Auf diesem kroatischen Inselparadies lebt die Antike weiter

Die Einwohner der Insel Hvar bewirtschaften ihre Olivenhaine und Weinreben noch immer wie die ersten griechischen Kolonisten im 4. Jahrhundert v. Christus.Donnerstag, 22. Februar 2018

Jeden Sommer und Herbst ernten die Bewohner der kroatischen Insel Hvar die Pflanzen der fruchtbaren Ebene vor der Ortschaft Stari Grad. Mit einer Sense mähen sie Kräuter und Lavendel für Tinkturen und zahllose Beutel Potpourri, während Bienen zwischen den verführerischen, erdigen Aromen umhersurren. In den Hainen sammeln sie Oliven, aus denen sie das grüne Dalmatinische Olivenöl pressen. Mit Körben und Werkzeugen ernten sie die Trauben für Rot- und Weißwein von den Weinreben. Unter dem tiefblauen Himmel folgen die Inselbewohner diesem saisonalen Rhythmus schon seit Jahrtausenden. Zuverlässig wie ein Metronom bestellen sie das alte Gitternetzwerk aus Feldern zwischen den Bergen und der Adria, das von brusthohen Bruchsteinmauern unterteilt wird.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Bauern auf Hvar – das zwei Fährstunden vom Festlandhafen in Split entfernt liegt – an das immer gleiche System für die Unterteilung des Landes gehalten und pflegen viele der alten Anbautechniken noch heute. 2008 wurde die Ebene von Stari Grad deshalb zum Welterbe erklärt. Es ist mehr als nur eine archäologische Stätte. Dort leben authentische Landwirtschaftspraktiken der Antike weiter, die nach wie vor funktionieren. Die Ebene ist der UNESCO zufolge „eine Kulturlandschaft, die seit ihrer ersten Kolonisation durch die Griechen von Paros im 4. Jahrhundert v. Chr. praktisch intakt erhalten geblieben ist“.

Von dem Moment an, da die griechischen Kolonisten vor der adriatischen Insel vor Anker gingen, war klar, dass es mehr als nur ein kurzer Zwischenstopp werden würde. Im Jahr 384 v. Chr. gründeten sie die Stadt Pharos, das heutige Stari Grad (kroatisch für Alte Stadt). Die neuen Einwohner begannen mit der Kultivierung der nahegelegenen Ebene, die sich auf einer Fläche von knapp 1.400 Hektar erstreckt. Ihre Planung war akribisch: Weinreben und Olivenbäume wurden auf rechtwinkeligen, unterteilten Flächen angepflanzt. Sie bauten Zisternen, um das Regenwasser aufzufangen, und errichteten ein Verteidigungssystem mit Wachtürmen, die über Rauchsignale miteinander kommunizierten.

Auf der Ebene wurden insgesamt über 120 archäologische Funde identifiziert, die sich Besucher jederzeit ansehen können. Touristen können den Pfaden und den mittelalterlichen Pflastersteinstraßen bis zu den Überresten antiker Gebäude folgen und dabei das durchqueren, was die Archäologin Ivana Protulipac als „den besterhaltenen griechischen Kataster im Mittelmeerraum“ bezeichnet. Auch geführte Touren durch die einzelnen Parzellen sind empfehlenswert. Hvar Life kombiniert beispielsweise eine Radtour mit einem Geschichtswissenschaftler und eine Weinverkostung in einem örtlichen Familienbetrieb.

„Die Ebene von Stari Grad ist für mich wichtig, weil es ein Ort ist, der seit 2.400 Jahren lebendig ist“, sagt Frančesko Duboković, der für den Schutz und die Entwicklung verantwortliche Manager der Welterbestätte. „Aber es ist mehr als nur eine Touristenattraktion. Die Ebene ist für Touristen wichtig, weil sie dort erleben können, wie wichtig die Landwirtschaft für das Leben auf dieser Insel war und noch immer ist.“

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