Reise und Abenteuer

6 zauberhafte europäische Weihnachtsmärkte

Neben Glühwein und gebrannten Mandeln bieten viele Weihnachtsmärkte ihre ganz eigenen Besonderheiten. Montag, 19. November 2018

Der Nürnberger Christkindlesmarkt blickt auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurück.
Der Nürnberger Christkindlesmarkt blickt auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurück.

Dicht an dicht stehen die festlich geschmückten Holzhütten, in denen Besucher Kunsthandwerk, Glühwein und Süßigkeiten kaufen können. Überall erscheinen auf fast magische Weise über Nacht wieder die Weihnachtsmärkte auf Marktplätzen und in den Innenstädten. Sie läuten langsam, aber sicher die Adventszeit ein. Die Tradition reicht mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit und geht auf die Wintermärkte des Spätmittelalters zurück, die im deutschsprachigen Teil Europas und anderen Teilen des Heiligen Römischen Reiches abgehalten wurden.

Die Wintermärkte fanden mehrere Tage hintereinander statt, damit sich die Menschen mit Körben, Schnitzereien, saisonalen Nahrungsmitteln und anderen Vorräten für die kalte Jahreszeit eindecken konnten. Der Dresdner Striezelmarkt ist vielleicht der älteste Markt dieser Art in ganz Deutschland: Er wurde erstmals im Jahr 1434 von Friedrich II., dem Kurfürst von Sachsen genehmigt. Im Laufe der Zeit verschob sich der Fokus dieser Märkte auf das Weihnachtsfest. Die Auswahl ist riesig, weshalb viele europäische Weihnachtsmärkte mittlerweile ihre ganz eigenen Highlights bieten.

Der Strasbourger Weihnachtsmarkt erhellt den Place de la Cathédrale.
Der Strasbourger Weihnachtsmarkt erhellt den Place de la Cathédrale.

Strasbourg: Klassisch französisch

Der größte und älteste Weihnachtsmarkt Frankreichs findet in Strasbourg statt und geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Hunderte von Marktständen schmücken die Grande Île, eine Insel im historischen Zentrum der Stadt, die UNESCO-Welterbestatus genießt. Überall werden Delikatessen aus dem Nordosten Frankreichs angeboten, von Crêpes über Lebkuchengewürz bis zu Elsässer Weißweinen. Neben dem riesigen Weihnachtsbaum auf dem Place Kleber befindet sich das „Sharing Village“, das gemeinnützige und Wohltätigkeitsorganisationen aus der Region unterstützt. Eine große Eislaufbahn auf dem Place du Château bietet des nachts einen unvergesslichen Blick auf die beleuchtete Kathedrale. Im Stadtviertel Quartier Gare, in dem sich auch der Bahnhof befindet, findet zusätzlich der Weihnachtsmarkt „Off“ de Noël statt. Dort bieten Strasbourgs Designer und Kunsthandwerker Fair-Trade-Ware inmitten des buntesten Street-Art-Viertels der Stadt an.

Zagreb: Ein aufgehender Stern

Die kroatische Hauptstadt hat in den letzten drei Jahren in einer Online-Umfrage den Titel für den besten Weihnachtsmarkt Europas eingeheimst. Der Springbrunnen auf dem Ban-Jelačić-Platz verwandelt sich in ein Lichtschauspiel, während Laternen ihr warmes Licht auf die zahlreichen Bäume und den Musik-Pavillon im Zrinjevac-Park werfen. Den gebacknenen Štrukli – ein warm serviertes Gebäck mit Käse – können Besucher mit einem Glühwein runterspülen und die Kalorien dann beim Eislaufen auf dem König-Tomislav-Platz verbrennen. Das Sextett der Ad Gloriam Brass Band spielt auf einigen der schönsten Balkone der Stadt Musik und trägt so zur festlichen Stimmung auf den Straßen bei.

Amsterdam: Weihnachten auf den Kanälen

Über die ganze Stadt sind 26 Weihnachtsmärkte verteilt, und vor dem Rijksmuseum lässt Amsterdam eine große Eislaufbahn aufbauen. Rundherum versorgt ein Dörfchen aus Holzhütten Besucher auf dem Museumplein mit Oliebollen und Glühwein. Der traditionelle Blumenmarkt wird von Weihnachtsbäumen dominiert, eine Fahrt im Riesenrad ermöglicht eine großartige Aussicht auf Amsterdam und lokale Künstler und Designer bieten ihre Waren auf dem Funky Xmas Market im alten Gaswerk der Stadt an, der Westergasfabriek. Ende November läutet die niederländische Hauptstadt die Weihnachtszeit mit dem jährlichen Turn on the Lights Festival ein. Dann lassen bis zu 600.000 LED-Lampen das berühmte Kaufhaus De Bijenkorf aus dem 19. Jahrhundert und den 20 Meter hohen Weihnachtsbaum vor dem Königlichen Palast in neuem Glanz erstrahlen. Selbst die zahlreichen Kanäle der Stadt erwachen zum Amsterdam Light Festival zum Leben. Dann dekorieren Künstler aus aller Welt die Wasserstraßen mit diversen Installationen – der perfekte Zeitpunkt für eine kleine Kanalfahrt.

Nürnberg: Weihnachtszauber für Jung und Alt

Im Süden Deutschlands blickt der Nürnberger Christkindlesmarkt, in dessen Zentrum sich die eindrucksvolle Frauenkirche erhebt, auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurück. Für Kinder ist die Nürnberger Kinderweihnacht ein besonderer Spaß – der Kinderweihnachtsmarkt unterhält die kleinen Gäste mit einem nostalgischen, zweigeschossigen Karussell samt Rentieren, einem Riesenrad und einer Dampflok. Die berühmten Nürnberger Rostbratwürste werden vor Ort oft zu dritt verkauft. Als Nachtisch ist Lebkuchen ein Muss, der in der Stadt schon seit mehr als 600 Jahren gebacken wird.

Der römische Weihnachtsmarkt auf der Piazza Navona.
Der römische Weihnachtsmarkt auf der Piazza Navona.

Rom: 100 Krippenspiele

Der Marktplatz der Ewigen Stadt befindet sich auf der Piazza Navona über dem Stadion des Domitian. Dort sahen sich die alten Römer schon im 1. Jahrhundert Spiele an. Im Dezember bieten Händler dort Gebäck und traditionelle Spielwaren an, während Straßenmusiker auf ihre Art zur weihnachtlichen Atmosphäre beitragen. Im Hintergrund ragen Berninis Vierströmebrunnen und die strahlend weiße Kirche Sant’Agnese in Agone auf. Der Publikumshit „100 Presepi“ ist eine Ausstellung, in der etwa 150 Krippenspiele aus ganz Italien und mehr als 40 anderen Ländern zu sehen sind. Neben Nachbildungen traditioneller neapolitanischer und sizilianischer Krippen aus dem 18. Jahrhundert gibt es auch moderne Versionen aus unkonventionellen Materialien wie Sand, Reis, Pasta und Nüssen.

Jersey: Weihnachten auf der Insel

La Fête dé Noué lässt die Insel Jersey an der Nordwestküste Frankreichs im Glanz zahlreicher Lichter erstrahlen. Zusätzlich unterhalten festliche Filme und Straßentheater Einheimische und Besucher. In der größten Gemeinde, St. Helier, findet alljährlich die weihnachtliche Parade Jersey Battle of Flowers statt. Dann ziehen Festwagen, Blaskapellen und Tänzer in einem bunten Lichtermeer durch die Straßen. Die Grève de Lecq Barracks, die 1810 im Angesicht einer drohenden Invasion Napoleons erbaut wurden, verwandeln sich in einen Kunsthandwerks-Weihnachtsmarkt. Auf dem Royal Square in St. Helier und auf dem normannischen Markt am Weighbridge Palace bieten französische Verkäufer Crêpes, Saucisson und Apfelwein an.

 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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