Arsenpille & Bleipuder: Die Geschichte des giftigen Make-ups

Was sich unsere Vorfahren ins Gesicht schmierten, würden wir heute kaum ohne Schutzkleidung anfassen. Dienstag, 3. Dezember 2019

Woraus besteht heutzutage eigentlich Lippenstift? Der Großteil der Zutaten ist recht unspektakulär: Öle, Wachse und Farbstoffe. Je nachdem, welche Marke man kauft, könnte allerdings der Farbstoff Karmin enthalten sein, der aus zermahlenen Insekten gewonnen wird, genauer gesagt der Cochenilleschildlaus. Im Vergleich zu einigen Zutaten, die in der Vergangenheit für die Herstellung von Kosmetika verwendet wurden, ist das aber noch recht harmlos.

Ägypten: Bleikajal mit Immunboost

Die Darstellungen von Kleopatra fallen durch die großzügige Verwendung von Eyeliner auf. Allerdings war sie nicht die einzige Ägypterin, die auffälliges Make-up verwendete. Alle Männer und Frauen im alten Ägypten schminkten ihre Augen mit grünen und schwarzen Pudern. Neben Sonnenschutz lieferte das Make-up angeblich auch Schutz vor Krankheiten.

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Auf gewisse Weise stimmte das eventuell sogar. Der schwarze Kajal und andere Puder enthielten Bleisalz. In einer Studie aus dem Jahr 2010 argumentierten französische Forscher, dass diese Salze die körpereigene Produktion von Stickstoffmonoxid anregen und damit das Immunsystem des Trägers stimulieren. So könnten beispielsweise Augeninfektionen verhindert werden.

Das bedeutet aber definitiv nicht, dass wir anfangen sollten, uns die Augen mit Blei zu schminken. Die alten Ägypter schafften es damals nur selten über ihre Dreißiger hinaus. Hätten sie so lange gelebt, wie es viele Menschen heutzutage tun, hätten sie durch die längere Bleibelastung wahrscheinlich gesundheitliche Schäden davongetragen, sagte die Epidemiologin Jennifer Weuve gegenüber „Science“.

England: Die Geister des Saturn

Schon die Frauen des Römischen Reichs nutzten Bleipuder, um ihr Gesicht aufzuhellen. Im 16. Jahrhundert taten die englischen Adeligen im Grunde genau dasselbe. Eine besonders berühmte Anwenderin war Königin Elisabeth I., die mit dem Make-up auch ihre Pockennarben verdeckte.

Die Mischung aus Blei und Essig, die Elisabeth verwendete, war unter den Begriffen „Venetian ceruse“ oder „Spirits of Saturn“ (dt. Geister des Saturn) bekannt. Sie hat zwar dazu beigetragen, den Teint der Trägerin ebenmäßig zu gestalten – aber langfristig sorgte sie auch dafür, dass die Haut an Farbe verlor, die Zähne verfaulten und Haare ausfielen.

USA: Leichenblässe dank Arsen

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in US-amerikanischen Zeitungen dünne Waffeln beworben, deren Verzehr angeblich Sommersprossen, Pickel und andere Hautunregelmäßigkeiten beseitigen sollte. Dieses Produkt enthielt pures Gift, aber das war kein Geheimnis, sondern ein Verkaufsargument, das direkt auf der Verpackung der „Arsenic Complexion Wafers“ angepriesen wurde.

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Schon während des Viktorianischen Zeitalters war bekannt, dass Arsen giftig ist. Trotzdem schienen einige Menschen zu glauben, dass es in kleinen Mengen schon nicht schaden würde. Auch wenn der menschliche Körper Arsen tatsächlich in geringen Mengen tolerieren kann, stellt die Einnahme ein ernsthaftes Risiko dar. Für die vornehme „Leichenblässe“ schienen die Damen das aber gern auf sich zu nehmen.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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