Tiere

Erster Nachwuchs bei wiederangesiedelten Tüpfelbeutelmardern

Die katzengroßen Tiere wurden vor Jahrzehnten auf dem australischen Festland ausgerottet. Ein Wiederansiedelungsprogramm verzeichnet nun einen ersten Erfolg.Dienstag, 7. August 2018

Von Liz Langley
Der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) starb auf dem australischen Festland aus, aber eine Population auf Tasmanien blieb erhalten. Forscher versuchen nun, die Tiere wieder auf dem Festland anzusiedeln.

Schönheit mag im Auge des Betrachters liegen, aber wenn es um Niedlichkeit geht, sind sich die meisten Menschen einig: Der Tüpfelbeutelmarder geht definitiv als niedlich durch. Die knopfäugigen und gepunkteten Beuteltiere sind in Australien heimisch.

Auf dem Festland starben die kleinen Beuteltiere vor etwa 50 Jahren aus, weshalb im März diesen Jahres 20 Exemplare von Tasmanien in einen australischen Nationalpark umgesiedelt wurden.

Sie sollen die Zukunft der neuen Festlandpopulation werden.

Australien: Auf Festland ausgestorbenes Beuteltier wieder ausgewildert
Australien: Auf Festland ausgestorbenes Beuteltier wieder ausgewildert
Zum ersten Mal seit 50 Jahren schleichen wieder Tüpfelbeutelmarder über das australische Festland.

TEUFLISCHE TIERCHEN

Mit ihrem Mäuschengesicht, ihrem katzenähnlichen Körper und den Punkten auf dem flauschigen Fell sind Tüpfelbeutelmarder (oder Quolls, wie sie im Englischen genannt werden) unverwechselbar.

In der Wildnis fallen sie dennoch kaum auf. Die nachtaktiven Tiere schlafen tagsüber zumeist in ihrem Bau und gehen nachts auf Nahrungssuche.

Dabei sind sie alles andere als wählerisch. Die Beuteltiere fressen Insekten und Aas, jagen aber auch Ratten, Hasen, Vögel und Eidechsen – selbst Tiere, die größer als sie sind.

Es wurde sogar schon beobachtet, wie Tüpfelbeutelmarder dem Tasmanischen Teufel seine Beute abluchsen, erzählt Wade Anthony. Er ist der Gründer des Schutzzentrums Devils@Cradle in Tasmanien, in dem einige der nach Australien gebrachten Tüpfelbeutelmarder gezüchtet wurden.

Drei der zwanzig wiederangesiedelten Tüpfelbeutelmarder haben Nachwuchs bekommen.

„Ich habe beobachtet, wie ein Tüpfelbeutelmarder einen [Tasmanischen] Teufel auf ein fröhliches Tänzchen um einen Kadaver geführt hat. Der Teufel jagte ihn fort, aber auf dem Rückweg überholte der Tüpfelbeutelmarder ihn dann und stahl jedes Mal ein paar Bissen“, sagt er.

Tüpfelbeutelmarder und Tasmanische Teufel sind miteinander verwandt. Beide sind Fleischfresser aus der Familie der Raubbeutler.

Etwas entfernter sind sie auch mit dem ausgestorbenen Beutelwolf oder Tasmanischen Tiger verwandt, erzählt Nicholas Dexter. Er ist der oberste Projektbeauftragte des Booderee-Nationalparks in New South Wales, in dem die Tüpfelbeutelmarder ausgesiedelt wurden.

Auch Zwergbeutelmarder gelten als stark gefährdet – sie fielen ihrer Beute zum Opfer. Der Bestand an Beutelmardern fiel nach 1935 um 95 Prozent, als die giftige Aga-Kröte in Australien eingeführt wurde. Einige Beutelmarder meiden diese Kröten allerdings. Eine aktuelle Studie hat Hinweise darauf gefunden, dass es sich dabei um ein vererbbares Merkmal handeln könnte. Beutelmarder mit zwei „krötenerfahrenen“ Elterntieren liefen deutlich seltener Gefahr, sich an einem tödlichen Krötenbein zu versuchen, als andere Beutelmarder. Selbst Hybriden mit nur einem solchen Elternteil zeigten dieses Verhalten.

Etliche Arten der Beutelmarder wurden durch Krankheiten und nicht heimische Raubtiere wie Füchse und Katzen stark dezimiert oder gar lokal ausgerottet.

Wissenschaftler ließen eine Gruppe aus reinrassigen Zwergbeutelmardern und Hybriden auf Indian Island frei, wo es vor Kröten wimmelt. Nach einem Jahr gedieh ein Teil des Beutelmardernachwuchses inmitten der Kröten weiterhin prächtig, was vermuten lässt, dass das Gen weitergegeben wurde.

DER RUF DER WILDNIS

Wie kam es also dazu, dass die Tüpfelbeutelmarder trotz ihrer Fähigkeiten auf dem australischen Festland ausstarben? Die Antwort: Füchse.

Die Tiere wurden im frühen 19. Jahrhundert von Großbritannien aus eingeführt und „breiteten sich über die südliche Hälfte des Kontinents aus, mit Ausnahme von Tasmanien“, sagt Dexter. Infolgedessen wurden viele Tiere in der Wildnis ausgerottet, darunter Bürstenkängurus, Kurznagelkängurus und Tüpfelbeutelmarder.

Tasmanien fungierte dabei als eine Art „Arche Noah für einige dieser Arten wie den Tüpfelbeutelmarder“, erklärt er.

Auch die 20 Exemplare, die im März im Booderee-Nationalpark freigelassen wurden, hatten es nicht leicht. Nur vier haben überlebt. Sechs ihrer Artgenossen fielen Raubtieren – auch Füchsen – zum Opfer und vier wurden überfahren.

Man hatte Anthony zufolge zwar mit einer gewissen Todesrate gerechnet, aber an dem aktuellen Programm wird man vermutlich Änderungen vornehmen. Devils@Cradle hat das Wildgebiet für seine auszuwildernden Tüpfelbeutelmarder bereits vergrößert.

Dexter hofft, dass künftige Generationen, die im Booderee-Nationalpark geboren werden, mehr Angst vor Gefahrenquellen wie Menschen, Verkehr und Haushunden haben werden.

Und die nächste Generation ist bereits da. Im August brachten drei der weiblichen Tüpfelbeutelmarder jeweils fünf Junge zur Welt.

Die Weibchen können bis zu 20 Junge werfen, die jeweils nur „so groß wie ein Reiskorn“ sind, erklärt Anthony. Tüpfelbeutelmarder haben aber nur sechs bis acht Zitzen. Daher geht der Wettbewerb gleich nach der Geburt los, sogar schon während der ersten acht Wochen, die der Nachwuchs in Mamas Beutel verbringt.

Verliebt sich eigentlich jeder sofort in die Beutelmarder?

„Ja“, sagt Dexter. „Besonders, wenn sie auf ihren Hinterläufen stehen und einen wie Erdmännchen in gepunkteten Pyjamas ansehen.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Beuteltiere

Brian, das „Mini-Känguru“ – unerforschte Beuteltiere in Australien
1:17

Brian, das „Mini-Känguru“ – unerforschte Beuteltiere in Australien

05. März 2018: Das ist Brian, ein Tasmanien-Bürstenrattenkänguru aus Australien. Das Tasmanien-Bürstenrattenkänguru ist im Prinzip ein Mini-Känguru und noch weitestgehend unerforscht. Brian lenkt nun Aufmerksamkeit auf diese Beuteltiere im Westentaschenformat: Er ist Botschafter für den Woodlands and Wetlands Trust in Australien. Die gemeinnützige Organisation rettete Brian vor drei Jahren, nachdem seine Mutter ihn verstieß. Bürstenkängurus sind nicht nur niedliche Fellknäuel – sie sind auch hart arbeitende Gärtner. Die Allesfresser nutzen ihre langen Vorderkrallen, um nach Trüffeln zu graben – ihre Leibspeise. Die von ihnen gegrabenen Löcher bieten Samen einen perfekten Ort zum Keimen. Brian ist das Aushängeschild für unerforschte, australische Tierarten und gibt den Namenlosen ein Gesicht.
Wei­ter­le­sen