O-bon: Japans Fest der Toten

Jedes Jahr kehren die Japaner in ihren Heimatort zurück, um die Geister ihrer verstorbenen Ahnen zu ehren.

Tuesday, September 15, 2020,
Von Gulnaz Khan
Bilder Von Emilio Espejel

Jeden Sommer begrüßt das verschlafene Fischerdorf Himeshima seine Toten wieder zu Hause.

Das jährliche O-bon-Fest, das in ganz Japan gefeiert wird, zelebriert die Rückkehr verstorbener Vorfahren auf die Erde. Der Glaube an die Bande zwischen Lebenden und Toten hat seine Wurzeln in der Antike, aber die meisten Gelehrten sind sich heute einig, dass das Fest auf dem buddhistischen Sutra Urabon-kyō basiert.

Japanische Teemeisterin fand ihre Berufung mit 6 Jahren

Laut den Schriften fand einer der Schüler Buddhas seine Mutter im Reich der hungrigen Geister, wo die Geister im Jenseits unstillbaren Hunger und Durst leiden. Als er mit einer Schüssel Reis zu ihr ging, verwandelte sich diese in eine Flamme. Der Buddha wies ihn an, Essen und Trinken für seine verstorbenen Eltern bereitzustellen und den Mönchen am 15. Tag des siebten Mondes Opfergaben zu überreichen – dieser Ausdruck von Dankbarkeit und Respekt, so sagte er, würde sie von ihren höllischen Qualen erlösen.

Eine Frau betet einige Tage nach dem O-bon-Fest auf einem buddhistischen Friedhof in der Präfektur Ōita.

Bild Emilio Espejel

Getreu dem Sutra kehren Familien in ganz Japan vom 13. bis 15. August (in einigen Regionen im Juli) für eine Reihe von Ritualen und Feiern in ihre Heimat zurück. Mit ihren Bräuchen wollen sie die Toten ehren und ruhelose, hungrige Geister von ihrem Leid befreien.

Die dreitägige Feier beginnt traditionell mit mukaebi, dem Anzünden von Feuern und Laternen, um die Geister nach Hause zu geleiten. Auch wenn die lokalen Feiern von Region zu Region variieren, errichten die meisten Familien zwei shōryō-dana – Altäre mit Früchten, Weihrauch und Blumen –, einen für ihre eigenen Vorfahren und einen zweiten für alle Geister, die keinen Frieden fanden. Andere übliche Rituale sind ohakamairi, das Putzen und Schmücken von Ahnengräbern, Gebete in Tempeln und die Zubereitung besonderer Mahlzeiten.

Der Bon Odori, ein regionalspezifischer und gemeinschaftlicher Volkstanz, ist charakteristisch für das Fest. Die Bewegungen sind einfach, sodass jeder unabhängig von seinem Können teilnehmen kann. Die Tänzerinnen sind als bekannte Figuren aus der Folklore kostümiert und geschminkt. Sie bilden einen Kreis um eine erhöhte Bühne, auf der Musikerinnen und Taiko-Trommler den Takt angeben. In der letzten Nacht des Obon schließt sich der Kreis mit okuribi, dem Anzünden von Freudenfeuern und schwimmenden Laternen, mit denen die Geister wieder verabschiedet werden.

Die frühesten Berichte über O-bon stammen aus der Asuka-Periode. Populär wurde das Fest aber wahrscheinlich im 12. Jahrhundert mit der Verbreitung des Buddhismus. Heute wird O-bon von japanischen Gemeinschaften auf der ganzen Welt gefeiert.

Als „betrunkene Fischer“ verkleidete Kinder posieren für ein Foto.

Bild Emilio Espejel

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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