Tiere

Die lebenden Toten der Natur: Echte „Zombies“

Parasiten, die die Gedanken ihres Opfers kontrollieren können, sind nur eines der unheimlichen Beispiele, die die Natur zu bieten hat. Freitag, 27 Oktober

Von Liz Langley

Werft mit uns einen Blick auf die echten Zombies der Natur – und auf ihre Transformation.

Es gibt diverse Parasiten, die in den Körper ihrer Opfer eindringen und sie zu Zombies machen, welche den Anweisungen ihres Meisters Folge leisten. Wir sehen uns diese meisterhaften Puppenspieler etwas genauer an. 

TOXOPLASMA GONDII

Unser erster Kandidat ist der Parasit Toxoplasma gondii, der sich mit Vorliebe im Verdauungstrakt von Hauskatzen vermehrt. Wie gelangt er dorthin? Eine Möglichkeit sind Mäuse, die durch die Infektion mit T. gondii ihre Scheu vor Katzen verlieren.

Dadurch sind die Nager leichte Beute für die Jäger, und die Parasiten gelangen in ihren bevorzugten Wirt. Studien haben gezeigt, dass die Mäuse selbst nach der erfolgreichen Bekämpfung der Infektion ihre Angstreaktion bei den Geruch von Katzenurin nicht wiedererlangen. Das lässt vermuten, dass die Veränderungen im Gehirn von Dauer sind.

Etwa ein Drittel der Menschheit ist ebenfalls mit T. gondii infiziert, der demnach zu den verbreiteten Gehirnparasiten zählt. Das mag gruselig klingen, ist aber nur für frisch infizierte schwangere Frauen und Menschen mit einem geschädigten Immunsystem wirklich gefährlich. Eine Studie stellte aber eine Verbindung zwischen der Infektion und bestimmten menschlichen Eigenschaften und Zuständen her, darunter auch Neurotizismus.

SAITENWÜRMER

Habt ihr als Kinder auch Grashüpfer gefangen? Das bringt Erinnerungen an vergangene Sommer zurück ... Wer würde denn wollen, dass sich diese kleinen Insekten umbringen?

Saitenwürmer (Nematomorpha) wollen das. Die kleinen Tiere können neben Heuschrecken auch eine Vielzahl anderer Insekten wie Weberknechte, Libellen und Schmetterlinge befallen. 2005 untersuchte ein Team französischer Biologen, wie Saitenwürmer ihre Opfer manipulieren, indem sie sich eine Gruppe von Heuschrecken ansahen, die in einer Wasserlache gefangen waren.

Die Larven der Saitenwürmer, die von den Heuschrecken wahrscheinlich über das Trinken des Wassers aufgenommen werden, wachsen heran, bis sie den ganzen Körper der Heuschrecke ausfüllen, mit Ausnahme der Beine und des Kopfes.

Die Forscher schlussfolgerten, dass die Saitenwürmer ein Protein absondern, welches das zentrale Nervensystem des Wirtes beeinflusst und dafür sorgt, dass er ins Wasser geht. Sie sind zu diesem Zeitpunkt etwa viermal so lang wie ihr Wirt, verlassen diesen, paaren sich im Wasser und die Heuschrecke ertrinkt im Wasser.

Der Medinawurm hat eine ähnliche Strategie, aber er infiziert eher Menschen als Heuschrecken. Er sorgt zwar nicht dafür, dass wir uns ertränken, aber schürt das Bedürfnis nach kühlendem Wasser: Wenn die Parasiten sich aus unseren Füßen heraus ins Freie kämpfen, verursacht das brennende Schmerzen. Trotz dieser Qualen gibt es wohl auch eine gute Nachricht, denn dank internationaler Bemühungen sinkt die Infektionsrate zunehmend.  

LEUCOCHLORIDIUM PARADOXUM

Schnecken, die mit dem Endoparasiten Leucochloridium paradoxum infiziert sind, durchlaufen eine gruselige Transformation und werden zudem noch zu suizidalem Verhalten getrieben.

Die Ereigniskette sieht wie folgt aus: Eine Schnecke frisst Vogelausscheidungen, in denen sich die Eier des parasitischen Wurms befinden. Diese werden schließlich zu Sporocysten, die sich in Brutsäcken sammeln und bis in den Augenstil der Schnecke vordringen.

Der Schneckenfühler wird zu einem dicken, pulsierenden, gestreiften Kegel. Die Schnecke, die sonst eher schattige Plätze bevorzugt, kriecht dem Sonnenlicht entgegen, wo Vögel den pulsierenden Fühler mit einer Made verwechseln.

Sie fressen einen Teil des Fühlers oder die ganze Schnecke, wodurch der Parasit in den Verdauungstrakt des Vogels gelangt und heranwächst. Dort legt der Parasit dann Eier im Enddarm des Vogels, die ausgeschieden und von anderen Schnecken gefressen werden. So schließt sich der Kreis des parasitischen Lebens.

ZOMBIE-AMEISEN

Ameisen sind bei Weitem nicht so beliebt wie Schmetterlinge oder Marienkäfer. Trotzdem müssen sie einem wirklich leidtun, wenn sie dem Pilz Ophiocordyceps unilateralis begegnen.

Ein Forscherteam unter der Führung von David P. Hughes von der Harvard-Universität hat herausgefunden, dass O. unilateralis – eigentlich vier verschiedene Pilzarten der brasilianischen Regenwälder - Ameisen infizieren und in ihr Gehirn vordringen. Die Ameisen suchen dann einen Ort auf, der dem Pilz genehm ist.

Die Studie aus dem Jahr 2009 fand heraus, dass infizierte Ameisen sich unweigerlich auf der Unterseite eines Blattes etwa 25 Zentimeter über dem Boden festbeißen. Dort herrschen genau die richtigen Bedingungen, damit sich der Pilz vermehren und zu Boden fallen kann, um andere Ameisen zu infizieren. Man stelle sich einfach einen kleinen Baum vor, der einem aus dem Kopf wächst.

Der heimtückische Pilz nutzt die Leichname seiner Opfer auch, um weitere Ameisen zu infizieren: Manchmal schießt er Sporen aus dem Kadaver seines Wirts auf andere Opfer. 

Auch Feuerameisen haben ihren eigenen parasitischen Erzfeind: die Buckelfliegen. Diese Tierchen durchbohren die Ameisen und legen Eier in ihnen ab.

Die Larven, die daraus schlüpfen, bewegen sich dann zum Kopf der Ameise, wo sie ihr Gehirn fressen, sodass die Ameise wie ein Zombie ziellos in der Gegend umherstreift. Mitunter sorgen die Fliegen dafür, dass die Ameise ihre Kolonie verlässt, damit ihre Artgenossen sie nicht angreifen. Die kleinen Fliegen, die sich aus den Larven entwickeln, enthaupten ihren Wirt schließlich und verlassen den abgetrennten Kopf. Der ganze Zyklus dauert ungefähr 45 Tage.

„ZUNGENBEISSER“

Unser letzter Kandidat kontrolliert nicht das Gehirn seines Opfers. Er frisst nur dessen Zunge und lebt dann in seinem Mund als Ersatzzunge.

Das beschriebene Tier ist Cymothoa exigua. Der kleine Parasit gelangt über die Kiemen eines Fisches in dessen Mund. Er frisst seine Zunge und richtet sich dann gemütlich mit der Blickrichtung nach draußen in dessen Mund ein – ganz so, als wäre der Fisch ein großer Leihwagen und der Parasit würde den Roadtrip seines Lebens machen.

Cymothoa exigua steuert sein Opfer nicht, wie es die anderen erwähnten Parasiten tun, ist aber dafür deutlich größer und entzieht seinem Wirt laut Carl Zimmer die Nährstoffe. Fische mit diesem Parasiten hatten ein schlechteres Blutbild als nicht befallene Fische.

Zum Glück können diese „Zungenbeißer“ Menschen nicht gefährlich werden – aber sie bleiben einem sicher eine ganze Weile im Kopf.

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