Tiere

Als erstes asiatisches Land verbietet Taiwan das Essen von Hunden

Das Töten, Verkaufen und Essen von Hunden (und Katzen) ist in Taiwan jetzt illegal. Werden Südkorea und Festlandchina dem Beispiel folgen? Donnerstag, 9 November

Von Natasha Daly

Es ist ein bahnbrechender Schritt für den Tierschutz: Taiwan hat den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch als erstes asiatisches Land für illegal erklärt.

Jeder, der solches Fleisch kauft oder isst, kann eine Geldstrafe von bis zu 8.200 Dollar erhalten. Schon 1998 hat es Taiwan für illegal erklärt, Hunde und Katzen zu schlachten und ihr Fleisch zu verkaufen, aber ein kommerzieller Untergrundmarkt blieb bestehen. Jetzt hat Taiwan seine Strafen intensiviert: Jeder, der einer Katze oder einem Hund absichtlich Schaden zufügt, kann mit einer Geldstrafe von bis zu 65.000 Dollar oder zwei Jahren Gefängnis (vorher war es ein Jahr) bestraft werden.

Der Verzehr von Hundefleisch in ostasiatischen Ländern hat in den letzten Jahren eine Protestwelle der Öffentlichkeit und von Tierschützern ausgelöst, wobei Chinas berüchtigtes Hundefleisch-Festival einen Ausgangspunkt der Auseinandersetzung bildet. Bei dem Festival, das alljährlich in Yulin im Südosten Chinas stattfindet, werden über einen Zeitraum von zehn Tagen mehr als 10.000 Hunde getötet. Millionen von Menschen haben Petitionen unterzeichnet, die zum Ende der jährlichen Veranstaltung aufrufen.

Taiwans Durchgreifen kennzeichnet einen bedeutenden Fortschritt im Kampf gegen das Töten von Hunden und Katzen zu Nahrungszwecken – eine jahrhundertealte ostasiatische Tradition, die in China, Südkorea und den Philippinen noch immer legal ist. Adam Parascandola, Leiter der Animal Protection and Crisis Response der Humane Society International, glaubt, dass Taiwans Entscheidung ein Beweis dafür ist, dass eine traditionsreiche Praktik kein Hindernis dabei sein muss, eine „grausame und veraltete Essgewohnheit“ zu beenden.

Während die im Fokus der Öffentlichkeit stehende Beschaffenheit der Hundefleischindustrie auf eine weit verbreitete und tief verankerte kulturelle Praktik hinzudeuten scheint – die Humane Society International schätzt, dass in Asien jährlich 30 Millionen Hunde getötet werden –, essen die meisten Chinesen tatsächlich gar kein Hundefleisch. Laut einer „Animals Asia“-Studie aus dem Jahr 2015 hatte weniger als ein Viertel der Chinesen in großen Städten wie Peking und Shanghai in den vorangegangenen zwei Jahren Hundefleisch gegessen.

Südkorea verzeichnet einen ähnlichen Trend weg vom Hundefleisch, speziell bei jungen Menschen. Trotzdem berichtet das Animal Welfare Institute – eine gemeinnützige Tierschutzorganisation in Washington, D.C. –, dass jedes Jahr zwei Millionen Hunde in dem Land getötet werden. Mit dem Näherkommen der Olympischen Winterspiele in Pyongyang 2018 sieht sich Korea zunehmendem Druck ausgesetzt, hart gegen die Industrie vorzugehen. Im Dezember 2016 riefen Behörden zum schrittweisen Ende des Schlachtens auf dem Moran-Markt in Seoul auf – der größte Hundefleischmarkt des Landes, auf dem jährlich 80.000 Hunde verkauft werden. Bisher haben sich die Händler geweigert und befinden sich mit den Aktivisten und Behörden in einer Sackgasse, was die Zukunft des Marktes anbelangt, der weiterhin in Betrieb ist.

Parascandola glaubt, dass Taiwans Entscheidung China und Südkorea noch weiter unter Druck setzen wird: „Die Aktivisten auf Festlandchina werden sagen, wenn Taiwan das kann, dann gibt es für Festlandchina keinen Grund, es nicht auch zu tun.“

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