Geschichte und Kultur

Halloween: Ursprünge und Transformation eines Feiertag

Von seinen keltischen Wurzeln bis zu modernen Mythen gibt es über Halloween viel Wissenswertes zu erfahren.Donnerstag, 25. Oktober 2018

Von Brian Handwerk
An Halloween ziehen kostümierte Menschen von Haus zu Haus. Die modernen Halloween-Traditionen gehen auf heidnische Bräuche zurück.

Das schaurigste, albernste und gruseligste Fest des Jahres steht bevor: Halloween. Besonders für die US-Amerikaner ist der dortige Feiertag fast schon „serious business“, auch wenn viele gar nicht wissen, warum sie Kürbisse schnitzen, Geister aufhängen, Süßigkeiten verteilen und verrückte Kostüme anziehen. 

Dabei begann gerade der Brauch der Kostümierung schon vor 2.000 Jahren. Allerdings hat die alte Tradition mittlerweile einen modernen Anstrich erhalten. 

Halloween-Special: Echte Zombies
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Heidnischer Ursprung 

Archäologen sind noch immer auf Spurensuche nach den Ursprüngen von Halloween, beispielsweise am Erdwerk Hill of Ward (ursprünglich Tlachtgha) im irischen County Meath. Das Fest scheint ein direkter Nachfahre des keltischen Fests Samhain zu sein, das vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert wurde und den Beginn des neuen Jahres einläutete. 

Am Abend des 31. Oktober, dem Ende des alten Jahres, wandelten angeblich Geister (ganz zu schweigen von Feen, Dämonen und anderen Wesen) über die Erde. Die Tore zwischen unserer Welt und der Geisterwelt standen dann weit offen, sodass sie ihren Weg ins Nachleben antraten. 

Traditionell wurden an wichtigen Orten große Freudenfeuer entfacht. Auch bei Tlachtgha finden sich Spuren solcher festlichen Feuer. Womöglich wurden darin Opfergaben verbrannt oder sie symbolisierten die Sonne. 

Keltische Kostüme 

Die Kelten waren es auch, die die Halloween-Tradition der Kostümierung ins Leben riefen, wie das American Folklife Center der US-Kongressbibliothek berichtet. Die Kelten trugen Tierhäute, um sich vor den Geistern zu verbergen, oder sie schwärzten ihre Gesichter und setzten Masken auf, um Vorfahren zu verkörpern, die bereits in die Geisterwelt übergegangen waren.  

Vermutlich verkleideten sich einige Feiernde auch als Geister und gingen von Tür zu Tür, wo sie im Tausch gegen Essen und Trinken kleine Albernheiten aufführten. Dieser Brauch ging womöglich auf eine noch ältere Tradition zurück, bei der man Essen und Trinken für Feen und andere übernatürliche Wesen vor die Tür stellte. Sehr wahrscheinlich geht das heutige Trick-or-Treating (Süßes oder Saures) auf diese Bräuche zurück.  

Auch Haustierkostüme wurden in den letzten Jahren immer beliebter.

Christliche Transformation 

Die christliche Kirche vereinnahmte im Laufe der Geschichte viele heidnische Festtage für sich und verpasste ihnen gewissermaßen einen neuen Anstrich. Samhain ist nur eines von vielen Beispielen: Im 7. Jahrhundert erklärte Papst Bonifatius IV. den 1. November zu Allerheiligen – oder im Englischen All Hallow’s Day.  

Die heidnischen Feierlichkeiten tolerierte die Kirche aber. Am Abend des 31. Oktober gab es also weiterhin große Feuer, Kostüme und Paraden. Nur der Name hatte sich geändert: All Hallow’s Eve, was später zu Halloween wurde.  

Wie Halloween nach Amerika kam 

Europäische Einwanderer brachten Halloween schließlich in die USA, wo verschiedenste Traditionen der Alten Welt wiederauflebten. Besonders durch die irischen Einwanderungswellen im 19. Jahrhundert erlangten die Feierlichkeiten eine größere Bekanntheit. 

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch Politiker mitmischten. In der Stadt Anoka im Bundesstaat Minnesota fanden womöglich die ersten offiziellen Halloween-Feierlichkeiten der USA statt. Im Jahr 1920 hielt die Stadt eine Parade ab und entfachte ein Freudenfeuer, um den Festtag zu begehen. 

Die Motivation dahinter war allerdings zumindest von Seiten der Stadt wohl nicht ganz uneigennützig. Geschichtswissenschaftler aus Anoka vermuten, dass die Bewohner genug von den Halloween-Streichen hatten, bei denen Spaßmacher Kühe auf der Hauptstraße freiließen oder Klohäuschen umwarfen. Die offiziellen Feierlichkeiten sollten derlei Späße womöglich in geordnete Bahnen lenken. 

Moderne Mythen, vergiftete Süßigkeiten und Killer-Clowns 

Es ist ein Mythos, der sich seit vielen Jahren hartnäckig hält: Manchmal verschenken Menschen zu Halloween Süßigkeiten, die vergiftet oder mit Nadeln oder Rasierklingen gespickt sind. 

Der Soziologe Joel Best von der University of Delaware befasst sich eingehend mit dem Mythos der gefährlichen Süßigkeiten. Er selbst konnte bisher keinen einzigen nachweisbaren Fall finden, bei dem ein Kind durch Halloween-Süßigkeiten ernsthaft verletzt wurde oder starb. 

„Irgendwer bekommt einen Schokoriegel, steckt einen Nagel rein und lädt dann ein Bild davon bei Facebook hoch mit dem Kommentar: Hey, das hier habe ich bekommen“, sagt Best. „Irgendwann wird das dann als Schwindel entlarvt.“ 

In den letzten Jahren hat die Legalisierung von Marihuana in Colorado für Bedenken gesorgt, die sich aber als unbegründet erwiesen. „Man hatte Angst, dass die Leute mit Hanf zubereitete Süßigkeiten verteilen würden und die Kinder eine Überdosis nehmen“, erzählt er. „Dabei hatte man unter anderem völlig außer Acht gelassen, wie teuer Marihuana ist.“ 

Im Jahr 2016 sorgten dann vermehrte Sichtungen von Grusel-Cowns für Nervosität. Auch diese Sorgen erwiesen sich aber als unbegründet.  

„Das erinnert mich an die Tylenol-Vergiftungen im September 1982. Damals spekulierten die Leute auch, dass es sicher viele vergiftete Süßigkeiten geben würde“, so Best. 

Die Stadt Anoka in Minnesota begann im Jahr 1920 damit, Halloween mit einer Parade zu feiern. Geschichtswissenschaftler glauben, dass die offiziellen Feierlichkeiten den Halloween-Streichen Einhalt gebieten sollten.

Aber selbst das Horrorclown-Phänomen ist ihm zufolge kein Novum. „Was mich überrascht hat, ist, dass es das schon früher gab. Der aktuelle Fall wurde eben nur durch die sozialen Medien noch bekannter“, erzählt Best. „Das Horrorclown-Phänomen trat nicht nur in den USA regelmäßig auf, sondern auch in europäischen Ländern.“  

Die Kasse klingelt 

Halloween mag als religiös-spirituelle Feierlichkeit begonnen haben, aber mittlerweile ist es für viele wenig mehr als ein gutes Geschäft. 

Laut einer Konsumentenbefragung im Jahr 2017 planten 179 Millionen US-Bürger, Halloween zu feiern und dafür auch tiefer in die Tasche zu greifen. 

Sieben von zehn US-Amerikanern wollten 2017 Süßigkeiten verteilen, etwa fünf von zehn wollten ihr Haus schmücken oder ein Kostüm tragen. Die Gesamtausgaben für Deko, Kostüme und Süßigkeiten wurden auf rekordverdächtige 9,1 Milliarden Dollar geschätzt. Das sind im Schnitt 86,13 Dollar pro Konsument und damit fast doppelt so viel wie noch 2005, als im Schnitt 48 Dollar für Halloween-Artikel ausgegeben wurde. 

Jede Menge Kürbisse 

Der Kürbis hat seine Wurzeln eigentlich in Mittelamerika. Weit davon entfernt, im kühlen Illinois, wird der Großteil der Kürbisse für die USA angebaut. 

Im Jahr 2015 produzierte der Bundesstaat um die 145.000 Tonnen Kürbisse. Zusammen ernteten die größten Kürbis-Staaten der USA, zu denen auch Kalifornien, Ohio, Pennsylvania und Michigan gehören, mehr als 16.000 Hektar an Kürbisfeldern. Der Gesamtertrag war etwa 90 Millionen Dollar wert. 

Mehr als nur Kostüme? 

Für fast die Hälfte aller Amerikaner sind Geister nicht nur ein witziger Teil von Halloween, sondern real. Laut einer Befragung von 2.250 Erwachsenen US-Bürgern im November 2013 glauben 42 Prozent an Geister.Aber nicht nur das: 26 Prozent derselben Befragten glauben auch an Hexen.  

Eine andere Umfrage aus dem Jahr 2009 ergab, dass etwa 18 Prozent der US-Amerikaner schon mindestens einmal die Anwesenheit eines Geistes gespürt oder tatsächlich einen Geist gesehen haben wollen. 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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