Auf der eiligen Suche nach der Ur-Banane

Forschende suchen nach den wilden Vorfahren der Banane. Die Erkenntnisse sollen helfen, zukünftige Ernten zu retten. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 21. Okt. 2022, 08:39 MESZ
Ein Büschel Bananen an einer Staude.

Über 5,2 Millionen Hektar Bananenplantagen gibt es heute weltweit – das entspricht der eineinhalbfachen Größe Baden-Württembergs. Forschende gingen nun der Frage nach den Ursprüngen der Frucht nach.

Foto von Keng Muansuk / Unsplash

Ob im Müsli, als Banana-Split oder einfach frisch geschält: Die Deutschen lieben Bananen. Und sie verspeisen sie in großen Mengen: durchschnittlich 11,6 Kilogramm werden hierzulande jährlich pro Kopf verzehrt – das sind zwei Kilogramm mehr als Nudeln. 

Doch ein sich rasant ausbreitender Pilz namens Fusarium Tropical Race 4 (TR4) bedroht den Anbau der dominierenden Bananensorte Cavendish. Davor, dass die Bananensorte – ebenso wie ihre Vorgängerin um das Jahr 1950 – einem Pilzerreger erliegt, sorgt sich die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FOA) bereits seit Jahren. Verheerend wäre dies vor allem in Bezug auf die wegfallende Ernährungssicherheit und Lebensgrundlage von Millionen Menschen. 

Ein Gegenmittel gibt es bislang nicht. Und so wird nun unter Hochdruck nach Wegen gesucht, den zukünftigen Anbau zu sichern. Um die Geschichte der Pflanze mitsamt ihrer Früchte besser zu verstehen, machten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich, Belgien und Papua-Neuguinea mit ihrer Studie auf die Suche nach den wilden Vorfahren der Beerenfrucht. Die neuen Erkenntnisse könnten hilfreich für das zukünftige Züchten resistenter Bananensorten sein. 

Geretteter Flughund ist Bananen-Fan
23. November 2017 – Das ist Miss Alicia. Alicia ist ein Flughund, der im australischen Queensland gerettet wurde. Sie wurden von einem Auto angefahren und musste rehabilitiert werden. Allerdings war nichts gebrochen und alle vier Gliedmaßen funktionierten noch. Alicia wird wohl wieder vollständig genesen. Flughunde ernähren sich von Obst, Nektar und Blumen. Und Alicia liebt Bananen.

Die Suche nach drei mysteriösen Vorfahren 

Sicher ist, dass die meisten der über tausend Variationen auf die vorherrschende wilde Musa acuminata zurückzuführen sind. Sie kommt von Australien bis Indien vor. Doch laut der Studie diskutiert die Wissenschaft seit jeher über die zweifelhaften Klassifizierungen und die unklaren Grenzen zwischen den verschiedenen Arten und Unterarten.

Für die Studie sequenzierten die Forschenden also DNA aus insgesamt 226 Blattextrakten verschiedener wilder und domestizierter Bananenpflanzen – etwa aus Indonesien oder Neuguinea. Bekannt war bereits, dass die Frucht erstmals vor etwa 7.000 Jahren in Neuguinea domestiziert wurde. Damals war die Beerenfrucht noch nahezu ungenießbar und übersät mit großen, schwarzen Samen.

Die untersuchten Proben wurden durch die weltweit größte Sammlung von Bananenarten von Bioversity International und CIAT zur Verfügung gestellt. Aus ihnen wurden Stammbäume entwickelt und Messungen bezüglich des Verwandtschaftsgrads diverser Bananenarten durchgeführt. 

Anhand dieser Analysen gelang es dem Team um Erstautorin Julie Sardos nun erstmals, im Genom sämtlicher Proben Spuren dreier bislang unbekannter Ur-Bananen auszumachen. „Mindestens drei wilde, mysteriöse Vorfahren müssen vor Tausenden von Jahren zu diesem Genom beigetragen haben, konnten jedoch noch nicht identifiziert werden“, sagt Sardos. Die fehlende Kenntnis über diese Arten könne etwa dadurch begründet werden, dass die Pflanzen bereits ausgestorben sind. „Aber unsere persönliche Überzeugung ist, dass sie immer noch irgendwo in freier Wildbahn leben, entweder von der Wissenschaft schlecht oder überhaupt nicht beschrieben“, so Sardos.

Wichtige Erkenntnisse für die Bananenzucht 

Zwar wissen Sardos und ihr Team noch nicht, welche Bananenpflanzen sie suchen – aber die Forschungen verrieten, wo diese ungefähr zu finden sind. Danach müsste das Trio der mysteriösen Vorfahren aus drei Regionen stammen: zwischen Borneo und den Philippinen, zwischen dem Golf von Thailand und dem Westen des Südchinesischen Meeres und von der Insel Neuguinea.

Ebenso ist bislang unbekannt, inwiefern die ursprünglichen Arten zur Entwicklung domestizierter Bananen beigetragen haben. Diesbezügliche weiterführende Forschungen könnten der Zukunft der Banane, wie wir sie heute kennen, zugute kommen. Nicht zuletzt deshalb stellt die Studie einen grundlegenden Schritt für den Fortbestand der Frucht dar. 

„Die Identifizierung der Vorfahren kultivierter Bananen ist wichtig, da sie uns helfen wird, die Prozesse und Wege zu verstehen, die die heute beobachtete Bananenvielfalt geformt haben”, sagt Mathieu Rouard, der an der Studie beteiligt war. Dies wäre zudem ein entscheidender Schritt für die Bananenzüchtung der Zukunft.

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