Ei aus der Eisenzeit: Fund in Bayern gibt Aufschluss über frühe Essgewohnheiten

Eier gehören heute – und das nicht nur zu Ostern – zu den Grundnahrungsmitteln, die in kaum einem Haushalt fehlen. Doch wann entdeckte der Mensch das Ei für sich? Ein archäologischer Fund in Nördlingen liefert neue Hinweise.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 14. Apr. 2022, 13:20 MESZ
Schon bei den Alten Römern hatte das Ei eine besondere Bedeutung. Doch seit wann hält der ...

Schon bei den Alten Römern hatte das Ei eine besondere Bedeutung. Doch seit wann hält der Mensch Hühner überhaupt als Nutztiere?

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In den verschiedensten Kulturen hat das Ei eine große Symbolkraft: Es steht für den Neubeginn, für Fruchtbarkeit oder die Schöpfung der Menschheit. Wann Menschen allerdings begannen, Eier als Nahrungsmittel zu nutzen, ist bisher kaum erforscht. Die Untersuchung einer späteisenzeitlichen Müllgrube im bayerischen Nördlingen konnte nun jedoch neue Hinweise liefern. Sie zeigen: Nördlich der Alpen wurden wohl schon vor mehr als 2.400 Jahren Hühnereier verzehrt.

Funde wie dieser sind äußerst selten, weil Eierschalen nur selten über einen so langen Zeitraum im Boden konserviert werden. In diesem Fall waren die Bedingungen in der frühzeitlichen Abfallgrube aber genau richtig: Die Schalensplitter blieben zusammen mit weiteren Essensresten für die Nachwelt erhalten. 

Forschende des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege haben die Fragmente in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität York, England, analysiert und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis. „Der Fund zeugt von einer kleinen Zeitenwende, was die menschlichen Ernährungsgewohnheiten betrifft“, sagt Denkmalpfleger Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. „Mit einem Augenzwinkern gesagt: Was damals begann, führte später zum Osterei“.

Erst der Hahn, dann die Henne

Bisherige Theorien zum frühen menschlichen Eierkonsum basieren vor allem auf Hahn- oder Hühnerknochen, die an archäologischen Fundstellen entdeckt wurden. An älteren Fundstellen stieß man hauptsächlich auf Knochen von Hähnen, von denen vermutet wird, dass sie zunächst als Statussymbol galten und gehalten wurden. Ob sie damals auch schon von Menschen verzehrt wurden, ist jedoch noch nicht geklärt. 

Größere Mengen von Knochen Eier legender Hennen stammen von deutlich jüngeren Fundstellen aus der späten Eisenzeit. Der Trend einer höheren Konzentration von Hennen- als Hahnknochen wird bisher als eines der Zeichen für einen aufkommenden oder vermehrten Eierkonsum gehalten. Die Eierschalen aus Nördlingen unterstützen nun die These, dass die Menschen in der Eisenzeit einen Appetit auf Eier entwickelt hatten. 

Schon beim Sieben des Sediments während der Ausgrabungen fielen den Forschenden die Schalenfragmente auf. Eine Makrountersuchungen unter dem Mikroskop bestätigte dann, dass es sich dabei um tatsächlich um Eierschalen handelte. Diese wurden im Anschluss mithilfe der sogenannten Zooarchaeology by Mass Spectrometry – oder ZooMS – Methode, bei der der tierische Ursprung mineralisierter, kollagener Materialien bestimmt werden kann, einer weiteren Analyse unterzogen.

„Den Nachweis der Hühnereierschale verdanken wir der günstigen Kombination aus guten Erhaltungsbedingungen, einer akribischen Analyse der Kleinstfunde im gesiebten Sediment und neuer Technik“, sagt Archäologe Johann Friedrich Tolksdorf, der am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Untersuchung zuständig ist. In Verbindung mit der Untersuchung der übrigen Speisereste konnten die Eierschale schließlich auch datiert werden. Das Ergebnis: Das Ei muss im vierten Jahrhundert v. Chr. aufgetischt und verspeist worden sein – lange vor dem ersten Osterfest.

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