Australiens legendäre Untergrund-Stadt der Opaljäger

Unter dem sengenden Wüstenboden haben europäische Auswanderer eine Stadt ins Gestein getrieben, um nach einem der wertvollsten Schmucksteine der Welt zu suchen.

Thursday, September 10, 2020,
Von Alexa Keefe, Mallory Benedict
Bilder Von Tamara Merino
Gabriele Gouellain, eine deutsche Migrantin, wartet in der Küche auf die Rückkehr ihres Mannes aus der ...

Gabriele Gouellain, eine deutsche Migrantin, wartet in der Küche auf die Rückkehr ihres Mannes aus der Grube. Nach Angaben des Bezirksrats von Coober Pedy stammen etwa 60 Prozent der Einwohner der Stadt ursprünglich aus Europa. Sie sind nach dem Zweiten Weltkrieg in das Gebiet eingewandert.

Bild Tamara Merino

Coober Pedy ist eine kleine Stadt im südaustralischen Outback. Der nächste Ort ist mehr als 800 Kilometer entfernt. Die Landschaft ist weitläufig, flach und trocken. Im Sommer kann die Hitze im Schatten bis zu 45 °C erreichen und das gesamte Gebiet wird eine heiße, trostlose Einöde. Teile des postapokalyptischen Films „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ wurden dort gedreht.

Die Fotografin Tamara Merino Die Fotografin Tamara Merino entdeckte die Stadt zufällig, als sie bei einer Fahrt durch die australische Wüste eine Reifenpanne erlitt. Sie war mit ihrem Freund unterwegs, und bei ihrer Erkundung der Umgebung stießen sie auf alte Schilder, die für eine „unterirdische Bar“ und ein „unterirdisches Restaurant“ warben. Dann entdeckten sie eine unterirdische Kirche, in der Kerzen brannten, und kleine Erdhügel mit Türen, die ins Innere führten. Aber weit und breit war keine Menschenseele.

Sie campierten fünf Tage lang in ihrem Wohnmobil von 1985 ohne Klimaanlage. Die Fenster ließen sie trotz der Hitze geschlossen, um giftige Spinnen und Schlangen fernzuhalten. „Das waren harte Tage“, sagt Merino, „aber es hat sich gelohnt, als wir endlich Leute trafen.“

Am sechsten Tag begegneten sie jemandem – einer deutschen Frau namens Gabi, die dort seit mehreren Jahren mit ihrem Mann lebte. Merino, die etwas Deutsch spricht, kam mit ihr ins Gespräch. Gabi lud das Paar in ihr Haus ein.

Erst dann fand sie heraus, dass die Mehrheit der Bevölkerung von Coober Pedy in unterirdischen Häusern lebt. „Ich konnte es nicht glauben, als ich das erste Mal die Türschwelle überquerte“, sagt sie. „Es war eine Höhle!“

Kirchgänger besuchen einen Sonntagsgottesdienst in einer unterirdischen orthodoxen Kirche, die 1993 von der serbischen Gemeinschaft gebaut wurde.

Bild Tamara Merino

Während diese in den Sandstein getriebenen Hohlräume den Bewohnern eine kühle Zuflucht vor der Hitze bieten, ist der eigentliche Grund für ihre Existenz der Opalabbau. Ohne ihn würde die Siedlung überhaupt nicht existieren.

Das Edelsteinvorkommen wurde dort 1915 entdeckt. Es folgte ein Bergbau-Boom, als die Menschen auf der Suche nach ihrem Glück in das Outback kamen. (Der Name Coober Pedy ist eine anglisierte Version der Aborigine-Wörter kupa-piti, von denen allgemein angenommen wird, dass sie „Loch des weißen Mannes“ bedeuten). Unter diesen Neuankömmlingen waren auch Soldaten, die aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten – also Menschen, die wussten, wie man in Gräben lebt und diese baut. Die ersten Tage, so wurde Merino erzählt, waren wie der Wilde Westen. Menschen, die Opal fanden, sollen neben ihren Funden mit Gewehren geschlafen haben, um potenzielle Diebe abzuwehren.

Mit der Zeit ließ der Boom nach, und heute, so Merino, sei die Branche rückläufig. Immer weniger Bergleute seien noch aktiv, und nur wenige junge Menschen entscheiden sich für die finanziellen Unsicherheiten und die körperlichen Anstrengungen dieses Lebens. Da jedoch schätzungsweise 70 Prozent aller weltweiten Opale in Coober Pedy abgebaut werden, trägt die Industrie zusammen mit dem Tourismus immer noch die Stadt.

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Gabis Ehemann Jürgen, ein Bergmann, brachte Merino mit einer elektrischen Winde 15 Meter tief in das Bergwerk, in dem er arbeitet. „Die 45 Sekunden Fahrt nach unten schienen wie eine Ewigkeit“, sagt sie. „Es gibt nur ein paar Scheinwerfer am Eingangsschacht. Und in der völligen Dunkelheit mit einer Taschenlampe herumzulaufen, gibt einem das Gefühl, man befände sich in einem Labyrinth, das nirgendwo hinführt. Aber die Bergleute wissen, dass es irgendwo dort Opal gibt – sie müssen ihn nur finden.“

Merino blieb ein paar Wochen und kehrte später, im März 2016, für einen Monat zurück, um diese unterirdische Kultur noch besser kennen zu lernen. Mit der Zeit fand sie ein paar Freunde, zum Beispiel Martin Faggetter, der die letzten 20 Jahre damit verbrachte, 25 Meter unter seinem Haus nach Opal zu graben. „Ich bin meine eigene Bank – ich muss nur meine Schaufel rausholen“, sagte er zu Merino.

Und mit mehr Freunden kamen auch mehr Geschichten. „Es gibt in diesem Geschäft keine Regeln, da sie alle für sich selbst arbeiten“, sagt Merino. „Sie arbeiten, wann sie wollen. Und wenn sie etwas finden, vergessen sie völlig die Zeit in der Welt über ihnen. Es ist ein verrücktes und ungewöhnliches Leben. Sie könnten jeden Tag Millionär werden oder jahrelang gar nichts finden.“

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Für Merino ist das Faszinierendste an diesem Ort die Beziehung zwischen den Menschen und dem Objekt ihrer Leidenschaft. „Coober Pedy ist für viele ein Ort, an dem sie ein neues Leben beginnen können“, sagt sie. „Opal ist überall. Sie müssen ihn nur finden. Reiche Bergleute haben schöne Autos [und] große Häuser, und normalerweise schmeißen sie große Partys und laden all ihre Freunde zum Essen und Trinken ein.“

„Aber einige von ihnen haben nicht so viel Glück gehabt. Sie kamen auf der Suche nach dem großen Traum und haben nie etwas gefunden. Andere haben Millionen gemacht und dann alles verloren –Maschinenkosten, Partys, Glücksspiel oder Alkohol. Ich war fasziniert davon, dass ein Stein Menschen das höchste Glück oder tiefste Elend bescheren kann. Irgendwie musste ich diese Menschen treffen und diese Geschichten aus dem Untergrund hören. Ich wollte ein Teil davon sein – und das wurde mir gewährt.“

Lastwagen, Autos und Schrott von alten Maschinen fristen in Coober Pedys Landschaft ein Dasein als Ersatzteillager.

Bild Tamara Merino

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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