Studie: Das sind die umweltfreundlichsten Lebensmittel

Umweltbewusste Ernährung ist gar nicht so schwer: Das ifeu-Institut hat den ökologischen Fußabdruck von 200 Nahrungsmitteln ermittelt – mit teils überraschenden Ergebnissen.

Veröffentlicht am 12. Apr. 2022, 11:32 MESZ
Frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. Die Auswahl an Obst und Gemüse ist riesig. ...

Die Auswahl an Obst und Gemüse ist riesig. Die Umwelt- und Klimabilanz hängt oft weniger am Produkt als an Anbau, Transport und Verpackung.

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Was haben Apfel, Erdbeere und Pfirsich gemeinsam? Frisch geerntet zählen sie zu den klimafreundlichsten Lebensmitteln, die man in deutschen Supermärkten kaufen kann. Als Neuseeland-Apfel, Winter-Erdbeere oder Dosen-Pfirsich haben sie dagegen allesamt eine miserable Klimabilanz.

Zu diesem Schluss kommt das ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg). In einer Studie hat es den ökologischen Fußabdruck von 200 alltäglichen Lebensmitteln ermittelt. Welches Essen ist besonders gut für Klima und Umwelt? Häufig ist es mehr die Hülle als der Inhalt.

„Bei unseren Lebensmitteln im Supermarkt hängt die Umwelt- und Klimabilanz oft weniger am Produkt, als daran, wo und wie diese Produkte angebaut und danach transportiert und verpackt wurden“, sagt Studienleiter Guido Reinhardt. Das ifeu hat dazu verschiedene Produktgruppen untersucht, darunter zum Beispiel Obst, Gemüse oder Fleisch- und Milchprodukte.

Welche Lebensmittel sind besonders umweltfreundlich?

Eine Flug-Ananas etwa schneidet demnach 25 Mal schlechter ab als dieselbe Frucht, die mit dem Schiff nach Deutschland kommt. Ähnlich verhalte es sich oft bei heimischem Gemüse. Wenn zum Beispiel Champignons oder Bohnen frisch im Gemüseregal liegen, sind sie deutlich besser für Umwelt und Klima als eingepackt in Glas oder Dose.

„Die Einwegverpackung aus Metall oder Glas hat in vielen Fällen einen größeren Klimaeffekt als das eigentliche Lebensmittel. Das gilt auch für viele Getränke wie Wein und Bier“, so Reinhardt.

Natürlich spielt es aber auch eine Rolle, wo Lebensmittel angebaut werden: Wenn tropische Regenwälder für den Anbau von Palmöl gerodet oder wie in Deutschland Moore für die Landwirtschaft zerstört werden, verschlechtern sich die Klimagasbilanzen laut ifeu-Studie erheblich.

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Ist Bio immer besser?

Viele Menschen halten Bioprodukte insgesamt für klimafreundlicher als konventionell erzeugte Lebensmittel. Das stimmt aber nicht immer. Überraschend sei, dass Fleisch, Milch und Eier aus Biolandwirtschaft beim Klimaeffekt manchmal schlechter dastehen als tierische Produkte aus konventioneller Landwirtschaft.

Nach Worten des ifeu liegt das daran, dass Biobetriebe mehr Fläche benötigen, weil sie geringere Erträge erwirtschaften. Das könne zu stärkeren CO2-Emmisisionen führen. Die etwas höheren Werte würden aber durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und größere Artenvielfaltviel mehr als wettgemacht. „Hier zeigt sich, dass der alleinige Blick auf die CO2-Emissionen nicht die ganze ökologische Wahrheit sagt“, so Reinhardt.

Die CO2-Bilanz ist zwar ein wichtiges Kriterium, um die Klimafreundlichkeit von Lebensmitteln bewerten zu können. Für den gesamten ökologischen Fußabdruck spielen aber auch andere Faktoren wie die benötigten Düngemittel, die Größe der Anbaufläche oder der Wasser- und Energiebedarf eine Rolle. Reinhardt nennt ein Beispiel: „Rind und Reis haben nicht nur einen hohen Klimaeffekt, sondern benötigen für die Erzeugung zusätzlich sehr viel Dünger und Wasser.“

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Wie klimaschädlich ist Fleisch?

Grundsätzlich haben Fleisch und andere tierische Produkte eine deutlich schlechtere Klimabilanz als pflanzliche Lebensmittel. Der CO2-Fußabdruck gibt an, welche Menge an klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid bei der Herstellung der gleichen Menge eines Produktes entsteht.

So fallen bei der Produktion von einem Kilo Rindfleisch durchschnittlich 13,6 Kilo CO2 an, bei Hähnchen 5,5 Kilo und bei Schwein 4,6 Kilo. Bei Eiern sind es 3,0 Kilo. Zum Vergleich: Bei der Produktion von einem Kilo Karotten werden nur 0,1 Kilo CO2 frei.

Das Fazit der ifeu Studie ist eindeutig: Frische, saisonal und regional angebaute sowie möglichst unverpackte Lebensmittel sind meist deutlich umwelt- und klimafreundlicher als außerhalb der Saison importierte Waren aus fernen Ländern. Pflanzliche Lebensmittel sind so gut wie immer klima- und umweltfreundlicher als tierische Produkte.

CO2-Fußabdruck: Die Top 5 der klimafreundlichsten Lebensmittel

Platz 1: Karotten und Weißkohl

Der erste Platz der klimafreundlichsten Lebensmitteln geht an Karotte und Weißkohl. Frisch und unverpackt haben sie den niedrigsten CO2-Fußabdruck von allen 200 untersuchten Lebensmitteln: Bei der Produktion von einem Kilo Gemüse entstehen 0,1 Kilo CO2.

Platz 2: Weitere Obst- und Gemüsesorten

Wer weder Weißkohl noch Möhren mag, kann bedenkenlos bei vielen anderen heimischen Obst- und Gemüsesorten zugreifen. Ob Apfel oder Erdbeere, Brokkoli oder Lauch, Zucchini oder Spinat, Kartoffeln oder Kürbis: Frisch haben alle einen CO2-Fußabdruck von höchstens 0,3 Kilo. Auch Blattsalat und Rucola schneiden zum Beispiel gut ab.

Platz 3: Milchersatzdrinks

Bei der Herstellung von Pflanzenmilch aus Hafer oder Dinkel oder Mandeln (0,3 Kilo CO2) wird deutlich weniger CO2 freigesetzt als bei der Produktion von Kuhmilch (durchschnittlich 1,5 Kilo). Achtung bei der Mandelmilch: Der Herstellung verschlingt oft Unmengen an zusätzlichem Wasser, da Mandeln meist in ohnehin trockenen Regionen wie Kalifornien angebaut werden.

Am besten für Klima und Umwelt: Frisches, saisonal und regional angebautes Obst und Gemüse – wenn möglich in Bio-Qualität.

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Platz 4: Brot und Getreideprodukte

Mit 0,6 Kilo CO2 zählt auch Brot zu den klimafreundlichen Lebensmitteln. Gleiches gilt für andere Getreideprodukte wie Nudeln oder Bulgur. Übrigens: Landen tierische Produkte wie Butter (etwa 10 Kilo) oder Käse (im Schnitt 7,2 Kilo) auf der Stulle, sieht es direkt deutlich schlechter aus.

Platz 5: Pflanzliche Proteinquellen

Soja, Linsen oder Nüsse zählen zu beliebtesten pflanzlichen Proteinlieferanten. In der Klimabilanz sind sie tierischen Produkten weit überlegen. Bei der Produktion von getrockneten Linsen fallen pro Kilo beispielsweise 1,3 Kilo CO2 an, bei Erdnüssen nur 0,8 Kilo.

Veggie-Burger liegen im Trend: Pattys auf Soja- oder Erbsenbasis haben mit etwa 1,5 Kilo CO2 eine viel bessere Ökobilanz als Rinder-Buletten mit rund 9,0 Kilo. Noch klimabewusster ist Sojagranulat (1,0 Kilo) statt Rinderhackfleisch (9,2 Kilo).

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