Rohstoffknappheit: Gibt es 2050 erste Minen auf dem Mond?

Auf dem Mond gibt es wertvolle Rohstoffe, die uns auf der Erde von großem Nutzen sein könnten. Doch wie können diese Rohstoffe abgebaut werden? Und wäre der Gewinn eine reale Möglichkeit gegen die Rohstoffknappheit auf der Erde?

Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 3. Aug. 2022, 08:40 MESZ
Teilnaufnahme der Mondoberfläche.

Unter der Oberfläche des Mondes liegen wertvolle Rohstoffe wie Silizium oder Gold verborgen. Ob die Rohstoffknappheit der Erde mit Stoffen vom Mond ausgeglichen werden kann und wie dieses Szenario in der Realität aussehen könnte, berechneten Teilnehmende des diesjährigen Space Station Design Workshops.

Foto von NASA / Unsplash

Eine Mondbasis, die automatisiert Silizium abbaut und eine Raumstation, die daraus Solarpanels baut, um Energie für die Erde zu generieren – das klingt zunächst nach einem fernen Zukunftsszenario. Jedoch: Bereits 2050 könnte es laut der Ergebnisse des diesjährigen Space Station Design Workshops (SSDW) tatsächlich eine solche Konstruktion zur Rohstoffgewinnung auf dem Mond geben.

Das Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart lädt seit über 25 Jahren regelmäßig zu Workshops ein, die sich um kreative Zukunftstechnologien für den Weltraum drehen und an denen internationale Studierende und Young Professionals teilnehmen können. In diesem Jahr entwarfen die 40 Teilnehmenden in zwei Teams eine Raumstation und eine Mondbasis mit dem Ziel, eine innovative, futuristische Lösung für die Rohstoffknappheit der Erde zu finden – und zwar auf dem Mond. 

Minen auf dem Mond – ein realistisches Vorhaben?

Dass wertvolle Rohstoffe auf dem Erdtrabanten existieren, ist kein Geheimnis: Der Wettlauf um beliebte Ressourcen wie Silizium, Gold oder auch Platin hat längst begonnen. Nicht nur Forschungsteams – wie die Workshop-Teilnehmenden an der Universität Stuttgart – sondern auch Staaten und Großkonzerne haben den Mond im Visier. Doch wie könnten in Zukunft Rohstoffe auf dem Mond abgebaut und weiterverarbeitet werden?

Theia-Hypothese: Die Entstehung des Mondes
Einst hatte die Erde wohl einen Schwesterplaneten: Theia. Die beiden Körper kollidierten miteinander und aus ihren Trümmern ging der Mond hervor. Szenen aus „One Strange Rock“.

Wie sich dieses Szenario realistisch umsetzen lassen könnte, erarbeiteten die Teilnehmenden des diesjährigen SSDW innerhalb einer einwöchigen Projektzeit. Während eines der Teams – Team Rot – eine Raumstation namens Lumo auf einer genau berechneten Mondumlaufbahn entwarf, die der Dreh- und Angelpunkt aller Rohstoffabbau-Vorhaben auf dem Mond sein würde, entwickelte ein anderes Team – Team Blau – die Mondbasis namens H.A.D.E.S – Habitable Autonomous Dirt Extraction System, die für den Siliziumabbau zuständig wäre. 

Teure Rohstoffgewinnung 

Die internationalen und interdisziplinären Teams kamen zu den Ergebnissen, dass die vollautomatische Raumstation Lumo bereits 2040 fertiggestellt sein könnte und die sich selbst erhaltende Mondbasis H.A.D.E.S. im Jahr 2050 in Betrieb genommen werden könnte – und das zumindest bis 2100.

750 Quadratmeter Solarpanels könnte Lumo pro Jahr produzieren – ohne menschliches Eingreifen, lediglich mithilfe von Robotern. Team Rot stattete die Raumstation außerdem mit speziellen Satelliten aus, die Solarenergie in Mikrowellen umwandeln, die sie dann wiederum zur Erde schicken, um dort die Energieversorgung zu sichern. Die Mondbasis H.A.D.E.S. kann sich laut Team Blau nicht nur selbst erhalten, sondern trägt außerdem hauptsächlich zur Rohstoffgewinnung auf dem Mond bei.

So ambitioniert die Vorhaben der Workshop-Gruppen klingen, so hoch sind auch die Summen, die für eine reale Umsetzung dieses Projekts anfallen würden: Die Kosten für die Mondbasis samt Minen sowie die Raumstation schätzten die Teilnehmenden jeweils auf einen Betrag im zweistelligen Milliardenbereich. Ein hoher Preis für 50 weitere Jahre der Rohstoffgewinnung mit unüberschaubaren Folgen – den aber vermutlich so mancher Milliardär bereit wäre zu zahlen.

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