Astronomisches Highlight oder Vorbote des Unheils: Die Mondfinsternis kommt

Großereignis für moderne Hobbyastronomen, böses Omen für die Menschen des Altertums: Wenn der Mond in den Schatten der Erde tritt, halten viele den Atem an.

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 12. Mai 2022, 09:58 MESZ
Das Sonnenlicht, das während der Mondfinsternis über die Erde hinwegleuchtet, wird in deren Atmosphäre gebrochen und ...

Das Sonnenlicht, das während der Mondfinsternis über die Erde hinwegleuchtet, wird in deren Atmosphäre gebrochen und taucht den Mond in ein orange-rotes Licht – daher der Name Blutmond.

Foto von Roger Starnes Sr

Am 16. Mai 2022 ist es wieder soweit: Sonne, Erde und Mond stehen auf einer Linie, sodass die von der Sonne angestrahlte Erde einen Schatten auf ihren Trabanten wirft – und es zu einer Mondfinsternis kommt.

Dieses Himmelsschauspiel ist zwar nicht alltäglich, dafür aber berechenbar: Alle sechs Monate bilden Sonne Erde und Mond die dafür nötige Konstellation. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Menschen auf der Welt auch zweimal pro Jahr eine Mondfinsternis verfolgen können. Voraussetzung dafür ist unter anderem ein Vollmond, der jedoch nur zwölf bis dreizehn Mal im Jahr erscheint. Damit eine totale Mondfinsternis entsteht, muss dieser in den Kernschatten der Erde eintauchen – und das ist durchschnittlich nur dreimal pro Jahr der Fall. Sichtbar ist die Mondfinsternis dann nur dort, wo der Mond zu diesem Zeitpunkt über dem Horizont steht.

Partielle Eklipse in Deutschland

Zuschauer in Deutschland sind aus diesem Grund schon seit einigen Jahren im Nachteil, wenn es um die Beobachtung von Mondfinsternissen geht. Zuletzt konnte man hierzulande im Jahr 2018 eine totale Mondfinsternis miterleben, seitdem waren die Bedingungen alles andere als ideal. Auch die Finsternis am 16. Mai verläuft für deutsche Sternengucker ungünstig: Die Totalität – also das vollständige Eintauchen des Mondes in den Kernschatten – wird um 5:29 Uhr erwartet. Zu diesem Zeitpunkt verschwindet der Mond jedoch von der Mitte Deutschlands aus betrachtet gerade aus dem Sichtfeld. Es reicht also wieder nur für eine partielle Finsternis: Wer den Blick kurz vor 4:30 Uhr zum Südwesthorizont richtet, kann zumindest den beginnenden Eintritt des Mondes in den Erdschatten miterleben – vorausgesetzt der Himmel ist klar.

Wissen kompakt: Der Mond
Aus was besteht der Mond? Wie entstand er? Erfahrt mehr über die Mondphasen und ihren Einfluss auf die frühsten Kalender sowie die erste Mondlandung vor einem halben Jahrhundert.

Mehr Glück haben die Menschen in Südamerika und dem Osten der USA: Sie können das komplette Geschehen verfolgen, das vom beginnenden Eintreten in den Erdschatten bis zum vollständigen Austritt etwa eine Stunde und 25 Minuten dauern wird.

Ursprung für Aberglauben

Der Enthusiasmus, mit dem heute viele Menschen einem solchen Ereignis entgegenfiebern, wurde der Mondfinsternis in früheren Zeiten jedoch nicht entgegengebracht. Im Altertum wertete man die Verdunkelung von Sonne oder Mond meist als schlechtes Zeichen. Vor über 4.000 Jahren herrschte im alten China der Glaube, ein böser Drache würde die Himmelskörper verschlingen. Um sie zu retten, mussten die Menschen ihn mit Trommeln, Musik und Geschrei vertreiben.

Eine ähnliche Erzählung ist auch in der indischen Mythologie zu finden: Hier verfolgt der rachsüchtige Dämon Rahu Sonne und Mond bei ihrem Lauf über das Firmament, um sie zu verschlingen – was ihm im Fall einer Sonnen- oder Mondfinsternis dann auch tatsächlich kurz gelingt. Bei den mongolischen Burjaten ist es ein böses Untier namens Alkha, das den Erdtrabanten frisst und vertrieben werden muss, indem man den Mond mit Steinen bewirft. Die Inka wiederum versuchten, den mutmaßlichen Jaguar, der den Mond angreift, mit Rufen zu vertreiben, schüttelten ihre Speere gen Himmel und ließen ihre Hunde bellen und heulen.

Die Athener, die im August des Jahres 413 v. Chr. nach der erfolglosen Belagerung der Stadt Syrakus Segel Richtung Heimat setzen wollten, führte eine Mondfinsternis direkt ins Verderben: Kurz vor der Abfahrt verdunkelte sich der Mond und so beschloss der Heerführer Nikias, die Fahrt zu verschieben und den Göttern erst noch Opfer zu bringen, um sie zu besänftigen. Ein Fehler, denn in dieser Zeit kamen die Spartaner den Syrakusanern über See zu Hilfe. Tausende Athener starben in der anschließenden Schlacht und die gesamte Schiffsflotte ging verloren.

Auch die Bewohner Konstantinopels deuteten eine Mondfinsternis als schlechtes Omen – und behielten damit Recht. Als sich am 22. Mai 1453 der Mond verfinsterte, war das für die Menschen der Stadt ein sicheres Zeichen, dass diese nach wochenlanger Belagerung durch osmanische Truppen in Kürze fallen würde. Sieben Tage später war es soweit.

Wann kommt die nächste totale Mondfinsternis?

Als Vorbote des Unheils gilt eine Mondfinsternis in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr, für Aufregung sorgt sie dennoch: Insbesondere dann, wenn man sie in ihrem vollen Umfang beobachten kann. Zur nächsten totalen Mondfinsternis kommt es in Deutschland am 7. September 2025 – es ist also noch etwas Geduld gefragt.

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