Rosen zum Valentinstag: Warum wir Blumen verschenken

Der Blumenstrauß als Liebesbeweis hat Tradition. Doch wann wurde die Blume zum Geschenkartikel? Was hat die griechische Mythologie damit zu tun? Und wie kamen einzelne Sorten zu ihrer Bedeutung?

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 9. Feb. 2024, 08:44 MEZ
Eine Aufreihung von Blumen an einem Marktstand.

Gerbera, Rose oder Lilie? Weiß, rosa oder gelb? Am Blumenstand hat man die Qual der Wahl.

Foto von Kylie Paz / Unsplash

Am 14. Februar klingeln wieder die Kassen der Floristen. Der Grund: der Valentinstag. Viele, die das „Fest der Liebenden“ feiern, greifen als Beweis ihrer Zuneigung und tiefen Verbundenheit auf einen Blumenstrauß zurück. Damit folgen sie einer alten Tradition, denn das Verschenken von Blumen ist keine Erfindung des Kapitalismus, sondern wird schon seit Tausenden von Jahren praktiziert.

Vom Alten Ägypten zur griechischen Mythologie

Vor über 3.000 Jahren, im Alten Ägypten, wurde filigraner Blütenschmuck aus Mohn, Kornblumen und Lilien noch vorwiegend als Grab- oder Opferbeigabe genutzt. Aber schon im antiken Griechenland etablierte sich der Brauch, die Schönheit von jungen Frauen zu preisen, indem man sie mit Blüten beschenkte.

Bereits zu dieser Zeit erreichte die rote Rose ihren bis heute unangefochtenen Status als ultimative „Blume der Liebe“. Seinen Ursprung hat dies in der griechischen Mythologie. Der Sage nach betrog Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, ihren Gemahl Ares mit Adonis, was ihn dazu veranlasste, seinen Nebenbuhler zu töten. Aphrodite eilte zu ihrem sterbenden Geliebten und trat dabei auf Rosendornen. Ihr Blut färbte die Blütenblätter rot.

Die Rose: Bis heute gilt sie als Blume der Liebe.

Foto von César Abner Martínez Aguilar / Unsplash

Kleiner Luxus im Alltag

Nachdem Blumenschmuck und -sträuße in Europa im Zuge der Christianisierung zunächst an Bedeutung verloren hatten, lebte die Tradition des Blumenschenkens in der Renaissance wieder auf und war ab dem 17. Jahrhundert mit dem Barock fest etabliert. Im damaligen Zeitgeist drehte sich alles um Themen wie Sterblich- und Vergänglichkeit, für die Schnittblumen mit ihrer kurzen Lebensdauer das perfekte Symbol waren.

Sie waren allerdings auch ein Luxus, der vorrangig den Adligen vorbehalten war. Das änderte sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Wohlstand im Bürgertum zunahm. Nun waren dekorative Blumensträuße nicht nur in Schlössern und Herrenhäusern, sondern auch in den Wohnräumen der Mittelschicht zu finden. Es entwickelte sich eine Art Code, mit dem man wortwörtlich durch die Blume sagte, was man laut nicht auszusprechen wagte.

Geheimcode Blumensprache: Blüten mit Bedeutung

Beigebracht wurde diese Blumensprache den Europäern von Lady Mary Wortley Montagu, einer englischen Schriftstellerin, die ihren Mann, den Botschafter Edward Wortley Montagu, Anfang des 18. Jahrhunderts an den osmanischen Hof in Konstantinopel – dem heutigen Istanbul – begleitete. Während ihres Aufenthalts beschäftigte sie sich mit dem im Orient gängigen System, nach dem einzelnen Blüten, abhängig von ihrer Farbe, bestimmte Bedeutungen zugeschrieben wurden. Von ihren Erkenntnissen berichtete sie in Briefen, die sie in die Heimat schickte.

Für junge Liebende, für die es sich damals nicht schickte, ihren Gefühlen offen Ausdruck zu verleihen, waren Blumengeschenke ein willkommenes Mittel zur nonverbalen Kommunikation. Zunächst auf nur eine Blumenart beschränkt, wurden die Sträuße mit der Zeit immer bunter und drückten durch ihre Kombination aus verschiedenen Blüten komplexe Emotionen und Botschaften aus.

Auch wie die Blumen gebunden und übergeben wurden, war von Bedeutung. Wurde der Strauß mit einer Schleife auf der rechten Seite zusammengehalten, hieß das, dass in den Blüten eine an den Empfänger oder die Empfängerin gerichtete Botschaft verborgen war. Saß die Schleife auf der linken Seite, sollte mit dem Strauß eine Aussage über den oder die Beschenkte*n gemacht werden. Bestand der Strauß aus Rosen war es außerdem wichtig, diesen immer aufrecht zu überreichen. Hielt man ihn bei der Übergabe kopfüber, kehrte dies seine Aussage ins Gegenteil um. Aus Liebe wurde durch Unachtsamkeit also schnell Hass.

Heute werden Blumensträuße meist nach Optik, saisonaler Verfügbarkeit oder auch den Vorlieben des Empfängers oder der Empfängerin zusammengestellt. Direkte Liebesbekundungen sind nicht mehr verpönt und die Blumensprache ist – mit Ausnahme der allseits bekannten Symbolik roter Rosen – weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Farbe und Sorte: Was verschiedene Blumen aussagen

Wer sich aber auch heute beim Schenken von Blumen nicht aus Versehen im Ton vergreifen will, muss vor allem auf die Blütenfarben achten. Egal ob Rose, Nelke, Lilie oder Tulpe: Nichts drückt Liebe, Leidenschaft und Begehren so klar aus wie eine rote Blüte. Am anderen Ende des Spektrums liegen die Gelb- und Orangetöne, die je nach Blumenart für Eifersucht, Neid, Verachtung, Falschheit und Selbstgefälligkeit stehen. Eine Ausnahme bilden orangefarbene Tulpen, mit denen man seine Faszination bekunden kann. Rosa Blüten symbolisieren zarte Zuneigung und beginnende Verliebtheit.

Mit weißen Blüten sind sehr konkrete Aussagen verknüpft. So zeigt man mit weißen Rosen, dass man heimliche Gefühle für jemanden hegt oder sich nach ihm sehnt. Schenkt man weiße Tulpen, die für Verschlossenheit stehen, stellt man die Fähigkeit des anderen in Frage, tiefe Gefühle zu empfinden. Weiße Nelken verschenkt man, um zu signalisieren, dass man noch zu haben ist.

Kornblumen sind die Blumen der Wahl für alle, deren Liebe nicht erwidert wird. Sie stehen für Zuversicht und Treue und wer sie schenkt, will damit sagen, dass er oder sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat.

Mit Sonnenblumen übte man früher noch Kritik an allzu anspruchsvollen und stolzen Personen. Heute sind sie eine unverfängliche, fröhliche Ergänzung bunter Sträuße, ebenso wie die Gerbera, die nichts weiter möchte, als den Beschenkten zu sagen, wie gern man sie hat. Eine Botschaft, über die man sich immer freut – nicht nur am Valentinstag.

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