Rettung auf den höchsten Gipfeln der Welt

Wenn im Himalaya der Ernstfall eintritt, kann dieses Rettungsteam den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.

Tuesday, February 27, 2018,
Von Sarah Gibbens
Mehr als 900 Träger überqueren eine Baumstammbrücke auf ihrem 300 Kilometer langen Fußmarsch zum Mount Everest. ...
Mehr als 900 Träger überqueren eine Baumstammbrücke auf ihrem 300 Kilometer langen Fußmarsch zum Mount Everest. Die Träger transportierten 27 Tonnen an Ausrüstung auf ihren Rücken und bildeten das Gefolge des ersten amerikanischen Besteigungsversuchs im Jahr 1963.
Bild ASSOCIATED PRESS

Bergsteiger trainieren ihr ganzes Leben lang, um den Mount Everest zu besteigen, aber Chhirring Dhenduk Bhote scheint dafür geboren worden zu sein. Er stammt aus einem Dorf im Osten von Nepal, das versteckt zwischen dem Kangchendzönga und dem Makalu, den dritt- und fünfthöchsten Bergen der Welt, liegt.

Der Everest ist mit seinen 8.848 Metern der höchste Berg der Welt und befindet sich westlich des Makalu. Das ist einer der Himalaya-Gipfel, an dem Bhote unter schlimmsten Bedingungen Rettungsoperationen durchgeführt hat.

Wenn Bergsteiger die gefährlichen Berghänge erklimmen, rufen sie in Notsituationen die örtlichen Rettungsorganisationen. Klettern ist extrem riskant und Todesfälle nichts Ungewöhnliches. Es ist so gefährlich, dass viele Bergsteiger vor dem Aufstieg spezielle Versicherungen abschließen.

Wenn Bhote und sein Team aus Rettungskräften alarmiert werden, machen sie sich sofort auf den Weg. Mithilfe ihres Helikopters gelangen sie zu den Verunglückten. Wenn sie vor Ort nicht sicher landen können, nutzen sie ein langes Seil.  Mit diesem wird Bhote zum Opfer hinuntergelassen. Er sichert die Person am Ende des Seils, unabhängig davon, ob die bei Bewusstsein ist oder nicht. Etliche Meter unter dem Hubschrauber schwebend werden der Verletzte und Retter in die nächste medizinische Einrichtung geflogen.

Es ist ein körperlich anstrengender Beruf mit hohem Stresslevel. Bhote ist einer der Besten in der Gegend und hat 21 der 35 seit 2008 im Himalaya durchgeführten Seilrettungen vorgenommen. Bhote wurde in der Schweiz dafür ausgebildet, verweise jedoch auch auf seine natürliche Affinität zu den Bergen. Und obwohl er schon oftmals erfolgreich war, können er und sein Team in Not geratene Bergsteiger nicht immer rechtzeitig erreichen, um ihr Leben zu retten.

„Wenn ich den toten Körper berge, fühlt sich mein Herz eiskalt an und ich bin sehr traurig“, sagt Bhote in einem Video des Filmemachers DJ Clark. Viele seiner Rettungsmissionen sind lebensrettend, aber wenn sie es nicht sind, sieht sich Bhote in der Verantwortung, zumindest den Leichnam des Bergsteigers zu seiner Familie zurückzubringen.

Hochriskantes Abenteuer

Den Mount Everest zu besteigen ist eine extrem anspruchsvolle Angelegenheit. Bhote muss es wissen – er hat es schon zweimal gemacht. Aber das Wetter kann in einem einzigen, katastrophalen Moment umschlagen.

Die Himalayan Database widmet sich der Aufzeichnung der Todesfälle, die der Mount Everest seit 1921 gefordert hat. Allein im Jahr 2017 starben sieben Menschen, das tödlichste Jahr war jedoch 2014, in dem 17 Menschen ums Leben kamen, die meisten durch eine Lawine. Eine weitere Lawine im Jahr 2015, hervorgerufen durch ein Erdbeben, tötete 15.

Lawinen sind die häufigste Todesursache in Bergen wie dem Everest, doch im allgemeinen können unvorhersehbare Ereignisse am häufigsten dafür verantwortlich gemacht werden: Abstürze, Kollaps, Unterkühlung, Krankheit. Manchmal verschwinden Menschen spurlos.

Herausfordernde Aufgabe

Für Clark war es ein glücklicher Zufalle, dass er Bhote gefunden hat. Im vergangenen Jahr war er in Nepal, um für National Geographic die Schutzmaßnahmen für Elefanten zu filmen, als ein gemeinsamer Bekannte ihn in Kontakt mit Bhote brachte. Clark hatte schon zuvor Retter kennengelernt, die mit der Seiltechnik arbeiten, aber Bhote beeindruckte ihn nachhaltig durch seine Erfolgsquote und die Leidenschaft für seinen Beruf.

Um Bhotes Rettungsaktionen mit seiner Kamera einzufangen, musste Clark zunächst warten, dass jemand Hilfe benötigte. Für Clark, der in Hong Kong lebt, schienen die logistischen Probleme unlösbar, weswegen ein großer Teil des gefilmten Materials der Rettungen von einer Kamera stammt, die an Bhotes Helm befestigt oder von einem seiner Teamkameraden im Hubschrauber gehalten wurde.

„Er brennt dafür, Nepal zu einem sicheren Ort für Bergsteiger zu machen“, sagt Clark.

In der näheren Zukunft plant Bhote, die Rettungsmissionen forzuführen und er und sein Team hoffen, ihre eigene Rettungsstation einrichten zu können. Wenn sie mehr Personal bekommen, sagt er in Clarks Video, können sie „überall hingelangen.“

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