1.300 Jahre alte Waffen: Fränkischer Krieger in Ingelheim ausgegraben

In einem merowingerzeitlichen Gräberfeld in Rheinland-Pfalz haben Forscher das Grab eines Kriegers entdeckt, der mit unzähligen wertvollen Waffen bestattet wurde. Es ist eines der wenigen Gräber aus der Region, die im Mittelalter nicht geplündert wurden.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 10. Aug. 2023, 09:36 MESZ
Skelett des Kriegers mit den Waffen, die um ihn herum platziert waren.

Der Krieger stammt vermutlich aus der Merowingerzeit und trug seine erstaunlich gut erhaltenen Waffen 1.300 Jahre unter der Erde bei sich.

Foto von Christoph Bassler / Stadt Ingelheim

Merowingische Gräberfelder sind in Rheinland-Pfalz keine Seltenheit. Das größte von ihnen befindet sich in Ingelheim. Das sogenannte Gräberfeld III fiel im Mittelalter immer wieder Plünderern zum Opfer: Viele der Gräber wurden leergeräumt – oft findet man keine Grabbeigaben mehr. 

Nun haben Forschende inmitten der geplünderten Gräber allerdings einen sensationellen Fund gemacht: ein unberührtes Grab, in dem bis heute ein fränkischer Krieger aus dem 7. Jahrhundert ruht – mitsamt seinen gut erhaltenen Waffen. Der Fund bietet Grabungsleiter Christoph Bassler und seinem Team die Möglichkeit, mehr über merowingerzeitliche Bestattungsriten und Waffen in Erfahrung zu bringen.

Bewaffneter Krieger 1.300 Jahre unter der Erde

Das Gräberfeld III, in dem der Krieger nun entdeckt wurden, ist eines von drei Gräberfeldern nahe der Kaiserpfalz Ingelheim. Die Pfalz ließ Karl der Große um das Jahr 800 erbauen, die Gräberfelder sowie die zugehörigen Siedlungen wurden in der Region bereits während der Merowingerzeit erbaut und bewohnt, also zwischen dem frühen 6. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Zu einer solchen Siedlung gehört auch das Gräberfeld III.

Auf das Grab des Kriegers stießen Archäolog*innen während einer aktuellen Grabungskampagne in der Region, die im Jahr 2015 begann und in diesem Jahr endet. Grabungsleiter Bassler erinnert sich an den Moment der Entdeckung: „Wir haben zwischen zwei beraubten Bestattungen tatsächlich ein noch komplett unberührtes Grab entdeckt, welches die Grabräuber aus irgendeinem Grund übersehen haben mussten.“ Ihm und seinem Team offenbarten sich beim Freilegen des Grabes nach und nach das 1.300 Jahre alte Skelett des Kriegers sowie ein zweischneidiges Schwert, ein Breitsax, ein schweres Messer, eine Lanze und ein Schild.

Nahaufnahme des Schwertes, das dem Krieger bei seiner Bestattung in den Arm gelegt wurde.

Foto von Stadt Ingelheim

Untersuchung der beigelegten Waffen

Das Schwert, eine sogenannte Spatha, wurde dem Toten in seinen rechten Arm gelegt und befand sich auch bei der Ausgrabung noch an diesem Ort. Es ist die wohl beeindruckendste der beigelegten Waffen: Die Klinge des Schwertes misst etwa 75 Zentimeter, das gesamte Schwert etwa 93. „Die Klinge ist sogar noch leicht flexibel, das spricht für einen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand“, sagt Bassler. 

Auch die anderen Waffen lagen bei der Ausgrabung noch genauso da, wie sie bei der Bestattung vor 1.300 Jahren platziert wurden. Sie sind ebenfalls mehrheitlich noch gut erhalten. „Dieser außergewöhnliche Fund ist ein weiteres Puzzleteil für unser Bild der Stadt im frühen Mittelalter“, sagt Eveline Breyer, Dezernentin bei der Stadt Ingelheim. „Er wird uns wie die vielen anderen Entdeckungen an der Rotweinstraße helfen, diese älteste Gesellschaft Ingelheims besser zu verstehen und auch zu veranschaulichen.“

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