche – einen alle drei Sekunden. Osteoporose kann jeden treffen, aber am häufigsten tritt sie bei Frauen nach der Menopause auf, da sie ohnehin eine geringere Knochendichte haben und zusätzlich vom plötzlichen Wegfall des schützenden Östrogens betroffen sind. Eine von drei Frauen über 50 wird sich einen osteoporosebedingten Knochenbruch zuziehen. Auch wenn man Osteoporose selbst nicht spüren kann, können die dadurch entstehenden Knochenbrüche verheerende persönliche und finanzielle Folgen haben, beispielsweise chronische Schmerzen, dauerhafte körperliche Einschränkungen, sekundäre Gesundheitsprobleme und sogar den Tod. Nach dem ersten Bruch steigt das Risiko für weitere Brüche. In einer Bevölkerung, die immer älter wird, könnte Osteoporose zu einer weltweiten Epidemie werden. 

Arthrose

Osteoarthritis oder auch Arthrose ist die Hauptursache für körperliche Aktivitätseinschränkungen bei erwachsenen US-Amerikanern. Fast zehn Prozent der weltweiten Bevölkerung über 60 Jahren sind davon betroffen. Im Laufe unseres Lebens nutzt sich das Knorpelgewebe, das unsere Gelenke schützt, immer weiter ab. Für gewöhnlich wird es vom Körper regeneriert. Bei Arthrose zersetzt sich das Knorpelgewebe allerding, sodass die Gelenke schmerzen und versteifen. Im Endstadium der Erkrankung reiben die Knochen schließlich direkt aneinander, sodass sich die Form des Gelenks verändert. Das Ergebnis sind oft große Schmerzen, die zu Mobilitätseinschränkungen führen und das Erledigen alltäglicher Aufgaben schwierig gestalten. Arthrosebedingte Arbeitsausfälle kosten die US-Wirtschaft pro Jahr schätzungsweise 100 Milliarden Dollar. Aktuell gibt es keine Heilungsmöglichkeit für diese Langzeiterkrankung. Einige Behandlungsmethoden oder Veränderung im Lebensstil können die Krankheit jedoch verlangsamen. Man vermutet, dass degenerative Gelenkserkrankungen wie Arthrose bis 2050 mindestens 130 Millionen Menschen betreffen und eine Menge Ressourcen aus den Gesundheitssystemen binden werden.

Demenz

Obwohl Demenz oft als altersbedingte Erkrankung gilt, ist sie kein natürlicher Alterungsprozess, sondern ein Sammelbegriff für Hirnschäden, die durch Herzinfarkte oder Krankheiten wie Alzheimer entstehen. Die Symptome gehen weit über Erinnerungsverlust hinaus und beinhalten den chronischen und progressiven Verfall der geistigen Schärfe, der Sprachkompetenz, des Verständnisses, des Urteilsvermögens, der Motivation und der Bewegungsfähigkeit. Betroffene sind irgendwann selbst normalen Alltagsaktivitäten nicht mehr gewachsen. Eine Heilmöglichkeit ist derzeit nicht bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation hat Demenz zu einer weltweiten Priorität in Sachen Gesundheit erklärt, da sie bereits 50 Millionen Menschen betrifft. Schätzungen zufolge wird diese Zahl bis 2030 auf 82 Millionen steigen und bis 2050 schon die 150-Millionen-Marke erreicht haben. Aufgrund der schier übermächtigen Natur der Erkrankung ist sie zu einer führenden Ursache für Erwerbsunfähigkeit und Abhängigkeit von Pflegekräften geworden, die verheerende körperliche, emotionale und wirtschaftliche Folgen für Betroffene sowie Familien, Freunde und die Gesellschaft hat. Aktuell kostet Demenz 818 Millionen Dollar pro Jahr – 1,1 Prozent des Weltbruttoprodukts. Durch die steigenden Kosten und die alternde Bevölkerung könnte die Erkrankung die weltweiten Gesundheitssysteme bald kritisch belasten. 

Typ-2-Diabetes

Obwohl Diabetes jeden treffen kann, steigt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung mit dem Alter. Mittlerweile sind etwa 420 Millionen Menschen betroffen – viermal so viele wie noch vor 40 Jahren. Bei etwa 90 Prozent der Fälle handelt es sich um Typ-2-Diabetes, bei der der Körper sein Insulin nicht effektiv genug nutzt, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Zu den Symptomen zählen übermäßige Urinproduktion, konstanter Hunger und Durst, Gewichtsverlust, Sehprobleme und Erschöpfung. Im Laufe der Zeit kann es zu Schäden an Herz, Blutgefäßen, Augen, Nieren und Nerven kommen. Dadurch steigt das Risiko eines Herzinfarkts, eines Nierenversagens, einer Infektion, Blindheit oder einer Amputation signifikant. Typ-2-Diabetes steht auf der Liste der häufigsten Todesursachen auf dem siebten Platz. Obwohl die Erkrankung gut behandelt und durch eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung sogar verhindert werden kann, tritt sie zunehmend häufiger auf, insbesondere in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen. In den USA rechnet man bis 2030 sogar mit einem 54-prozentigen Anstieg der Erkrankungen.

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Dieser Inhalt wurde von unserem Partner bereitgestellt. Er spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von National Geographic oder seinen Redaktionsmitarbeitern wider.

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