Tiere

Klein und fleckig: Tüpfelbeutelmarder kehren auf australisches Festland zurück

Die Art starb auf dem Festland vor Jahrzehnten aus und wurde nun im abgelegenen Booderee-Nationalpark wiederangesiedelt. Mittwoch, 21 März

Von Elaina Zachos

Vor Kurzem wurden zum ersten Mal Tüpfelbeutelmarder auf dem australischen Festland wiederangesiedelt. Dank des entsprechenden Artenschutzprogramms laufen nun 20 der kleinen Beuteltiere durch den Booderee-Nationalpark an der Südküste von New South Wales.

Bald steht die erste Paarungssaison der Tiere an, und Artenschützer hoffen, dass die Wiederansiedlung zur Vergrößerung des Bestandes beitragen wird. Derzeit versuchen Forscher herauszufinden, welchen Lebensraum die Art bevorzugt und ob die Programme zur Populationskontrolle der invasiven Füchse des Parks ausreichen, um den Bestand der Raubtiere einzudämmen.

„Diese Informationen könnten die Blaupause für die Wiederansiedlung von Tüpfelbeutelmardern in anderen Bereichen des Festlands werden“, erklärte Rob Brewster letztes Jahr in einer Pressemitteilung des WWF Australia. Brewster ist der Leiter des Projekts Rewilding Australia, das sich der Renaturierung des Landes verschrieben hat.

Neben dem WWF Australia, der Australia National University, dem Booderee-Nationalpark und Rewilding Australia, das finanziell von der Regierung gefördert wird, sind auch die Taronga Conservation Society, Shoalhaven Landcare und das Tasmanian Quoll Conservation Program an dem Projekt beteiligt.

VOLL QUOLL

Der Booderee-Nationalpark bietet Hunderten von Tierarten ein Zuhause, darunter auch Vögeln, Fledermäusen, Reptilien, Amphibien und Fischen. Zwei weitere Arten, das Langschnauzen-Kaninchenkänguru und der Kleine Kurznasenbeutler, wurden in den vergangenen zwei Jahren im Nationalpark angesiedelt und entwickeln sich seither prächtig. Dank seiner Lage auf einer natürlich geschützten Halbinsel und der streng überwachten Fuchspopulation war Booderee ein idealer Ort für die Wiederansiedlung des Tüpfelbeutelmarders. Die Art wird von der Weltnaturschutzunion als stark gefährdet eingestuft.

Die Tiere wurden aus dem Trowunna Wildlife Park und dem Devils at Cradle Wildlife Park eingeflogen, zwei tasmanischen Tierschutzgebieten. In diesem Monat wurden sie an fünf verschiedenen Orten auf der Halbinsel St. Georges Head im Süden Australiens in kleinen Gruppen ausgewildert.

Die Beutelmarder – oder Quolls, wie sie auch genannt werden – sind mit GPS-Halsbändern ausgestattet und werden die nächsten drei Jahre von Parkangestellten und Ökologen von Universitäten überwacht. Die Forscher werden auch die nicht heimischen Füchse beobachten, die größten Fressfeinde der Beutelmarder. Laut Nick Dexter, dem Manager für die Naturschätze des Booderee-Nationalparks, sind im ganzen Park Infrarotkameras installiert, die auch die einheimischen Pflanzen und Tiere überwachen.

Am 15. März berichtete die „Canberra Times“, dass die Tiere größtenteils in der Nähe der Orte geblieben sind, an denen sie freigelassen wurden. Die ersten zwei Wochen sind für umgesiedelte Tiere die gefährlichsten. In dieser Zeit verlieren sie an Gewicht und zerzausen etwas, da sie in der neuen Umgebung allein Nahrung finden müssen. Das ist auch die Zeit, in der ihnen die größte Gefahr durch Fressfeinde und Unfälle droht.

„Einige sind so schnell sie konnten aus der Box gesprungen und in die Büsche geflitzt, andere hielten inne, sahen sich um und schlenderten dann davon“, erzählte der Gründer des Devils at Cradle Wildlife Park, Wade Anthony, dem Fernsehnetzwerk ABC. „Einer beschloss, knapp über einen Kilometer weit auf Wanderschaft zu gehen.“

Der WWF Australia und Rewilding Australia arbeiten auch an der Vergrößerung der Gehege im Trowunna Wildlife Park und im Devils at Cradle Wildlife Park. Die größeren Gehege sollten Schätzungen zufolge die Geburt von 40 zusätzlichen Tüpfelbeutelmardern pro Jahr ermöglichen. Derzeit sieht der Plan so aus, dass 2019 weitere 40 Beutelmarder ausgewildert werden sollen, gefolgt von nochmals 40 im Jahr 2020.

QUOLLE FAHRT VORAUS

Tüpfelbeutelmarder waren im Südosten Australiens Millionen Jahre lang heimisch. Auf dem Festland wurden sie allerdings vor über 50 Jahren ausgerottet. Im 20. Jahrhundert starben die Tiere durch eine mysteriöse Epidemie und die Einführung invasiver Füchse. Von Menschen ausgelegte Giftköder und die Zerstörung von Lebensraum haben ebenfalls zum Verschwinden der Art beigetragen. In Tasmanien, wo es keine Füchse gibt, kommt sie allerdings noch vor.

Tüpfelbeutelmarder sind etwa so groß wie Hauskatzen, weshalb sie von den Australiern manchmal auch als „heimische Katzen“ bezeichnet werden. Die Männchen werden im Schnitt 60 Zentimeter lang und wiegen bis zu 1,3 Kilogramm. Die Weibchen sind etwas kleiner. Sie haben dichtes, weiches Fell, das hellbraun bis schwarz sein kann und kleine weiße Flecken hat. Tüpfelbeutelmarder haben außerdem spitze Schnauzen und buschige Schwanzspitzen, die am Ende meist weiß sind.

Tagsüber kann man sie manchmal in ihrem Nest sehen, das sie unter umgefallenen Baumstämmen, in Erdlöchern oder unter Steinen bauen. Obwohl die Tiere nur etwa zwei oder drei Jahre alt werden, können Weibchen bis zu sechs Nachkommen pro Jahr gebären.

Tüpfelbeutelmader ernähren sich von Insekten, kleinen Säugetieren, Vögeln und Reptilien und helfen dabei, das Ökosystem zu regulieren.

„Die meisten Fleischfresser, die auf dem Festland ausgestorben sind, sind für immer verschwunden“, sagte Darren Grover vom WWF Australia gegenüber AFP. „Das ist also eine seltene Gelegenheit.“

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