Tiere

Wie kann man die Jaguare retten? Man macht die Einheimischen vom Feind zum Freund

Ein National Geographic Explorer will den Jaguaren in Panama helfen, indem er die Unterstützung der einheimischen Bauern gewinnt.Freitag, 3. November 2017

Von Hannah Lang
Jaguare wurden in Panama aus Rache dafür getötet, dass sie Vieh gerissen haben.

Ricardo Moreno liebt Katzen. Mit 14 Jahren folgte er seiner Hauskatze umher und studierte ihr Verhalten – sehr zum Missfallen seiner Mutter.

Jetzt hat sich der Panamaer größeren Dingen zugewandt: Er will die größte Katze Amerikas retten, den Jaguar.

Die Großkatzen durchstreiften einst fast neun Millionen Quadratkilometer Land, von den südlichen Gebirgen Argentiniens bis zum Grand Canyon in Arizona. Aber Jahrzehnte der Entwaldung und Jagd haben ihren Lebensraum drastisch verkleinert und 40 Prozent der einstigen Population ausgelöscht. Die Weltnaturschutzunion führt den Jaguar als potenziell gefährdet. Aus Uruguay und Ecuador ist die Art bereits verschwunden.

Mit dem Verschwinden ihrer Lebensräume werden die verbleibenden Jaguare zunehmend gezwungen, Nutztiere anstelle ihrer üblichen Beute zu jagen. Dieser Umstand führt oft dazu, dass die Bauern und Landbesitzer die Katzen zur Vergeltung schießen oder vergiften, was den Bestand der Tiere wiederum reduziert.

2017 hat der National Geographic Explorer Moreno daher eine Strategie entwickelt, um die Tötungen zu stoppen: Er will die Jaguare bei den Einheimischen beliebt machen.

In den letzten fünf Jahren hat Moreno mehr als 1.300 Vorträge für einheimische Bauern in Costa Rica und Panama gehalten. Dabei hat er versucht, die Menschen von dem Wert der Tiere als Spitzenprädator zu überzeugen, der das Ökosystem in Balance hält.

 „Manchmal kann ich die Meinung der Menschen nicht ändern“, sagt Moreno. Er hat die gemeinnützige Naturschutzorganisation Yaguará mit Sitz in Panama gegründet.

Aber manchmal kann er auch zu ihnen durchdringen. „Sie sagen dann: Ich mag diese Katzen wirklich nicht, aber danke ... Es gefällt mir, was du hier mit uns machst ... Allein deshalb werde ich diese verdammte Katze nicht töten.“

VERTRAUEN SCHAFFEN

Moreno hat auch an der Entwicklung eines Vergütungsprogramms gearbeitet, das den Einheimischen Geld zahlt, wenn sie den Wissenschaftlern dabei helfen, die Jaguare zu verfolgen. Wenn beispielsweise eine abgelegene Kamerafalle auf dem Eigentum eines Landbesitzers einen Jaguar fotografiert, zahlt Yaguará dem Anwohner Geld.

Mit diesen Daten kann die Organisation die Bewegungen der Jaguare verfolgen. Die Wissenschaftler können dann Bauern benachrichtigen, wenn ein Jaguar sich ihrem Gehöft nähert. Wenn das passiert, hilft Yaguará den Bauern dabei, nahe am Haus einen kleinen Pferch für das Vieh zu bauen.

Moreno und sein Team haben den Einheimischen auch beigebracht, wie sie Gipsabdrücke von den Jaguarspuren machen können, um sie für etwas zusätzliches Geld an Touristen zu verkaufen.

„Wir müssen Vertrauen bei den Einheimischen schaffen“, sagt er. „Wenn man das nicht macht, ist es sehr schwer, die Situation für diese Tiere zu ändern. Nicht nur für Jaguare, [sondern] für jede Großkatze auf der Welt.“

DIE VERFOLGUNG EINES EINSAMEN JÄGERS

Luke Hunter ist der Präsident und leitender Naturschutzbeauftragte von Panthera, einer Gruppe für den Erhalt von Wildkatzen. Er sagt, Konflikte zwischen Bauern und Wildtieren seien sehr verbreitet.

„Wann immer es irgendwo Nutztiere und Fleischfresser gibt, gibt es diesen Konflikt und dieses Problem“, sagt er. „Was die Jaguare angeht, ist das unbestreitbar eine der Hauptbedrohungen in den Gebieten, in denen es Menschen gibt.“

Darum seien auch Beziehungen zu lateinamerikanischen Regierung ein Schlüssel zum Erhalt der Jaguare, so Hunter.

„Das vermutlich wichtigste Beispiel für diese Art von Arbeit ist, dass man Regierungsbeauftragte sowie Mitarbeiter in den Bereichen Forstwirtschaft und Wildtiermanagement mit Werkzeugen ausstattet, um auf Beschwerden über Jaguare zu reagieren, die Nutztiere töten“, sagt er.

Panthera bietet zum Beispiel Training für Regierungsmitarbeiter in Schlüsselpositionen an, um effektiv und mit nachhaltigen Methoden auf Beschwerden von Gemeindemitgliedern zu reagieren. Dazu gehören auch das Aufstellen von Kamerafallen und der Einsatz von GPS-Halsbändern, um die Bewegungen der einzelgängerischen Tiere zu verfolgen.

„Das ist eine der größten Herausforderungen, die wir mit Arten wie dem Jaguar haben“, sagt Hunter. „Deshalb nutzen wir Werkzeuge wie Kamerafallen, um sehr akkurate Schätzungen für relativ kleine Bereiche zu erhalten. Aber diese Schätzungen der Populationsdichte dann auf das ganze Verbreitungsgebiet der Jaguare zu extrapolieren, das ist die echte Herausforderung.“

„DIE MACHT DES KOTS“

Mehrere Forscher führen auch Studien von Jaguarexkrementen durch, um mehr über die Raubtiere zu lernen, von Verhalten über Populationsdichte bis zu ihren Interaktionen mit andere Arten.

Claudia Wultsch, eine Naturschützerin und Stipendiatin am Amerikanischen Museum für Naturkunde, setzt professionelle Spürhunde ein, um Kotproben zu finden. Diese nutzt sie dann für genetische Untersuchungen, um zum Beispiel herauszufinden, wie eine Jaguarpopulation mit einer anderen verwandt ist.

„Das war sehr spannend, weil wir diese zwei Methoden nutzen konnten, um mehr über Jaguare zu lernen“, sagt sie.

Moreno hat mehr als 600 Kotproben gesammelt und sucht gerade einen Schüler, dem er etwas über Jaguarexkremente beibringen und sein Wissen an die nächste Generation weitergeben kann. ("Unsere beeindruckendsten Bilder von Großkatzen")

„Für mich ist das ziemlich cool“, sagt er. „Ich sage den Leuten immer: Ihr kennt die Macht des Kots nicht!“

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