Mysteriöser Fund in Ungarn: Warum reiste ein römischer Arzt ins Barbaricum?

Ein römischer Arzt wird mit seiner vollständigen medizinischen Ausstattung begraben – allerdings nicht im Römischen Reich. Was machte der Mediziner außerhalb der Grenzen?

Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 17. Mai 2023, 09:15 MESZ
Schädelknochen des ausgegrabenen Fundes.

Neben den Überresten des römischen Arztes aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurde auch sein vollständiges medizinisches Equipment im Grab gefunden. 

Foto von ELTE Bölcsészettudományi Kar

In der Nähe des ungarischen Orts Jászberény, östlich von Budapest, machten Archäolog*innen einen ungewöhnlichen Fund: Sie stießen auf das Grab eines seit fast 2.000 Jahren im Boden ruhenden Arztes – begraben mit seiner vollständigen medizinischen Ausrüstung. 

Das Außergewöhnliche an dem Fund aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. ist nicht nur die für europäische Verhältnisse einzigartige Vollständigkeit der hochwertigen medizinischen Instrumente, sondern vor allem der Ort des Begräbnisses. Untersuchungen ergaben, dass der Arzt wahrscheinlich aus dem Römischen Reich stammte. Jászberény lag damals allerdings im sogenannten „Barbaricum“ – einem außerrömischen Gebiet, das im Norden und Osten an das Römische Reich angrenzte und laut den Alten Römern von „Barbaren“ bewohnt wurde. Was führte den römischen Arzt also in diese Region? 

Ein europaweit einzigartiger Fund

Die Forschenden des ELTE, des Jász-Museums und des Eötvös-Loránd-Forschungsnetzes in Ungarn förderten bei den Ausgrabungen in Jászberény zunächst die prestigeträchtigen medizinischen Instrumente zutage, die in Holzschatullen am Fuße der menschlichen Überreste des Arztes platziert wurden – darunter Zangen, Nadeln, Pinzetten und hochwertige Skalpelle für chirurgische Eingriffe. Diese waren versilbert und mit auswechselbaren Stahlklingen versehen. Sogar Rückstände von Medikamenten konnten die Archäolog*innen in medizinischen Behältnissen nachweisen. 

Eines der versilberten Skalpelle. Die Ausrüstung des Mediziners war außergewöhnlich hochwertig. 

Foto von ELTE Bölcsészettudományi Kar

Funde derart hochwertiger Ausrüstungen sind aus weiten Teilen des Römischen Reiches bekannt, so die Forschenden. Nicht aber aus dem Gebiet des ehemaligen Barbaricum. Ein ähnlich vollständiges medizinisches Set dieser Art habe man bislang nur einmal in Pompeji ausgraben können. Aus diesem Grund kamen die Archäolog*innen zu dem Schluss, dass der Arzt aus dem Römischen Reich stammen musste.

Was führte den Mediziner ins Barbaricum?

Erstaunlich ist, dass ein römischer Arzt mit einer solch wertvollen Ausrüstung überhaupt in diesem Gebiet unterwegs war, erklären die Forschenden auf einer Pressekonferenz. Sie vermuten, dass der Arzt, der wahrscheinlich in einem der kaiserlichen Zentren ausgebildet wurde, in diese Gegend reiste, um eine besondere Person zu behandeln. Warum er dort blieb oder ob er während der Behandlung verstarb, ist bislang ungeklärt. 

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